Unabhängiger von Microsoft:
Deutsche Schulen setzen auf Open Source

Sechs deutsche Bundesländer haben einen Rahmenvertrag für eine Open-Source-Bildungsplattform unterzeichnet. Damit sollen die Abhängigkeit von US-Konzernen wie Microsoft an Schulen verringert und Schülern digitale Kompetenzen vermittelt werden.
Open Source, Source Code, Quelloffene Software
WinFuture/Symbolbild
  • Sechs deutsche Bundesländer setzen auf eine Bildungsplattform von Nextcloud
  • Das Vorhaben soll die Abhängigkeit von großen US-Softwareriesen reduzieren
  • Die freiwillige Nutzung der Plattform KoDaS wird über den DigitalPakt gefördert
  • Rund 67,5 Millionen Euro beträgt das maximale Volumen des neuen Rahmenvertrags
  • Der Anbieter IONOS betreibt die Cloud-Infrastruktur komplett in Deutschland
  • Schulen erhalten Werkzeuge für E-Mails, Chats und gemeinsame Dokumentenarbeit

Perspektivisch weg von Microsoft und Google

Während in Dänemark ein Test zum Ersetzen von Microsoft Office mit der quelloffenen Alternative Collabora erst einmal auf Eis liegt, kann sich der deutsche Anbieter der Open-Source-Office-Suite OpenDesk angeblich kaum vor dem Ansturm der Interessenten retten. Sechs deutsche Bundesländer haben nun zudem einen vierjährigen Rahmenvertrag für eine digital souveräne Open-Source-Bildungsplattform des Stuttgarter Unternehmens Nextcloud unterzeichnet. Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wollen damit an ihren Schulen die Abhängigkeit von US-Softwareriesen verringern.

Ersetzt werden Office und Co. dadurch allerdings nicht. Das Angebot stellt momentan lediglich eine Alternative dar, wobei die Nutzung für die jeweiligen Bildungseinrichtungen komplett freiwillig ist.


Das Projekt läuft unter dem Namen KoDaS, was für Kollaborations- und Dateiablagesystem steht, und wird aus Mitteln des DigitalPakts Schule gefördert. Das maximale Auftragsvolumen beläuft sich auf bis zu 67,5 Millionen Euro. Den Schülern und Lehrkräften stehen künftig Funktionen wie Dateiaustausch, gemeinsame Dokumentenbearbeitung im Browser, E-Mail, Kalender und Chat zur Verfügung. Abgerechnet wird das neue System nach den tatsächlich aktiven Anwendern in fünf Stufen, die von bis zu 50.000 bis über 500.000 Nutzern reichen. So können die Schulträger die Dienste flexibel anfordern.

Fokus auf Datensicherheit

Wie Nextcloud in einem Blogbeitrag mitteilt, stellt es die technologische Basis für das System bereit. Anbieter IONOS agiert als Generalunternehmer und betreibt die zugrunde liegende Cloud-Infrastruktur ausschließlich in deutschen Rechenzentren. Die Plattform soll als datenschutzkonforme Alternative gemäß der Datenschutz-Grundverordnung dienen und Schutz vor dem Zugriff durch US-Behörden bieten, wie ihn etwa der US Cloud Act ermöglicht.

Frank Karlitschek, Gründer und Geschäftsführer von Nextcloud, sieht den Staat in der Rolle eines Leuchtturm-Kunden. Er argumentiert, dass Schulen digitale Kompetenzen vermitteln sollten, anstatt eine Abhängigkeit von einzelnen Technologieanbietern zu fördern. Wenn Schüler frühzeitig mit Open-Source-Technologien vertraut gemacht würden, befähige sie das später zu unabhängigen Entscheidungen über Technologie. Den anderen zehn Bundesländern stünde die Möglichkeit jederzeit offen, dem Rahmenvertrag nachträglich beizutreten.

Europäischer Trend

Einige Länder gehen bereits eigene Wege. Schleswig-Holstein fehlt in der Runde, da man dort bereits seit längerer Zeit auf einen eigenen Nextcloud-Stack setzt. Auch Mecklenburg-Vorpommern setzt bereits auf Nextcloud, um die Abhängigkeit von Microsoft und Co. zu verringern.

Der Wunsch nach digitaler Souveränität beschränkt sich aber nicht auf Deutschland. Laut IONOS wird die Software bereits in Frankreich eingesetzt, wo das Bildungsministerium sie 500.000 Nutzern bereitstellt und eine Ausweitung auf 1,2 Millionen Mitarbeiter plant. Die dänische Datenschutzbehörde verbot 2022 zudem den Einsatz von Google Workspace an Schulen wegen Datenschutzbedenken. Und auch Einrichtungen wie der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag haben sich bereits von US-Software verabschiedet und setzen auf Open-Source-Alternativen.

Setzen die Bundesländer eurer Meinung nach ein richtiges Zeichen für mehr digitale Unabhängigkeit? Für wie wichtig haltet ihr es, bereits bei jungen Menschen auf die eingesetzte Software zu achten? Teilt eure Gedanken gerne mit uns in den Kommentaren!

Download OnlyOffice Desktop - Gratis Office für Windows Siehe auch:
Felix Krauth

Redakteur für Windows & Hardware

War Game Designer, bevor er Journalist wurde, und testet Spiele bis heute selbst. Sein Spektrum reicht von der FritzBox über Windows 11 und Apple bis zu Gaming.

WinFuture bei Google bevorzugenJetzt hinzufügen
Jetzt einen Kommentar schreiben


Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!