Hohe Serverlast: Wikipedia droht KI-Firmen mit Daten-Blockade
Wikimedia steht vor einem Dilemma: KI-Bots erhöhen die Serverlast massiv, doch Spenden sollen keine Milliardenkonzerne subventionieren. Mitgründer Jimmy Wales fordert nun Lizenzgebühren und droht Firmen wie OpenAI mit technischen Blockaden.
Die Problematik liegt in der technischen Natur des sogenannten "Scrapings". KI-Bots durchsuchen die Webseite nicht wie menschliche Nutzer, sondern rufen systematisch und hochfrequent riesige Datenmengen ab. Dies führt laut Wales zu einem sprunghaften Anstieg der Anforderungen an Serverkapazitäten und Arbeitsspeicher für das Caching.
Diese Mehrkosten werden aktuell primär durch Kleinspenden von Privatpersonen gedeckt. Wales betonte, es sei nicht die Aufgabe der ehrenamtlichen Community und der Spender, die Entwicklung kommerzieller Produkte von Milliardenunternehmen wie OpenAI oder Meta zu subventionieren.
Wie Jimmy Wales in einem Interview am Rande eines Gipfels in New York gegenüber Reuters ausführte, orientiere man sich bei den angestrebten Vereinbarungen an einem bereits bestehenden Modell mit Google. Der Suchmaschinenriese schloss 2022 einen Vertrag ab, der ihm gegen Bezahlung Zugriff auf strukturierte Daten über die "Wikimedia Enterprise"-Schnittstelle gewährt. Google nutzt diese Daten unter anderem für die "Knowledge Panels" in den Suchergebnissen, um verifizierte Fakten direkt anzuzeigen, ohne dass Nutzer die Wikipedia-Seite aufrufen müssen.
Sollten Unternehmen nicht bereit sein, für die kommerzielle Nutzung der Daten zu zahlen, erwägt die Stiftung auch härtere Bandagen. Wales brachte die Möglichkeit ins Spiel, technische Barrieren wie "AI Crawl Control" von Cloudflare einzusetzen, um Bots gezielt auszusperren. Dies stelle die Organisation jedoch vor einen ideologischen Konflikt, da Wikipedia dem offenen Zugang zu Wissen verpflichtet ist. Alternativ setzt Wales auf "Soft Power": Das öffentliche Anprangern von Firmen, die sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichern, könnte als Druckmittel dienen, um moralische Verpflichtungen einzufordern.
Neben der technischen Last besteht eine erhebliche juristische Komplexität. Wikipedia-Inhalte stehen unter der Creative-Commons-Lizenz (CC BY-SA), die eine Weiterverwendung erlaubt, sofern die Urheber genannt und abgeleitete Werke unter gleichen Bedingungen geteilt werden. Viele KI-Entwickler nutzen jedoch Ausnahmen im Urheberrecht für Text- und Data-Mining (TDM) oder berufen sich in den USA auf "Fair Use". Da generative KIs in ihren Ausgaben selten Quellen nennen, entsteht hier eine rechtliche Grauzone, die den Geist der "ShareAlike"-Lizenz untergräbt.
Die Serverkosten steigen, doch das Wissen soll frei bleiben - eine schwierige Balance für Wikipedia. Findet ihr es gerechtfertigt, dass KI-Firmen zur Kasse gebeten werden, oder widerspricht das dem Open-Source-Gedanken? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!
Siehe auch:
Kampf um Ressourcen: Wikipedia fordert Geld von KI-Firmen
Die Wikimedia Foundation, die gemeinnützige Organisation hinter Wikipedia, intensiviert ihre Bemühungen, große Technologieunternehmen an den Betriebskosten der Online-Enzyklopädie zu beteiligen. Jimmy Wales, Mitbegründer von Wikipedia, erklärte, dass die intensive Nutzung der Inhalte durch Künstliche Intelligenz (KI) und deren Trainings-Bots eine massive Belastung für die Infrastruktur darstelle. Das Ziel ist der Abschluss weiterer Lizenzvereinbarungen, um die finanzielle Stabilität des Projekts zu sichern, ohne den Grundsatz des freien Wissenszugangs aufzugeben.Die Problematik liegt in der technischen Natur des sogenannten "Scrapings". KI-Bots durchsuchen die Webseite nicht wie menschliche Nutzer, sondern rufen systematisch und hochfrequent riesige Datenmengen ab. Dies führt laut Wales zu einem sprunghaften Anstieg der Anforderungen an Serverkapazitäten und Arbeitsspeicher für das Caching.
Diese Mehrkosten werden aktuell primär durch Kleinspenden von Privatpersonen gedeckt. Wales betonte, es sei nicht die Aufgabe der ehrenamtlichen Community und der Spender, die Entwicklung kommerzieller Produkte von Milliardenunternehmen wie OpenAI oder Meta zu subventionieren.
Wie Jimmy Wales in einem Interview am Rande eines Gipfels in New York gegenüber Reuters ausführte, orientiere man sich bei den angestrebten Vereinbarungen an einem bereits bestehenden Modell mit Google. Der Suchmaschinenriese schloss 2022 einen Vertrag ab, der ihm gegen Bezahlung Zugriff auf strukturierte Daten über die "Wikimedia Enterprise"-Schnittstelle gewährt. Google nutzt diese Daten unter anderem für die "Knowledge Panels" in den Suchergebnissen, um verifizierte Fakten direkt anzuzeigen, ohne dass Nutzer die Wikipedia-Seite aufrufen müssen.
Umsatzzahlen und technische Hürden
Obwohl Wikimedia Enterprise eine professionelle Lösung für den Hochgeschwindigkeitszugriff auf Daten bietet, sind die Einnahmen im Vergleich zu den Gesamtkosten bisher überschaubar. Im Januar 2023 generierte der Dienst Berichten zufolge wiederkehrende jährliche Einnahmen von etwa 3,2 Millionen Dollar (etwa 2,74 Millionen Euro). Dies entsprach lediglich rund 1,7 Prozent des damaligen Gesamtbudgets der Stiftung von 185,3 Millionen Dollar (etwa 158,9 Millionen Euro). Angesichts stagnierender Budgets und steigender technischer Anforderungen durch das Training von Large Language Models (LLM) sei eine breitere finanzielle Beteiligung der Profiteure notwendig.Sollten Unternehmen nicht bereit sein, für die kommerzielle Nutzung der Daten zu zahlen, erwägt die Stiftung auch härtere Bandagen. Wales brachte die Möglichkeit ins Spiel, technische Barrieren wie "AI Crawl Control" von Cloudflare einzusetzen, um Bots gezielt auszusperren. Dies stelle die Organisation jedoch vor einen ideologischen Konflikt, da Wikipedia dem offenen Zugang zu Wissen verpflichtet ist. Alternativ setzt Wales auf "Soft Power": Das öffentliche Anprangern von Firmen, die sich auf Kosten der Allgemeinheit bereichern, könnte als Druckmittel dienen, um moralische Verpflichtungen einzufordern.
Neben der technischen Last besteht eine erhebliche juristische Komplexität. Wikipedia-Inhalte stehen unter der Creative-Commons-Lizenz (CC BY-SA), die eine Weiterverwendung erlaubt, sofern die Urheber genannt und abgeleitete Werke unter gleichen Bedingungen geteilt werden. Viele KI-Entwickler nutzen jedoch Ausnahmen im Urheberrecht für Text- und Data-Mining (TDM) oder berufen sich in den USA auf "Fair Use". Da generative KIs in ihren Ausgaben selten Quellen nennen, entsteht hier eine rechtliche Grauzone, die den Geist der "ShareAlike"-Lizenz untergräbt.
Die Serverkosten steigen, doch das Wissen soll frei bleiben - eine schwierige Balance für Wikipedia. Findet ihr es gerechtfertigt, dass KI-Firmen zur Kasse gebeten werden, oder widerspricht das dem Open-Source-Gedanken? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!
Zusammenfassung
- Wikimedia fordert Lizenzgebühren von KI-Firmen für Wikipedia-Nutzung
- KI-Bots erhöhen durch intensives Scraping massiv die Serverbelastung
- Jimmy Wales droht mit technischen Blockaden gegen nicht zahlende Firmen
- Bestehendes Lizenzmodell mit Google dient als Vorbild für weitere Deals
- Spender sollen nicht kommerzielle KI-Entwicklungen subventionieren müssen
- Wikimedia Enterprise generiert bisher nur 1,7 Prozent des Stiftungsbudgets
- Rechtliche Grauzone entsteht durch Creative-Commons-Lizenz und KI-Nutzung
Siehe auch:
- Gründer Wales greift ein: Wikipedia-Artikel über 'Gaza-Genozid' gesperrt
- 'Rechte Wikipedia': Musk macht seine Drohung wahr, startet Grokipedia
- Zwischenfall bei Wikipedia-Konferenz: Bewaffneter Mann stürmt Bühne
- Wikipedia: Traffic bricht dank KI ein, gefährdet freie Web-Enzyklopädie
- Elon Musk kündigt Wikipedia-Alternative an - 'Grokipedia' kurz vor Start
Thema:
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