Jobs: KI sorgt für die Rückkehr klassischer Vorstellungsgespräche

Die Digitalisierung des Bewerbungsprozesses für neue Arbeitsstellen erlebt derzeit eine überraschende Kehrtwende: Immer mehr Unternehmen kehren zu klassischen persönlichen Vorstellungsgesprächen zurück.
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Schutz vor Betrug

Der Grund ist der wachsende Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) durch Bewerber - nicht immer zu legitimen Zwecken. In den vergangenen Jahren haben virtuelle Bewerbungsgespräche, befeuert durch Homeoffice-Trends und den Wunsch nach schnelleren Einstellungsverfahren, zunehmend den Standard gebildet - vor allem in technischen Bereichen.

Doch laut Personalvermittlern nutzen immer mehr Kandidaten KI-Tools, um während der online geführten Gespräche unbemerkt Antworten zu generieren. In seltenen, aber gravierenden Fällen setzen Betrüger KI sogar ein, um als falsche Identitäten aufzutreten und nach der Einstellung sensible Daten oder Geld zu erbeuten.


Unternehmen wie Cisco, McKinsey und Google reagieren, indem sie wieder vermehrt persönliche Treffen in den Auswahlprozess integrieren, berichtet das Wall Street Journal. Google-Chef Sundar Pichai erklärte im Juni, dass für bestimmte Stellen mindestens eine Vor-Ort-Runde vorgesehen sei, um sicherzustellen, dass grundlegende Fähigkeiten tatsächlich vorhanden sind - besonders in der Softwareentwicklung.

Gerade Programmier- und Entwicklerpositionen seien anfällig für KI-Missbrauch, da viele Tests in Echtzeit erfolgen, aber dennoch leicht durch Tools im Hintergrund gelöst werden können. Laut Mike Kyle von der Personalagentur Coda Search/Staffing ist der Anteil seiner Firmenkunden, die persönliche Gespräche fordern, von fünf Prozent im Jahr 2024 auf rund 30 Prozent in diesem Jahr gestiegen.

Risiko von Angriffen

Neben den technischen Möglichkeiten für Betrug steigt auch die Gefahr organisierter Angriffe. Das FBI warnte zuletzt vor tausenden nordkoreanischen IT-Arbeitskräften, die unter falschen Identitäten Remote-Jobs in US-Techfirmen erschlichen haben. Gartner schätzt, dass bis 2028 weltweit ein Viertel aller Bewerberprofile gefälscht sein könnte.

McKinsey setzt inzwischen noch stärker auf persönliche Treffen, um Authentizität und zwischenmenschliche Fähigkeiten zu prüfen. Auch Unternehmen wie das New Yorker FinTech Tomo achten in Videointerviews auf subtile Hinweise wie ungewöhnliche Pausen oder Hintergrundgeräusche, die auf Manipulation hindeuten. Zusätzlich greifen Arbeitgeber vermehrt auf biometrische Identitätsprüfungen und Deepfake-Erkennung zurück. So arbeitet Cisco mit einem Spezialanbieter für Gesichtserkennung, während die Recruiting-Plattform Greenhouse in Kooperation mit dem Verifizierungsdienst Clear Bewerber digital identifizieren lässt.

Zusammenfassung
  • Unternehmen kehren zu persönlichen Bewerbungsgesprächen zurück
  • Bewerber nutzen KI-Tools zum Generieren von Antworten bei Online-Gesprächen
  • In technischen Bereichen besteht erhöhtes Risiko für KI-Missbrauch bei Tests
  • FBI warnt vor falschen Identitäten durch nordkoreanische IT-Fachkräfte
  • Firmen setzen verstärkt auf biometrische Prüfungen und Deepfake-Erkennung
  • Bis 2028 könnte ein Viertel aller Bewerberprofile gefälscht sein

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