Urheberrecht: Annas Archive ignoriert Verbot mit Spotify-Massen-Leak

Die Schattenbibliothek Annas Archive eskaliert den Streit mit der Mu­sik­industrie. Trotz gerichtlicher Verfügung sind nun Millionen Spo­ti­fy-Tracks als Torrent verfügbar. Das Datenpaket umfasst rund sechs Terabyte und startet eine neue Ebene im Konflikt.
Tv, Fernsehen, Piraterie, Illegal, Totenkopfflagge

Massiver Leak trotz gerichtlichem Verbot

Entgegen einer bestehenden einstweiligen Verfügung eines US-Gerichts tauchten nun etwa 2,8 Millionen Musikdateien im Torrent-Netzwerk auf. Das veröffentlichte Datenpaket umfasst rund sechs Terabyte und stellt die erste Welle eines potenziell noch viel größeren Leaks dar, der auf einem umfangreichen Scraping des Streaming-Dienstes basiert.

Insgesamt gibt es jetzt 47 neue Torrents, die jeweils rund 60.000 Audiodateien bündeln. Technisch liegen die Daten in einem speziellen Containerformat vor, wobei die Dateinamen aus abstrakten Spotify-IDs bestehen und für den Endanwender ohne Hilfsmittel kaum nutzbar sind. Um Titel und Interpreten korrekt zuzuordnen, ist eine separate, fast 30 Gigabyte große Metadaten-Datei notwendig, die als Index für die Sammlung fungiert.


Wie dazu jetzt TorrentFreak berichtet, handelt es sich bei den aktuellen Downloads vermutlich erst um den Anfang einer weit größeren Veröffentlichungswelle. Die Betreiber von Annas Archive hatten bereits im Dezember behauptet, insgesamt rund 86 Millionen Titel mit einem Gesamtvolumen von knapp 300 Terabyte gesichert zu haben.

Die aktuellen Dateinamen enthalten den Zusatz "pop_0", was darauf hindeutet, dass die Veröffentlichung gestaffelt nach der Popularität der Songs erfolgt - beginnend mit Titeln, die auf der Streaming-Plattform bislang kaum oder gar keine Abrufe verzeichnen. Die juristische Gegenwehr von Spotify sowie den großen Labels der RIAA - darunter Universal, Warner und Sony - läuft derweil auf Hochtouren, stößt jedoch an technische Grenzen.

Ein US-Gericht hatte erst im Januar eine einstweilige Verfügung erlassen, die das Hosten und Verbreiten der Werke untersagt. Auch Infrastrukturanbieter wie Cloudflare und diverse Domain-Registrare wurden verpflichtet, den Zugang zu unterbinden. Zwar verlor die Plattform daraufhin einige Domains, bleibt jedoch über ständig wechselnde Ausweichadressen und Backups, die unter anderem in Grönland gehostet werden, weiterhin erreichbar.

In einschlägigen Foren und auf Reddit bestätigen Nutzer unterdessen die Authentizität der geleakten Daten. Die heruntergeladenen Audiofiles enthalten eingebettete Metadaten wie Albumcover und Künstlernamen.

  • Umfang: 47 Torrents mit insgesamt 2,8 Millionen Dateien und sechs Terabyte Volumen.
  • Format: AAC-Container mit Ogg-Opus-Audiodaten, dem Standardformat von Spotify.
  • Struktur: Abstrakte IDs erfordern externe Datenbanken zur Identifizierung.
  • Verfügbarkeit: Nur über die JSON-Indexdatei auffindbar, nicht direkt gelistet.

Spotify wollte sich auf Nachfrage bislang nicht zu dem Vorfall äußern und verwies lediglich auf die bestehende gerichtliche Verfügung.

Was haltet ihr von dieser Eskalation im Urheberrechtsstreit? Glaubt ihr, dass technische Sperren solche massiven Leaks langfristig verhindern können? Schreibt uns eure Meinung gerne in die Kommentare.

Zusammenfassung
  • Schattenbibliothek veröffentlicht 2,8 Millionen Musikdateien trotz Verfügung
  • Sechs Terabyte Daten als erste Welle eines potenziell 300-Terabyte-Leaks
  • Material besteht aus 47 Torrents mit je etwa 60000 Audiodateien im Spotify-Format
  • Nutzer benötigen eine 30 GB große Metadatendatei zur korrekten Zuordnung
  • US-Gericht unter Richter Jed Rakoff erließ im Januar eine einstweilige Verfügung
  • Plattform bleibt trotz Sperrungen über wechselnde Ausweichadressen erreichbar
  • Leak könnte zum größten Datenleck in der Geschichte der digitalen Musikindustrie werden

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