Klimakrise: Solar-Geoengineering kann katastrophale Folgen haben

Immer wieder gibt es Ideen, die Erderwärmung durch Solar-Geoengineering zu bremsen. Insbesondere ein einseitiges Vorgehen durch einzelne Akteure kann hier aber zu katastrophalen regionalen Folgen führen, warnt die britische Royal Society.

Aktionismus ist schädlich

Theoretisch gibt es durchaus Verfahren, die vielversprechend klingen. Simulationen, die Forscher aber im Rahmen einer aktuellen Studie durchführten, kamen zu dem Ergebnis, dass diese dann in genauer Abstimmung zahlreicher Beteiligter weltweit durchgeführt werden müssten, um schwerwiegende Auswirkungen zu vermeiden, berichtet der Guardian.

Werden Techniken wie die Einspeisung von Schwefeldioxid in die Stratosphäre oder das Aufhellen mariner Wolken nur über Teilen der Erde angewandt, etwa durch einen einzelnen Staat oder einen sogenannten "Rogue Actor", seien etwa eine Verstärkung atlantischer Hurrikans, ein großflächiges Absterben des Amazonas-Regenwaldes oder Dürren in Teilen Afrikas möglich.


Die Experten betonen jedoch, dass eine langfristig und weltweit koordinierte Anwendung die globale Temperatur wahrscheinlich senken würde. Die Logistik wäre enorm, aber die laufenden Kosten, geschätzt in Milliarden pro Jahr, lägen deutlich unter den Ausgaben, die durch die Folgen ungebremster Erderwärmung in Form von Todesopfern, Ernteausfällen und Schäden an Infrastruktur entstehen.

Die Untersuchung macht deutlich: Geoengineering behandelt nur die Symptome der Klimakrise, nicht deren Ursache. Es könne allenfalls eine Ergänzung zur Emissionsreduktion sein, nicht deren Ersatz. Ein abruptes Ende einer andauernden Solar-Geoengineering-Maßnahme bei gleichzeitig hohen Treibhausgaskonzentrationen würde einen raschen Temperaturanstieg von 1-2 °C innerhalb Jahrzehnten auslösen, einen sogenannten "Termination Shock" mit gravierenden Folgen für Mensch und Natur.

Dauerhaft nötig

Die Analyse beschreibt zwei am ehesten praktikable Methoden: die Einspeisung von Schwefeldioxid in die Stratosphäre, wodurch reflektierende Partikel entstehen, wie man es von bestimmten Vulkanausbrüchen kennt, sowie das gezielte Aufhellen von Meereswolken durch Meersalz-Aerosole. Für eine spürbare Wirkung wären allerdings schätzungsweise 8 bis 16 Millionen Tonnen SO₂ pro Jahr notwendig.

Die Forscher warnen vor allem vor privat finanzierten Alleingängen: Einige Firmen sammeln bereits Millionen für Geoengineering-Projekte. Ohne wissenschaftliche Transparenz und internationale Vereinbarungen bestehe die Gefahr schwerer, unbeabsichtigter Nebenwirkungen. Die Royal Society fordert deshalb weitere, objektive Forschung, nimmt aber selbst keine Empfehlung zur Umsetzung vor, sie will die Grundlage für eine informierte Debatte liefern.

Zusammenfassung
  • Einseitiges Solar-Geoengineering kann laut Royal Society zu Katastrophen führen
  • Koordinierte globale Anwendung könnte Erdtemperatur möglicherweise senken
  • Techniken umfassen Schwefeldioxid in der Stratosphäre und Aufhellung von Wolken
  • Alleingänge könnten Hurrikans, Waldsterben und Dürren in Afrika verstärken
  • Kosten lägen unter den Schäden, die durch ungebremste Erderwärmung entstünden
  • Solar-Geoengineering behandelt nur Symptome und nicht Ursachen der Klimakrise
  • Wissenschaftler warnen vor privat finanzierten Projekten ohne internationale Kontrolle

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