Panne bei Zertifikats-Firma:
Wie ihr weiter sicher durchs Netz kommt

Acht fehlerhafte TLS-Zertifikate einer indischen Zertifizierungsstelle haben weltweit Sicherheitsalarm in IT-Abteilungen ausgelöst. Die privaten Schlüssel waren so schwach, dass Angreifer damit Zertifikate für beliebige Webseiten hätten erstellen können.
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  • Zwischenzertifikate der indischen Zertifizierungsstelle eMudhra sind betroffen
  • Acht private Schlüssel besaßen extrem geringe Entropie von nur drei bis acht Bit
  • Browser und wichtige Programme sperrten die gefährdeten Zertifikate bereits
  • Experten vermuten ein versehentliches Einspielen von Beispielcode im System
  • Nutzer sollten sämtliche verfügbaren Sicherheitsupdates rasch installieren
  • Eine vollständige Behebung des gravierenden Problems könnte Jahre dauern

Browser-Hersteller reagieren schnell

Browserhersteller und Anbieter wichtiger Anwendungen haben die betroffenen Zertifikate bereits gesperrt. Die vollständige Bereinigung dürfte allerdings noch lange dauern. Auch normale Nutzer sollten deshalb vorsichtig sein und ihre Geräte aktuell halten.

Betroffen sind Zwischenzertifikate der indischen Zertifizierungsstelle eMudhra Limited. Ein Sicherheitsforscher machte das Problem öffentlich und belegte den Zugriff auf einen der privaten Schlüssel durch eine digital signierte Nachricht. Damit war klar, dass sich mit den Schlüsseln auch neue Zertifikate erstellen ließen, die von Browsern und Anwendungen dann als vertrauenswürdig eingestuft werden.

Das Ausmaß des Fehlers überrascht selbst erfahrene Kryptografieexperten. Die acht kompromittierten Schlüssel waren lediglich zwischen drei und acht Bit groß und enthielten Werte von 4 bis 237. Bei einer elliptischen P-384-Kurve, wie sie für starke kryptografische Verfahren verwendet wird, sollte ein privater Schlüssel dagegen rund 384 Bit an Entropie besitzen. Die betroffenen Schlüssel waren somit extrem leicht zu erraten.

Wie es zu diesem gravierenden Fehler kommen konnte, ist bislang unklar. Ben Cartwright-Cox, Direktor des Netzwerkdienstes BGP.tools, vermutete laut Ars Technica, dass möglicherweise Beispielcode versehentlich in eine Produktivumgebung gelangt ist. Eine Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.

Was Nutzer jetzt tun sollten

Die von dem Problem ausgehende Gefahr ist nicht für alle Nutzer gleich groß. Aktuelle Versionen der meisten großen Browser haben die betroffenen Zwischenzertifikate bereits gesperrt. Wer damit im Internet unterwegs ist, ist nach einem Neustart bereits wieder geschützt. Eine Ausnahme bildete zunächst Microsoft Edge unter Windows 10, der weiterhin Verbindungen zu einigen betroffenen Servern aufbaute. Anders sieht es bei Anwendungen aus, die eigene Zertifikatsspeicher verwenden oder noch keine Sicherheitsupdates erhalten haben. Hier gilt es noch abzuwarten.


Nutzer sollten deshalb verfügbare Updates für Windows, MacOS, Linux, die genutzten Browser und andere Anwendungen zeitnah installieren. Das heißt: Wenn in den kommenden Tagen verfügbare Updates angezeigt werden, ist es ratsam, direkt auf den Installations-Button zu klicken.

Bei VPN-Software, Unternehmenszugängen und anderen Programmen, die verschlüsselte Verbindungen aufbauen, empfiehlt sich außerdem ein Blick auf aktuelle Sicherheitshinweise des jeweiligen Anbieters. Bis die Absicherung bestätigt ist, sollten besonders sensible Vorgänge über möglicherweise betroffene Verbindungen vermieden werden. Dazu zählen etwa der Zugriff auf vertrauliche Unternehmenssysteme oder die Übermittlung besonders schützenswerter Daten über ein nicht vertrauenswürdiges Netzwerk.

Warnmeldungen des Browsers zu Zertifikaten sollten keinesfalls ignoriert oder durch Ausnahmen umgangen werden. Auch ein Schloss-Symbol allein bietet keine absolute Sicherheit, wenn die Vertrauenskette fehlerhaft ist. Ein pauschaler Verzicht auf Onlinebanking oder gewöhnliches Surfen ist hingegen nicht begründet, sofern ein aktueller, abgesicherter Browser verwendet wird.

Der Mozilla-Entwickler Dennis Jackson hat eine Webseite für den Selbsttest bereitgestellt. Wenn in der Tabelle unter "Does your client still trust the compromised intermediates?" alles grün markiert wird, ist man auf der sicheren Seite.

Bereinigung könnte Jahre dauern

Der Kryptografieexperte Filippo Valsorda vergleicht den Aufwand mit den Folgen von Heartbleed. Die 2014 bekannt gewordene Schwachstelle in OpenSSL ermöglichte unter anderem den Zugriff auf vertrauliche Daten und private Schlüssel. Die anschließende Bereinigung dauerte Jahre.

Ein erfolgreicher Angriff mit den kompromittierten Zertifikaten setzt voraus, dass sich ein Angreifer aktiv zwischen zwei Kommunikationspartner schaltet und den Datenverkehr abfängt. In öffentlichen WLANs oder Netzwerken unter fremder Kontrolle kann das Risiko höher sein, daher sollte man Online-Banking beispielsweise nicht unbedingt in einem offenen Hotel-WLAN nutzen. Certificate-Transparency-Protokolle zeigten zunächst keine Hinweise auf einen Missbrauch. Das ist allerdings keine Garantie für Sicherheit, da sie erst nach der Ausstellung eines Zertifikats greifen.

Siehe auch:
Christian Kahle

Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

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