Neuer Intel-Kurs: Open Source muss vor allem uns dienen

Intel gilt seit Jahrzehnten als einer der wichtigsten Unterstützer der Open-Source-Community. Doch das könnte bald vorbei sein. Bei­trä­ge soll es nur noch geben, wenn diese direkt den Interessen des Kon­zerns nutzen.
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Kein kompletter Rückzug

Unter der neuen Führung des Chipherstellers scheint ein Strategiewechsel im Open Source-Bereich bevorzustehen. Auf dem "Tech Tour"-Event in Arizona deutete Kevork Kechichian, der neue Chef von Intels Rechenzentrumsparte, an, dass das Unternehmen seine Beiträge zur offenen Softwareentwicklung künftig stärker auf den eigenen Vorteil ausrichten will.

"Wir haben wahrscheinlich den größten Fußabdruck im Open-Source-Bereich - zumindest, was Infrastruktur angeht", sagte Kechichian laut eines Berichts des Magazins The Register in seiner Keynote. "Aber wir müssen sicherstellen, dass daraus auch ein Wettbewerbsvorteil für Intel entsteht - und nicht für alle anderen." Damit spielt er auf ein zentrales Dilemma an: Während Intels offene Softwareprojekte Innovation und Kompatibilität fördern, profitieren davon auch Konkurrenten wie AMD oder Qualcomm.


Kechichian betonte zugleich, Intel wolle die Open-Source-Gemeinschaft keineswegs verlassen. "Unsere Absicht ist es nicht, Open Source aufzugeben", erklärte er gegenüber Journalisten. "Viele profitieren von den Investitionen, die Intel über die Jahre in diesen Bereich gesteckt hat. Wir wollen nur herausfinden, wie wir selbst mehr Nutzen daraus ziehen können." Ein Unternehmenssprecher ergänzte später: "Intel bleibt der Open-Source-Bewegung zutiefst verpflichtet. Wir konzentrieren uns jedoch stärker darauf, wo und wie wir beitragen - um sicherzustellen, dass unsere Arbeit sowohl den Gemeinschaften dient als auch Intels Stärken hervorhebt."

Der offene Charakter vieler Intel-Bibliotheken bedeutet, dass Software, die ursprünglich beispielsweise für Intels Xeon-Prozessoren entwickelt wurde, leicht auf andere Plattformen portiert werden kann. Diese Transparenz beschleunigt die technologische Entwicklung, führt aber auch dazu, dass Wettbewerber Intels Arbeit als Grundlage für eigene Optimierungen nutzen können.

Viele Entwickler weg

Ein Beispiel für die neue Zurückhaltung ist die OneMKL-Bibliothek. Während ihre Schnittstellen quelloffen sind, bleiben die zugrunde liegenden mathematischen Routinen proprietär. In der Vergangenheit hatte Intel zudem Mechanismen eingebaut, die erkannten, wenn die Software auf Prozessoren anderer Hersteller lief - und dann bewusst weniger effiziente Codepfade aktivierten.

Wie weit Intel künftig gehen wird, um seine Software vor der Konkurrenz zu schützen, ist unklar. Experten warnen jedoch, dass zu viele Einschränkungen zu einer Fragmentierung der Open-Source-Landschaft führen könnten. Hinzu kommt, dass Intel durch umfangreiche Stellenstreichungen in den vergangenen Monaten wichtige Entwickler verloren hat. Laut Berichten des Fachportals Phoronix sind bereits mehrere Linux-Pakete, die Intels Hardware-Beschleuniger nutzen, verwaist. Sollte der Konzern diese Lücken nicht schließen, droht der einstige Open-Source-Vorreiter seine führende Rolle in der Community einzubüßen.

Zusammenfassung
  • Intel plant strategische Neuausrichtung seiner Open-Source-Aktivitäten
  • Zukünftige Beiträge sollen vor allem Wettbewerbsvorteile für Intel bringen
  • Unternehmen will Teil der Open-Source-Community bleiben, aber Nutzen maximieren
  • Offene Intel-Bibliotheken werden aktuell auch von Konkurrenten genutzt
  • OneMKL-Bibliothek zeigt bereits Ansatz mit offenen Schnittstellen aber proprietärem Code
  • Experten warnen vor möglicher Fragmentierung der Open-Source-Landschaft
  • Personalabbau gefährdet Intels bisherige Vorreiterrolle in der Community

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