100 Jahre nur Mythos: Spezieller "Thomson-Effekt" wurde beobachtet
Ob ein Material Wärme erzeugt oder Kälte - das lässt sich gezielt steuern, wenn Strom, Magnetfeld und Temperaturgefälle genau aufeinander abgestimmt sind. Forschern ist es nun gelungen, einen lange gesuchten Wärmeeffekt erstmals sichtbar zu machen.
Die klassischen thermischen Effekte - Seebeck, Peltier - bilden seit dem 19. Jahrhundert die Grundlage unseres Verständnisses vom Zusammenspiel von Strom und Wärme. Auch der klassische Thomson-Effekt ist seit Langem bekannt: Er beschreibt, wie ein Material sich erwärmt oder abkühlt, wenn Strom und Temperaturgefälle in dieselbe Richtung wirken. Doch schon damals wurde spekuliert, dass es erweiterte Varianten dieser Effekte geben könnte. Eine davon: Der transversale Thomson-Effekt - theoretisch vorhergesagt, aber bis heute unbelegt.
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Mit einer Infrarotkamera beobachteten die Forscher, wie sich die Temperatur eines Probenmaterials unter periodisch wechselndem Strom verändert - und filterten gezielt nur jene Anteile heraus, die synchron mit dem Stromsignal schwingen. Entscheidend war der Vergleich zweier Messungen: einmal mit, einmal ohne Temperaturgefälle. Erst deren Differenz offenbarte den eigentlichen transversalen Thomson-Effekt.
Das japanische Team musste erst mal genau sortieren (Credit: Takahagi)
Für ihr Experiment wählten die Forscher eine spezielle Bismut-Antimon-Legierung (Bi₈₈Sb₁₂), die besonders stark auf Temperaturunterschiede und Magnetfelder reagiert. In solchen Materialien treten Effekte auf, bei denen aus einem Temperaturgefälle eine Spannung entsteht - oder umgekehrt: aus Strom eine seitliche Temperaturänderung. Genau diese Eigenschaften halfen dem Team, den bislang unentdeckten Effekt sichtbar zu machen.
Die Studie, veröffentlicht in Nature Physics (DOI: 10.1038/s41567-025-02936-3), bringt nicht nur ein altes theoretisches Modell erstmals in die experimentelle Realität. Sie öffnet auch Wege für neue Anwendungen - etwa dort, wo punktgenaue Wärmeleitung oder lokales Kühlen gefragt sind. Denkbar wären Sensorchips, Energie-Recycler oder neuartige Kühlflächen.
Siehe auch:
100 Jahre Theorie, jetzt in der Realität angekommen
Manche Materialien lassen sich dazu bringen, gezielt Wärme abzugeben oder zu schlucken - je nachdem, wie Strom, Hitze und Magnetfeld auf sie einwirken. Ein japanisches Forschungsteam hat jetzt erstmals gezeigt, dass sich Wärme nicht nur entlang des Stromflusses, sondern auch seitlich davon gezielt beeinflussen lässt - etwas, das Physiker seit über 100 Jahren vermuten, aber nie nachweisen konnten.Die klassischen thermischen Effekte - Seebeck, Peltier - bilden seit dem 19. Jahrhundert die Grundlage unseres Verständnisses vom Zusammenspiel von Strom und Wärme. Auch der klassische Thomson-Effekt ist seit Langem bekannt: Er beschreibt, wie ein Material sich erwärmt oder abkühlt, wenn Strom und Temperaturgefälle in dieselbe Richtung wirken. Doch schon damals wurde spekuliert, dass es erweiterte Varianten dieser Effekte geben könnte. Eine davon: Der transversale Thomson-Effekt - theoretisch vorhergesagt, aber bis heute unbelegt.
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Der transversale Thomson-Effekt wurde bisher experimentell nicht beobachtet. Hier berichten wir über die Beobachtung dieses Effekts.Der Grund, warum der Effekt so lange unentdeckt blieb: In realen Materialien wirken mehrere thermische Effekte gleichzeitig - und überlagern sich. Besonders der sogenannte Ettingshausen-Effekt, der ebenfalls Wärme unter Strom und Magnetfeld erzeugt, macht es schwer, den gesuchten Effekt herauszufiltern. Das Team um Atsushi Takahagi (Nagoya University) und Ken-ichi Uchida (University of Tokyo) entwickelte deshalb eine Messmethode, die gezielt nur das gesuchte Signal sichtbar macht: sogenannte Lock-in-Thermografie.
Mit einer Infrarotkamera beobachteten die Forscher, wie sich die Temperatur eines Probenmaterials unter periodisch wechselndem Strom verändert - und filterten gezielt nur jene Anteile heraus, die synchron mit dem Stromsignal schwingen. Entscheidend war der Vergleich zweier Messungen: einmal mit, einmal ohne Temperaturgefälle. Erst deren Differenz offenbarte den eigentlichen transversalen Thomson-Effekt.
Das japanische Team musste erst mal genau sortieren (Credit: Takahagi)
Für ihr Experiment wählten die Forscher eine spezielle Bismut-Antimon-Legierung (Bi₈₈Sb₁₂), die besonders stark auf Temperaturunterschiede und Magnetfelder reagiert. In solchen Materialien treten Effekte auf, bei denen aus einem Temperaturgefälle eine Spannung entsteht - oder umgekehrt: aus Strom eine seitliche Temperaturänderung. Genau diese Eigenschaften halfen dem Team, den bislang unentdeckten Effekt sichtbar zu machen.
Richtung Fortschritt
Die Forscher stellten fest: Je nach Richtung und Stärke des Magnetfelds kann der Effekt plötzlich seine Wirkung umkehren - statt Wärme zu erzeugen, entzieht er dem Material Energie - und kühlt damit. Dieser Wechsel liegt daran, dass im Effekt zwei Einflüsse gegeneinander arbeiten. Mal überwiegt der Anteil, der eher Wärme erzeugt, mal der, der für Abkühlung sorgt - je nachdem, wie das Magnetfeld eingestellt ist.Die Studie, veröffentlicht in Nature Physics (DOI: 10.1038/s41567-025-02936-3), bringt nicht nur ein altes theoretisches Modell erstmals in die experimentelle Realität. Sie öffnet auch Wege für neue Anwendungen - etwa dort, wo punktgenaue Wärmeleitung oder lokales Kühlen gefragt sind. Denkbar wären Sensorchips, Energie-Recycler oder neuartige Kühlflächen.
Was ist der Seebeck-Effekt?
Der Seebeck-Effekt beschreibt die Entstehung einer elektrischen Spannung in einem Stromkreis aus zwei verschiedenen Leitermaterialien, wenn zwischen den Kontaktstellen ein Temperaturunterschied herrscht. Diese 1821 von Thomas Johann Seebeck entdeckte Erscheinung bildet die Grundlage für Thermoelemente.
Die entstehende Thermospannung wird durch die Diffusion von Elektronen verursacht, wobei energiereiche Elektronen vom heißen zum kalten Ende wandern. Die Größe der Spannung hängt von den spezifischen Materialien und der Temperaturdifferenz ab und liegt bei Metallen typischerweise im Bereich von 10 µV/K.
Die entstehende Thermospannung wird durch die Diffusion von Elektronen verursacht, wobei energiereiche Elektronen vom heißen zum kalten Ende wandern. Die Größe der Spannung hängt von den spezifischen Materialien und der Temperaturdifferenz ab und liegt bei Metallen typischerweise im Bereich von 10 µV/K.
Wie funktioniert der Peltiereffekt?
Der Peltiereffekt ist gewissermaßen die Umkehrung des Seebeck-Effekts: Wenn ein elektrischer Strom durch zwei verbundene unterschiedliche Materialien fließt, wird an der Kontaktstelle Wärme entweder freigesetzt oder aufgenommen. Dies führt dazu, dass eine Seite kühler und die andere wärmer wird.
Dieser 1834 von Jean Peltier entdeckte Effekt lässt sich dadurch erklären, dass bewegte Elektronen neben ihrer Ladung auch Energie transportieren. Beim Übergang zwischen den Materialien ändert sich die transportierte Energie, und die Differenz wird als Wärme freigesetzt oder aufgenommen.
Dieser 1834 von Jean Peltier entdeckte Effekt lässt sich dadurch erklären, dass bewegte Elektronen neben ihrer Ladung auch Energie transportieren. Beim Übergang zwischen den Materialien ändert sich die transportierte Energie, und die Differenz wird als Wärme freigesetzt oder aufgenommen.
Was ist der Thomson-Effekt?
Der Thomson-Effekt, benannt nach William Thomson (Lord Kelvin), beschreibt den geänderten Wärmetransport in einem stromdurchflossenen Leiter mit Temperaturgradient. Dabei wird je nach Material und Stromrichtung entweder mehr oder weniger Wärme transportiert als ohne Stromfluss.
Der Effekt ist deutlich schwächer ausgeprägt als der Seebeck- oder Peltiereffekt und daher schwer nachweisbar. Er überlagert sich zudem mit der Jouleschen Erwärmung des Leiters. Für den Thomson-Effekt gibt es bislang keine technische Anwendung, er ermöglicht jedoch die Bestimmung absoluter thermoelektrischer Koeffizienten.
Der Effekt ist deutlich schwächer ausgeprägt als der Seebeck- oder Peltiereffekt und daher schwer nachweisbar. Er überlagert sich zudem mit der Jouleschen Erwärmung des Leiters. Für den Thomson-Effekt gibt es bislang keine technische Anwendung, er ermöglicht jedoch die Bestimmung absoluter thermoelektrischer Koeffizienten.
Wo werden Peltierelemente eingesetzt?
Peltierelemente finden in zahlreichen Anwendungen Einsatz, wo präzise Temperaturkontrolle oder kompakte Kühlung benötigt wird. Sie werden in tragbaren Kühlboxen, Weinkühlern, elektronischen Kühlsystemen für Computer und in wissenschaftlichen Instrumenten zur genauen Temperaturregelung verwendet.
Besonders vorteilhaft sind Peltierelemente für geräuschlose Kühlsysteme ohne bewegliche Teile und in der Medizintechnik zur Aufbewahrung temperaturempfindlicher Proben. Auch in der Automobilindustrie werden sie beispielsweise für Getränkekühler oder beheizbare bzw. kühlbare Sitze eingesetzt.
Besonders vorteilhaft sind Peltierelemente für geräuschlose Kühlsysteme ohne bewegliche Teile und in der Medizintechnik zur Aufbewahrung temperaturempfindlicher Proben. Auch in der Automobilindustrie werden sie beispielsweise für Getränkekühler oder beheizbare bzw. kühlbare Sitze eingesetzt.
Wie hängen die drei Effekte zusammen?
Seebeck-, Peltier- und Thomson-Effekt sind nicht unabhängig voneinander, sondern haben eine gemeinsame Ursache in der Thermoelektrizität. Sie werden durch die Thomson-Relationen (auch Kelvin-Relationen genannt) miteinander verknüpft, die bereits 1854 von William Thomson entdeckt wurden.
Die erste Thomson-Relation besagt, dass der Peltier-Koeffizient gleich dem Produkt aus Seebeck-Koeffizient und absoluter Temperatur ist. Die zweite Relation verknüpft den Thomson-Koeffizienten mit der Temperaturableitung des Seebeck-Koeffizienten und sagt den Thomson-Effekt voraus.
Die erste Thomson-Relation besagt, dass der Peltier-Koeffizient gleich dem Produkt aus Seebeck-Koeffizient und absoluter Temperatur ist. Die zweite Relation verknüpft den Thomson-Koeffizienten mit der Temperaturableitung des Seebeck-Koeffizienten und sagt den Thomson-Effekt voraus.
Warum haben thermoelektrische Geräte einen niedrigen Wirkungsgrad?
Der Hauptgrund für den geringen Wirkungsgrad thermoelektrischer Geräte ist die ungewollte Wärmeleitung zwischen den Materialien. Während der Peltiereffekt einen Wärmestrom in eine Richtung erzeugt, fließt durch normale Wärmeleitung Wärme in die entgegengesetzte Richtung.
Trotz intensiver Forschung liegen die Wirkungsgrade von Peltier- und Seebeck-Elementen typischerweise nur bei 3-8 % und damit deutlich unter dem theoretisch möglichen Carnot-Wirkungsgrad. Dies begrenzt ihren Einsatz auf Spezialanwendungen, wo andere Vorteile wie Zuverlässigkeit, Geräuschlosigkeit oder kompakte Bauweise wichtiger sind als Effizienz.
Trotz intensiver Forschung liegen die Wirkungsgrade von Peltier- und Seebeck-Elementen typischerweise nur bei 3-8 % und damit deutlich unter dem theoretisch möglichen Carnot-Wirkungsgrad. Dies begrenzt ihren Einsatz auf Spezialanwendungen, wo andere Vorteile wie Zuverlässigkeit, Geräuschlosigkeit oder kompakte Bauweise wichtiger sind als Effizienz.
Welche Materialien werden verwendet?
Für thermoelektrische Anwendungen werden bevorzugt Halbleitermaterialien eingesetzt, da sie deutlich größere thermoelektrische Effekte aufweisen als Metalle. Besonders verbreitet ist Bismuttellurid (Bi₂Te₃), das für seine guten thermoelektrischen Eigenschaften bekannt ist.
Die idealen Materialien für thermoelektrische Anwendungen sollten eine hohe elektrische Leitfähigkeit bei gleichzeitig niedriger Wärmeleitfähigkeit besitzen. In Halbleitern ist der Abstand zwischen chemischem Potenzial und der Bandkante ein wesentlicher Faktor, der zu den stärkeren thermoelektrischen Effekten beiträgt.
Die idealen Materialien für thermoelektrische Anwendungen sollten eine hohe elektrische Leitfähigkeit bei gleichzeitig niedriger Wärmeleitfähigkeit besitzen. In Halbleitern ist der Abstand zwischen chemischem Potenzial und der Bandkante ein wesentlicher Faktor, der zu den stärkeren thermoelektrischen Effekten beiträgt.
Gibt es neuere Entwicklungen?
Ein vielversprechender Ansatz zur Verbesserung thermoelektrischer Systeme ist das Thermotunneling-Verfahren. Hierbei werden zwei Metalle durch einen minimalen luftleeren Spalt getrennt, um die Wärmeleitung über Gitterschwingungen zu unterbinden, während Elektronen den Spalt quantenmechanisch "tunneln" können.
Allerdings ist bei winzigen Spaltgrößen die elektromagnetische Kopplung so stark, dass Gitterschwingungen dennoch übertragen werden. Eine effiziente Entkopplung erfordert größere Abstände, bei denen jedoch kein Tunneleffekt mehr auftritt. Die Forschung arbeitet weiter an Lösungen für dieses Dilemma.
Allerdings ist bei winzigen Spaltgrößen die elektromagnetische Kopplung so stark, dass Gitterschwingungen dennoch übertragen werden. Eine effiziente Entkopplung erfordert größere Abstände, bei denen jedoch kein Tunneleffekt mehr auftritt. Die Forschung arbeitet weiter an Lösungen für dieses Dilemma.
Zusammenfassung
- Transversaler Thomson-Effekt erstmals experimentell nachgewiesen
- Wärmesteuerung senkrecht zum Stromfluss durch Magnetfelder möglich
- Effekt seit über 100 Jahren vermutet, nun endlich belegt
- Spezielle Thermografie-Methode ermöglichte die Entdeckung
- Test mit Bismut-Antimon-Legierung machte Effekt sichtbar
- Magnetfeld bestimmt, ob Wärme erzeugt oder entzogen wird
- Neue Anwendungen für punktgenaue Wärmeleitung denkbar
Siehe auch:
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