Genaueste Untersuchung:
Schwachstelle im Erdmagnetfeld wächst
Elf Jahre Satellitendaten zeigen, wie sich das Magnetfeld der Erde verändert: Über dem Südatlantik wächst die Zone schwacher Feldstärke weiter - ein Blick tief in die Dynamik des flüssigen Erdkerns.
Seit 2013 vermessen die drei baugleichen Swarm-Satelliten das Magnetfeld mit bisher unerreichter Genauigkeit. Ihr Vorteil: Sie liefern ein durchgängig homogenes Datenset aus einer einzigen Instrumentengeneration. Damit lässt sich erstmals präzise verfolgen, wie sich das vom Erdkern erzeugte Hauptfeld über mehr als ein Jahrzehnt verändert hat.
Südwestlich von Afrika verschmelzen zwei Schwächezonen zu einer breiten Region, die sozusagen ein "dünneres Magnetfeldfenster" über dem Atlantik bildet. Gleichzeitig verliert auch der Norden an Symmetrie: Über Kanada schrumpft die Zone besonders starker Feldstärke, während sie in Sibirien zunimmt - ein Hinweis darauf, dass sich die Magnetfeldachsen im Inneren verschieben. Der magnetische Nordpol wandert dadurch weiter ostwärts, eine Bewegung, die sich in den letzten Jahren auf rund 40 Kilometer pro Jahr beschleunigt hat und auch die Navigationssysteme laufend neu kalibrieren lässt.
Schwache Region ...
... wächst deutlich
Diese Strömungen verändern das Magnetfeld langsam, aber stetig: Wo sich die Richtung des Magnetflusses ändert, kann das Feld lokal geschwächt oder gestärkt werden - ein Vorbote langfristiger Umstrukturierungen tief im Erdkern. Finlay beschreibt sie als komplexe Mischung aus advektiver Bewegung und magnetischen Flussausstoßprozessen, also einer Art magnetischer Umlagerung, die Energie und Feldlinien neu verteilt.
Die drei Swarm-Sonden der ESA
Für die Forscher ist klar: Nur eine fortgesetzte Langzeitbeobachtung kann erklären, warum das Magnetfeld so reagiert. Swarm sei, so die Autoren, "eine unverzichtbare Quelle globaler Information über die Veränderungen im Erdmagnetfeld". Deshalb empfehlen sie, insbesondere den Satelliten Swarm Bravo so lange wie möglich im Orbit zu halten - als präzisen Wächter über die stille, aber stetige Bewegung im Herzen der Erde.
Siehe auch:
Schwache Regionen im Erdmagnetfeld entdeckt
Unsichtbar, aber lebenswichtig: Das Magnetfeld der Erde lenkt geladene Teilchen aus dem All ab und schützt so Atmosphäre und Technik. Doch diese Schutzschicht ist nicht gleichmäßig stark. Neue Analysen der ESA-Satellitenmission Swarm zeigen, dass sie an einigen Stellen dünner wird - vor allem über dem Südatlantik.Seit 2013 vermessen die drei baugleichen Swarm-Satelliten das Magnetfeld mit bisher unerreichter Genauigkeit. Ihr Vorteil: Sie liefern ein durchgängig homogenes Datenset aus einer einzigen Instrumentengeneration. Damit lässt sich erstmals präzise verfolgen, wie sich das vom Erdkern erzeugte Hauptfeld über mehr als ein Jahrzehnt verändert hat.
Wer das Magnetfeld der Erde verstehen will, darf es sich nicht wie einen einfachen Stabmagneten vorstellen. Erst mit Satelliten wie Swarm lässt sich die komplexe Struktur vollständig erfassen - und beobachten, wie es sich im Laufe der Zeit verändert.Die Forschenden um Christopher C. Finlay von der Technischen Universität Dänemark fanden, dass die sogenannte South Atlantic Anomaly weiter wächst. Das Gebiet, in dem das Magnetfeld unter 26 000 Nanotesla liegt - das entspricht nur etwa der Hälfte der durchschnittlichen Feldstärke in Mitteleuropa -, hat sich zwischen 2014 und 2025 um 0,9 Prozent der Erdoberfläche ausgedehnt; die minimale Feldstärke sank um 336 nT. Wo das Feld schwächer ist, dringen geladene Teilchen der Sonnenstrahlung tiefer in die Atmosphäre ein - was Satelliten in dieser Region stärker belastet.
Südwestlich von Afrika verschmelzen zwei Schwächezonen zu einer breiten Region, die sozusagen ein "dünneres Magnetfeldfenster" über dem Atlantik bildet. Gleichzeitig verliert auch der Norden an Symmetrie: Über Kanada schrumpft die Zone besonders starker Feldstärke, während sie in Sibirien zunimmt - ein Hinweis darauf, dass sich die Magnetfeldachsen im Inneren verschieben. Der magnetische Nordpol wandert dadurch weiter ostwärts, eine Bewegung, die sich in den letzten Jahren auf rund 40 Kilometer pro Jahr beschleunigt hat und auch die Navigationssysteme laufend neu kalibrieren lässt.
Schwache Region ...
... wächst deutlich
Blick ins Erdinnere
Im Erdinnern deuten die Daten auf tiefgreifende Bewegungen hin. An der Grenze zwischen Kern und Mantel verschieben sich sogenannte "reversed flux patches" - Zonen entgegengesetzter Magnetisierung, die wie Wirbel im magnetischen Fluss agieren - westwärts unter Afrika und dem Südatlantik. Andere Strukturen, etwa unter Indonesien, bewegen sich überraschend nach Osten. Solche Verschiebungen gelten als Ausdruck von Strömungen aus flüssigem Eisen, die den "Dynamo" des Erdmagnetfelds antreiben.Diese Strömungen verändern das Magnetfeld langsam, aber stetig: Wo sich die Richtung des Magnetflusses ändert, kann das Feld lokal geschwächt oder gestärkt werden - ein Vorbote langfristiger Umstrukturierungen tief im Erdkern. Finlay beschreibt sie als komplexe Mischung aus advektiver Bewegung und magnetischen Flussausstoßprozessen, also einer Art magnetischer Umlagerung, die Energie und Feldlinien neu verteilt.
Die drei Swarm-Sonden der ESA
Genauester Nachweis bisher
Auch die zeitliche Beschleunigung des Magnetfelds - die sogenannte secular Acceleration - zeigt, dass der Kern alles andere als träge ist. Besonders in Äquatornähe wechseln sich in Intervallen von wenigen Jahren Ost- und Westbewegungen ab. Solche Wellenphänomene gelten als Schlüssel, um die Dynamik des Geodynamos zu verstehen, der das Erdmagnetfeld antreibt. Langfristige Vergleiche mit älteren Satelliten zeigen, dass die heutigen Veränderungen Teil eines seit Jahrzehnten andauernden Trends sind. Schon die Missionen POGO (1970) und CHAMP (2002) zeigten den Beginn dieser Verschiebungen - Swarm liefert nun den bisher detailliertesten Nachweis.Für die Forscher ist klar: Nur eine fortgesetzte Langzeitbeobachtung kann erklären, warum das Magnetfeld so reagiert. Swarm sei, so die Autoren, "eine unverzichtbare Quelle globaler Information über die Veränderungen im Erdmagnetfeld". Deshalb empfehlen sie, insbesondere den Satelliten Swarm Bravo so lange wie möglich im Orbit zu halten - als präzisen Wächter über die stille, aber stetige Bewegung im Herzen der Erde.
Was ist das Erdmagnetfeld?
Das Erdmagnetfeld ist ein Magnetfeld, das die Erde durchdringt und umgibt. Es besteht aus drei Komponenten: 95 % entstehen durch den Geodynamo im flüssigen äußeren Erdkern, 1-3 % durch elektrische Ströme in Ionosphäre und Magnetosphäre.
Das Feld hat annähernd die Form eines magnetischen Dipols, ähnlich einem Stabmagneten, der etwa 9,6° zur Erdachse geneigt ist. Die Magnetfeldstärke beträgt am Äquator etwa 30 Mikrotesla, an den Polen etwa 60 Mikrotesla.
Bereits vor über 4 Milliarden Jahren existierte ein Erdmagnetfeld, wie Untersuchungen der ältesten Mineralien (Zirkone) zeigen. Es ist essenziell für das Leben auf der Erde.
Das Feld hat annähernd die Form eines magnetischen Dipols, ähnlich einem Stabmagneten, der etwa 9,6° zur Erdachse geneigt ist. Die Magnetfeldstärke beträgt am Äquator etwa 30 Mikrotesla, an den Polen etwa 60 Mikrotesla.
Bereits vor über 4 Milliarden Jahren existierte ein Erdmagnetfeld, wie Untersuchungen der ältesten Mineralien (Zirkone) zeigen. Es ist essenziell für das Leben auf der Erde.
Wie entsteht das Erdmagnetfeld?
Das Erdmagnetfeld entsteht durch den sogenannten Geodynamo im flüssigen äußeren Erdkern. Konvektionsströmungen des eisenhaltigen, elektrisch leitfähigen Materials werden durch die Erdrotation und Corioliskraft zu Schraubenbahnen geformt.
Diese Bewegungen erzeugen durch elektromagnetische Induktion elektrische Ströme, die wiederum Magnetfelder hervorbringen. Durch positive Rückkopplung verstärkt sich dieser Prozess selbst - ein "selbsterregter Dynamo".
Der Erdkern ist etwa 5000°C heiß (so heiß wie die Sonnenoberfläche), aber das Eisen ist nicht ferromagnetisch, da die Temperatur weit über der Curie-Temperatur liegt. Es wirkt nur als elektrischer Leiter.
Diese Bewegungen erzeugen durch elektromagnetische Induktion elektrische Ströme, die wiederum Magnetfelder hervorbringen. Durch positive Rückkopplung verstärkt sich dieser Prozess selbst - ein "selbsterregter Dynamo".
Der Erdkern ist etwa 5000°C heiß (so heiß wie die Sonnenoberfläche), aber das Eisen ist nicht ferromagnetisch, da die Temperatur weit über der Curie-Temperatur liegt. Es wirkt nur als elektrischer Leiter.
Was sind Polumkehrungen?
Polumkehrungen sind Ereignisse, bei denen sich die magnetischen Pole der Erde vertauschen - der magnetische Nordpol wird zum Südpol und umgekehrt. Sie traten durchschnittlich alle 250.000 Jahre auf.
Die letzte Polumkehr war die Brunhes-Matuyama-Umkehr vor etwa 780.000 Jahren. Während einer Umkehr kann das Dipolfeld zusammenbrechen und mehrere schwache Pole in niedrigen Breiten auftreten.
Häufiger sind "Exkursionen" - kurze Einbrüche der Feldstärke ohne vollständige Umkehr. Das Laschamp-Ereignis vor 41.000 Jahren und die Mono-Lake-Exkursion sind bekannte Beispiele aus jüngerer Zeit.
Die letzte Polumkehr war die Brunhes-Matuyama-Umkehr vor etwa 780.000 Jahren. Während einer Umkehr kann das Dipolfeld zusammenbrechen und mehrere schwache Pole in niedrigen Breiten auftreten.
Häufiger sind "Exkursionen" - kurze Einbrüche der Feldstärke ohne vollständige Umkehr. Das Laschamp-Ereignis vor 41.000 Jahren und die Mono-Lake-Exkursion sind bekannte Beispiele aus jüngerer Zeit.
Welche Funktionen hat das Erdmagnetfeld?
Das Erdmagnetfeld bildet die Magnetosphäre, die uns vor dem Sonnenwind schützt. Ohne diesen Schutz würde die Atmosphäre wie beim Mars erodieren, der sein Magnetfeld vor 3,9 Milliarden Jahren verlor.
Viele Tiere nutzen das Magnetfeld zur Navigation: Zugvögel, Meeresschildkröten, Lachse, Wale und sogar Hunde richten sich daran aus. Magnetotaktische Bakterien orientieren sich an den Feldlinien.
In der Technik ermöglicht es die Navigation mit Kompass und GPS-Korrekturen. Auch geologische Prospektion und archäologische Untersuchungen nutzen Magnetfeldmessungen zur Erkundung des Untergrunds.
Viele Tiere nutzen das Magnetfeld zur Navigation: Zugvögel, Meeresschildkröten, Lachse, Wale und sogar Hunde richten sich daran aus. Magnetotaktische Bakterien orientieren sich an den Feldlinien.
In der Technik ermöglicht es die Navigation mit Kompass und GPS-Korrekturen. Auch geologische Prospektion und archäologische Untersuchungen nutzen Magnetfeldmessungen zur Erkundung des Untergrunds.
Verändert sich das Erdmagnetfeld heute?
Ja, das Erdmagnetfeld schwächt sich derzeit ab. Seit Gauß' Messungen hat es fast 10 % seiner Stärke verloren, allein in den letzten 100 Jahren etwa 6 %. Diese Geschwindigkeit ist ungewöhnlich hoch.
Der arktische Magnetpol wandert beschleunigt - derzeit etwa 90 Meter pro Tag Richtung Nord-Nordwest (30 km/Jahr). Die südatlantische Anomalie, ein Gebiet schwachen Magnetfelds, dehnt sich aus.
Wissenschaftler vermuten, dass sich regional bereits Gegenfelder im Erdkern aufbauen. Dies könnte Vorbote einer kommenden Polumkehr sein, die in geologisch kurzer Zeit ablaufen könnte - möglicherweise in weniger als 100 Jahren.
Der arktische Magnetpol wandert beschleunigt - derzeit etwa 90 Meter pro Tag Richtung Nord-Nordwest (30 km/Jahr). Die südatlantische Anomalie, ein Gebiet schwachen Magnetfelds, dehnt sich aus.
Wissenschaftler vermuten, dass sich regional bereits Gegenfelder im Erdkern aufbauen. Dies könnte Vorbote einer kommenden Polumkehr sein, die in geologisch kurzer Zeit ablaufen könnte - möglicherweise in weniger als 100 Jahren.
Zusammenfassung
- Südatlantik-Magnetfeldanomalie wächst um 0,9 Prozent der Erdoberfläche
- ESA-Satelliten der Swarm-Mission liefern präzise Daten seit 2013
- Magnetischer Nordpol wandert ostwärts mit etwa 40 Kilometern pro Jahr
- Komplexe Strömungen im flüssigen Erdkern verändern die Magnetfeldstruktur
- Zwei Schwächezonen verschmelzen zu einem breiten Magnetfeldfenster
- Zonen entgegengesetzter Magnetisierung verschieben sich unter Afrika westwärts
- Langzeitbeobachtung durch Swarm-Satelliten ist für weitere Forschung unverzichtbar
Siehe auch:
- Forscher verblüfft: Erdmagnetfeld und Sauerstoff hängen zusammen
- Technik gegen das Vergessen: Magnetfeld zeigt Wirkung bei Alzheimer
- Ohmsches Gesetz wackelt: Neuer Halleffekt ohne Magnetfeld entdeckt
- China bricht Magnetfeld-Rekord: 800.000-mal stärker als das der Erde
- Durchbruch: Stärkstes Magnetfeld in einem Fusionsplasma-Experiment
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