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Lidar-Technologie entdeckt seit tausend Jahren verschollene Stadt

Die Palaststadt Madinat al-Zahira wurde vor einem Jahrtausend so gründlich zerstört, dass sie aus dem Gedächtnis der Men­schen ver­schwand. Doch hochpräzise Laserscans machen die aus­ge­lösch­ten Ruinen im Boden nun wieder sichtbar.
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WinFuture/KI-generiert

Hightech-Laser enthüllt verlorene Stadt

Ein über tausend Jahre altes Rätsel der spanischen Geschichte steht offenbar vor der Lösung und dabei liefert modernste Fernerkundungstechnik den entscheidenden Schlüssel. Antonio Monterroso Checa, Forscher an der Universität Córdoba, hat durch die Analyse hochauflösender Lidar-Daten den wahrscheinlichen Standort der im 10. Jahrhundert erbauten Stadt Madinat al-Zahira identifiziert.

Die lange gesuchte Palaststadt des mächtigen Herrschers Almanzor befindet sich demnach am östlichen Rand von Córdoba, in einem Gebiet, das als Cabezos de las Pendolillas bekannt ist. Die Entdeckung basiert auf Datensätzen des spanischen Nationalen Geografischen Instituts, deren Laserpulse die Vegetation durchdringen und selbst subtile Bodenstrukturen sichtbar machen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben.

Die technische Analyse der sogenannten dritten Lidar-Abdeckung, die deutlich präzisere Höhenmodelle liefert als vorangegangene Scans, enthüllte ein ausgedehntes Netz an Anomalien im Gelände. Über eine Länge von 1200 Metern zeigen sich im digitalen Geländemodell Strukturen, die auf ein geplantes städtisches Raster hindeuten.

Das entdeckte Areal umfasst etwa 120 Hektar. Das entspricht exakt der Fläche der bekannten Kalifenstadt Madinat al-Zahra im Westen Córdobas. Die Daten zeigen rechteckige und quadratische Grundrisse sowie terrassierte Anlagen, die teilweise vom orthogonalen Raster abweichen und nach Südosten ausgerichtet sind. Das deutet auf massive, im Boden verborgene Architektur hin. Madinat al-ZahiraDie per Lidar erfassten Strukturen der verschollenen Stadt Madinat al Zahira Wie aus einer Mitteilung der Universität Córdoba hervorgeht, stützt sich die Identifizierung nicht nur auf die Laserdaten, sondern auch auf bemerkenswerte historische Belege. Das betroffene Gebiet war seit dem 15. Jahrhundert als Weideland dokumentiert und diente unter König Philipp II. als Standort der Königlichen Gestüte (Yeguadas Reales).

Diese landwirtschaftliche Nutzung verhinderte glücklicherweise eine moderne Überbauung oder Industrialisierung und bewahrte die unterirdischen Ruinen über Jahrhunderte hinweg wie in einer Zeitkapsel. Die These von Monterroso Checa ist die erste von über zwanzig Theorien zum Standort der Stadt, die sich auf überprüfbare physikalische Messdaten statt nur auf Literaturinterpretationen stützt.


Datenmodellierung bestätigt Historie

Die historische Dimension des Fundes ist bedeutend, da sie ein Kapitel der Machtpolitik im Kalifat von Córdoba beleuchtet. Madinat al-Zahira, was "Die leuchtende Stadt" bedeutet, wurde von Almanzor (eigentlich Abu 'Amir Muhammad ibn Abd Allah ibn Abi 'Amir) als administratives und politisches Zentrum errichtet. Almanzor war zwar formal nur der Kämmerer (Hajib) des Kalifen Hisham II., übte aber die faktische Alleinherrschaft aus. Um seine Macht zu demonstrieren und den Kalifen zu isolieren, baute er seine eigene Metropole im Osten, die bewusst mit der prunkvollen Kalifenstadt Madinat al-Zahira im Westen konkurrieren sollte.

Das Schicksal der Stadt war jedoch kurzlebig und endete in einer "Damnatio memoriae" - der Auslöschung aus dem Gedächtnis. Nach Almanzors Tod und dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 1009 wandte sich die Bevölkerung gegen die Herrschaft seiner Söhne. Im Jahr 1010 wurde die Stadt so gründlich geplündert, zerstört und ihre Steine für andere Bauten abgetragen, dass ihr genauer Standort in Vergessenheit geriet. Die Lidar-Technologie macht nun sichtbar, was physisch fast vollständig getilgt wurde und schließt damit eine Lücke im historischen Verständnis der Region.

Die Forschergruppe "Unidad Patricia", der Monterroso angehört, hat mithilfe dieser Methode bereits Hunderte archäologische Stätten in der Provinz Córdoba lokalisiert. Die aktuellen Ergebnisse, publiziert im Fachjournal Meridies, legen nahe, dass unter den Hügeln bei Alcolea ein komplettes urbanes Zentrum ruht. Folgende Indikatoren sprechen laut der Analyse für den Fundort:

  • Übereinstimmung der Fläche von rund 120 Hektar mit historischen Beschreibungen der Rivalin Madinat al-Zahra.
  • Nachweisbare orthogonale Stadtplanung und Terrassierung im Untergrund.
  • Historische Kontinuität des Geländes als königliches Hoheitsgebiet, was eine Zerstörung durch moderne Bebauung verhinderte.

Sollten zukünftige Ausgrabungen die Lidar-Daten bestätigen, wäre das ein Erfolg für die datengestützte Archäologie. Das Verfahren zeigt exemplarisch, wie IT-gestützte Methoden historische Forschung von spekulativen Ansätzen zu evidenzbasierten Wissenschaften transformieren und wie Technologie dabei hilft, das kulturelle Erbe Europas neu zu kartieren.

Was meint ihr zu dem Einsatz von Lidar in der Archäologie? Findet ihr es spannend, wie Technologie Geschichte umschreibt, oder vertraut ihr lieber auf den klassischen Spatenstich? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!

Zusammenfassung
  • Lidar-Technologie deckt Standort der verschwundenen Stadt Madinat al-Zahira auf
  • Hochauflösende Laserscans ermöglichen Sichtbarmachung verborgener Bodenstrukturen
  • Entdecktes Stadtareal umfasst 120 Hektar mit orthogonaler Rasterplanung
  • Die Palaststadt wurde vom Herrscher Almanzor im 10. Jahrhundert erbaut
  • Nach Almanzors Tod wurde die Stadt 1010 vollständig zerstört und vergessen
  • Traditionelle Weidelandnutzung bewahrte die Ruinen vor moderner Überbauung
  • Die Entdeckung stellt die erste evidenzbasierte von über zwanzig Theorien dar

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