OSINT-Karte verrät Details zur ganzen russischen Rüstungs-Industrie

Anlässlich des vierten Jahrestag des russischen Großangriffs auf die Ukraine haben die ukrainischen OSINT-Communities Lex Talionis und OsintVarta eine umfassende interaktive Karte veröffentlicht, die tausende Unternehmen der russischen Rüstungsindustrie erfasst.
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    Alle Firmen und ihre Mitarbeiter

    Das Projekt ist das Ergebnis einer mehrstufigen Rechercheoperation, die auf die industrielle Basis der russischen Kriegsführung abzielt. Die öffentlich zugängliche Datenbank listet nach Angaben der Initiatoren 6088 Betriebe in insgesamt 85 Regionen Russlands, von Kaliningrad im Westen bis Wladiwostok im Fernen Osten, berichtete das Militärportal Militarnyi.

    Jede Fabrik ist mit einem eigenen Profil versehen, das Tätigkeitsfelder, produzierte Waffensysteme sowie vorhandene Lizenzen des Verteidigungsministeriums aufführt. Zudem erfolgt eine Einordnung in 16 Produktionsbereiche. Dazu zählen unter anderem die Herstellung zentraler Komponenten (1320 Unternehmen), Reparatur- und Modernisierungswerke (1231), Betriebe für Funk- und Elektronikkriegstechnik (420), Luftfahrtunternehmen (399), Produzenten gepanzerter Fahrzeuge (332), Werften (314) sowie Hersteller von Raketen-, Artillerie- und Munitionssystemen.


    Ein zentrales Ergebnis der Auswertung: Von den erfassten Firmen stehen 2290 bereits auf internationalen Sanktionslisten. 3798 Unternehmen hingegen sind bislang noch nicht sanktioniert. Die Aktivisten sehen darin Hinweise auf mögliche Lücken in der westlichen Sanktionspolitik gegenüber dem russischen militärisch-industriellen Komplex.

    Brisant ist vor allem der Umfang der veröffentlichten Personendaten. Nach Angaben der Betreiber enthält die Datenbank Informationen zu rund 1,2 Millionen Beschäftigten der Branche. Dazu gehörsen Passdaten, Steueridentifikationsnummern, Telefonnummern und E-Mail-Adressen von Ingenieuren, Konstrukteuren und Führungskräften. Mitarbeiter großer Rüstungskonzerne wie Kalashnikov oder ODK-Saturn verloren damit faktisch ihre Anonymität.

    Man will mehr

    Die Detailtiefe wird an einzelnen Beispielen deutlich: So führt ein Eintrag zu einem Avionik-Unternehmen in Taganrog mehr als 200 Beschäftigte samt Lizenzangaben auf. Auch für das Mil and Kamov National Helicopter Center sind tausende Mitarbeiter verzeichnet. Die Initiatoren betonen, sämtliche Daten vor der Veröffentlichung überprüft zu haben. Analysten und Fachleute könnten die frei herunterladbare Datenbank nun nutzen, um Strukturen, Lieferketten und technologische Entwicklungen der russischen Rüstungsindustrie genauer nachzuvollziehen.

    Die OSINT-Gruppen hinter der Aktion wollen es dabei nicht bewenden lassen. Sie erklärten dass sie aktiv nach weiteren geheimen Daten über den russischen Verteidigungssektor suchen und auch bereit sind, diese anzukaufen. Sie luden Hacktivisten und Analysten weltweit ein, gegen Bezahlung nützliche Daten-Dumps, interne Netzwerkzugänge und wichtige Dokumente über den militärisch-industriellen Komplex Russlands einzureichen.

    Zusammenfassung
    • OSINT-Gruppen veröffentlichen interaktive Karte russischer Rüstungsbetriebe
    • Die Datenbank erfasst 6088 Betriebe in insgesamt 85 Regionen Russlands
    • Jeder Betrieb ist mit Tätigkeitsfeldern und Lizenzen profiliert worden
    • Von 6088 Firmen sind 3798 noch nicht auf Sanktionslisten verzeichnet
    • Personendaten von rund 1,2 Millionen Beschäftigten wurden offengelegt
    • Passdaten, Steuernummern und Kontaktdaten von Mitarbeitern enthalten
    • Die Gruppen suchen aktiv nach weiteren geheimen Daten über Russland

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