Instagram-Chef: 16 Stunden tägliche Nutzung sind noch keine Sucht
Instagram-Chef Adam Mosseri steht vor Gericht: Er bestreitet, dass die App süchtig macht, und vergleicht sie mit harmlosen Netflix-Konsum. Doch interne Dokumente zeichnen ein düsteres Bild - Mitarbeiter bezeichneten sich selbst als "Dealer".
Das sei zwar unter Umständen problematisch, stelle aber keine klinische Krankheit im medizinischen Sinne dar. Mosseri argumentierte, dass die Mechanismen der App nicht darauf ausgelegt seien, die chemischen Prozesse im Gehirn wie bei einer Drogensucht zu manipulieren, sondern eher Gewohnheiten bildeten. Infografik Gesundheit: Ist Social Media schlecht für Kinder und Jugendliche?
Der Manager musste sich den Fragen der Anwälte einer zwanzigjährigen Klägerin stellen. Sie gibt an, durch die Nutzung der App während ihrer Jugend schwere psychische Schäden, darunter Depressionen und Essstörungen, erlitten zu haben. Auf die Frage, ob eine tägliche Nutzungsdauer von bis zu 16 Stunden bedenklich sei, räumte Mosseri ein, dass dies nach einer "problematischen Nutzung" klinge. Den Begriff der Sucht mied er jedoch strikt.
Wie der Guardian berichtet, konfrontierte die Klägerseite Mosseri im Kreuzverhör mit interner Korrespondenz, die Zweifel an der offiziellen Darstellung weckt. Darin bezeichneten sich Meta-Mitarbeiter sarkastisch als "Dealer" und merkten an, soziale Medien seien "biologisch und psychologisch" wie eine Droge.
Die Klägeranwälte argumentierten, dass diese internen Warnsignale ignoriert wurden, um Profitziele nicht zu gefährden. Mosseri gab an, er habe von diesen spezifischen Vergleichen nichts gewusst, betonte jedoch, dass das Unternehmen Risiken ernst nehme und Teams für das Wohlbefinden der Nutzer beschäftige.
Trotz dieser Bedenken entschied sich die Konzernspitze, bestimmte Verbote für Filter, die plastische Chirurgie nachahmen, zu lockern. Mosseri verteidigte den Schritt mit dem Argument, man wolle so wenig wie möglich zensieren.
Ein Verbot hätte Meta in die Rolle eines Schiedsrichters über ästhetische Standards gedrängt. Zudem würden neue Funktionen vor der Veröffentlichung getestet, um deren Auswirkungen auf jüngere Zielgruppen zu prüfen. Kritiker sehen in der Lockerung jedoch ein Einknicken vor den Interaktionsraten, die durch solche Filter generiert werden.
Sollte die Jury entscheiden, dass Design-Entscheidungen direkt zu gesundheitlichen Schäden führen, müssten viele Apps grundlegend überarbeitet werden. Während sich Wettbewerber wie TikTok und Snapchat im Vorfeld bereits auf Vergleiche geeinigt haben, steht Meta im Fokus der juristischen Auseinandersetzung. In den kommenden Wochen wird auch Meta-CEO Mark Zuckerberg im Zeugenstand erwartet.
Glaubt ihr der Argumentation, dass exzessive Social-Media-Nutzung nur eine schlechte Angewohnheit vergleichbar mit Netflix ist? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare - wir sind gespannt auf die Diskussion!
Siehe auch:
Instagram-Chef: Keine klinische Suchtgefahr
Instagram-Chef Adam Mosseri hat vor einem Gericht in Los Angeles bestritten, dass die Plattform absichtlich so gestaltet ist, dass sie eine Abhängigkeit erzeugt. In dem Verfahren, das als wegweisend für die Regulierung sozialer Medien in den USA gilt, verglich der Manager eine exzessive Nutzung der App mit dem nächtlichen Ansehen einer Netflix-Serie ("Bingen").Das sei zwar unter Umständen problematisch, stelle aber keine klinische Krankheit im medizinischen Sinne dar. Mosseri argumentierte, dass die Mechanismen der App nicht darauf ausgelegt seien, die chemischen Prozesse im Gehirn wie bei einer Drogensucht zu manipulieren, sondern eher Gewohnheiten bildeten. Infografik Gesundheit: Ist Social Media schlecht für Kinder und Jugendliche?
Der Manager musste sich den Fragen der Anwälte einer zwanzigjährigen Klägerin stellen. Sie gibt an, durch die Nutzung der App während ihrer Jugend schwere psychische Schäden, darunter Depressionen und Essstörungen, erlitten zu haben. Auf die Frage, ob eine tägliche Nutzungsdauer von bis zu 16 Stunden bedenklich sei, räumte Mosseri ein, dass dies nach einer "problematischen Nutzung" klinge. Den Begriff der Sucht mied er jedoch strikt.
Wie der Guardian berichtet, konfrontierte die Klägerseite Mosseri im Kreuzverhör mit interner Korrespondenz, die Zweifel an der offiziellen Darstellung weckt. Darin bezeichneten sich Meta-Mitarbeiter sarkastisch als "Dealer" und merkten an, soziale Medien seien "biologisch und psychologisch" wie eine Droge.
Die Klägeranwälte argumentierten, dass diese internen Warnsignale ignoriert wurden, um Profitziele nicht zu gefährden. Mosseri gab an, er habe von diesen spezifischen Vergleichen nichts gewusst, betonte jedoch, dass das Unternehmen Risiken ernst nehme und Teams für das Wohlbefinden der Nutzer beschäftige.
Interne Debatte um Schönheitsfilter
Ein zentraler Punkt der Verhandlung waren die sogenannten Beauty-Filter, die Gesichter digital glätten oder chirurgische Eingriffe simulieren. Der Vorwurf lautet, Meta fördere damit unrealistische Schönheitsideale, was insbesondere bei jungen Nutzern zu einer verzerrten Selbstwahrnehmung führe. Laut einem Bericht der New York Times bestätigte Mosseri, dass hochrangige Führungskräfte - darunter der ehemalige britische Vizepremier Nick Clegg - intern davor gewarnt hätten, das Wachstum über die Verantwortung zu stellen.Trotz dieser Bedenken entschied sich die Konzernspitze, bestimmte Verbote für Filter, die plastische Chirurgie nachahmen, zu lockern. Mosseri verteidigte den Schritt mit dem Argument, man wolle so wenig wie möglich zensieren.
Ein Verbot hätte Meta in die Rolle eines Schiedsrichters über ästhetische Standards gedrängt. Zudem würden neue Funktionen vor der Veröffentlichung getestet, um deren Auswirkungen auf jüngere Zielgruppen zu prüfen. Kritiker sehen in der Lockerung jedoch ein Einknicken vor den Interaktionsraten, die durch solche Filter generiert werden.
Signale für die gesamte Tech-Branche
Der Prozess gilt als erster großer Testfall vor einer US-Jury, bei dem geklärt werden soll, ob Social-Media-Konzerne für das "Süchtigmachen" von Nutzern haftbar gemacht werden können. Ein Urteil gegen Meta könnte weitreichende Folgen haben und eine Klagewelle nach sich ziehen. Beobachter werten das Verfahren als historisch, da es die bisherige Immunität der Plattformen infrage stellt.Sollte die Jury entscheiden, dass Design-Entscheidungen direkt zu gesundheitlichen Schäden führen, müssten viele Apps grundlegend überarbeitet werden. Während sich Wettbewerber wie TikTok und Snapchat im Vorfeld bereits auf Vergleiche geeinigt haben, steht Meta im Fokus der juristischen Auseinandersetzung. In den kommenden Wochen wird auch Meta-CEO Mark Zuckerberg im Zeugenstand erwartet.
Glaubt ihr der Argumentation, dass exzessive Social-Media-Nutzung nur eine schlechte Angewohnheit vergleichbar mit Netflix ist? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare - wir sind gespannt auf die Diskussion!
Zusammenfassung
- Instagram-Chef Mosseri bestreitet vor Gericht Suchtpotenzial der App
- Mosseri vergleicht exzessive Nutzung mit Netflix-Bingen statt Krankheit
- Interne Meta-Korrespondenz widerspricht offizieller Darstellung
- Klägerin berichtet von psychischen Schäden durch jugendliche Nutzung
- Beauty-Filter trotz Warnungen vor verzerrter Selbstwahrnehmung gelockert
- Erster großer US-Prozess zur Haftbarkeit von Social-Media-Konzernen
- Urteil gegen Meta könnte grundlegende Änderungen bei vielen Apps erzwingen
Siehe auch:
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