eMudhra schmeißt HTTPS-Geschäft nach Zertifikats-Fiasko hin

Der indische Zertifikatsanbieter eMudhra zieht sich aus dem weltweiten Geschäft mit SSL/TLS-Zertifikaten zurück. Auslöser war ein gravierendes Sicherheitsproblem, das weltweit für Schlagzeilen gesorgt hatte.
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  • Acht Zwischenzertifikate von eMudhra wiesen extrem schwache Schlüssel auf
  • Angreifer hätten damit gültige TLS-Zertifikate frei fälschen können
  • Große Browser sperrten die gefährlichen Zertifikate innerhalb weniger Tage
  • Ein Skriptfehler bei der Schlüsselerzeugung verursachte das Datenleck
  • Das Unternehmen zieht sich nun komplett aus dem SSL- und TLS-Geschäft zurück
  • Restrisiken bestehen vor allem bei älteren Systemen und vernetzten Geräten

Gravierender Fehler

Mehrere Zertifikate des Anbieters waren so schlecht abgesichert, dass die Angreifer mit minimalem Aufwand gefälschte Kopien für beliebige Websites und Mailserver hätten erstellen können. Bei acht Zwischenzertifikaten waren die zugehörigen privaten Schlüssel so schwach, dass sie sich innerhalb von Millisekunden erraten ließen.

Das Unternehmen begründet seinen Rückzug allerdings nicht nur mit dem entstandenen Vertrauensverlust, der Geschäfte in dem Bereich zukünftig wohl schwierig gemacht hätte. Stattdessen beruft man sich auf die hohen Kosten für die Einhaltung regulatorischer Vorgaben und auf die geringe wirtschaftliche Bedeutung des Geschäftsbereichs.


Wie eMudhra mitteilte, habe der Verwaltungsrat nach eingehender Beratung entschieden, das globale SSL/TLS-Geschäft aufzugeben. Der Bereich habe zuletzt lediglich rund ein Prozent zum Gesamtumsatz beigetragen. Zudem hätten kostenlose Zertifikatsangebote anderer Anbieter die erzielbaren Renditen verringert. Die öffentliche Aufmerksamkeit rund um den Sicherheitsvorfall habe außerdem eine Dimension erreicht, die aus Sicht des Unternehmens nicht im Verhältnis zur Bedeutung des Geschäfts stehe.

Sicherheitsforscher hatten die fehlerhaften Zertifikate Anfang der Woche öffentlich gemacht. Bei der verwendeten elliptischen Kurvenkryptografie sollten die privaten Schlüssel eine Entropie von rund 384 Bit aufweisen. Tatsächlich lagen die Werte der acht betroffenen Schlüssel jedoch lediglich zwischen 3 und 8 Bit. Damit gab es selbst beim stärksten der fehlerhaften Schlüssel höchstens 256 mögliche Kombinationen. Die veröffentlichten Schlüsselwerte lauteten 4, 56, 66, 115, 155, 156, 230 und 237.

Menschliche Fehler

Mit den kompromittierten Zwischenzertifikaten hätten Angreifer TLS-Zertifikate erzeugen können, denen gängige Browser vertraut hätten. Auch zahlreiche Mailserver, IoT-Geräte und andere Systeme wären potenziell betroffen. Die großen Browserhersteller sperrten die Zertifikate innerhalb von ein bis zwei Tagen nach ihrer Entdeckung. eMudhra drohte zudem der Entzug seines Status als vertrauenswürdige Zertifizierungsstelle.

Nach einer ersten Erklärung des Unternehmens entstand das Problem bei einer Schlüsselerzeugung am 30. April 2025. Dabei kamen spezielle Hardware-Sicherheitsmodule zum Einsatz. Ein Fehler in einem Skript habe zusätzlich zu den vorgesehenen starken Schlüsseln ein zweites Paar schwacher Schlüssel erzeugt. Aufgrund ähnlicher Bezeichnungen seien versehentlich die schwachen Schlüssel für Zertifikatsanfragen verwendet und anschließend signiert worden.

eMudhra spricht von menschlichen Fehlern in mehreren Prozessschritten und untersucht weitere mögliche Schwachstellen. Innerhalb einer Woche sollen sämtliche bisherigen Schlüsselerzeugungen überprüft werden. Obwohl die Browser-Sperren einen großen Teil der unmittelbaren Gefahr beseitigen, bleibt ein Restrisiko: Manche eingebetteten Geräte und ältere Systeme erhalten Sicherheitskorrekturen nur verzögert oder gar nicht.

Siehe auch:
Christian Kahle

Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

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