Aus Müll und Licht: Neue Methode erzeugt Wasserstoff viel schlauer

Sonnenlicht, Silizium und Zuckerrohrreste: Eine neue Technik aus Südkorea produziert Wasserstoff ohne zusätzliche Stromzufuhr - viel effizienter wie bisherige Verfahren und vollkommen frei von CO₂-Emissionen, die während des Prozesses entstehen.
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Wasserstoff aus Licht und Zuckerrohr-Abfall

Wasserstoff gilt als Energieträger mit hoher Dichte und ohne CO₂-Emissionen beim Verbrennen. Das Problem: Die Produktion erfolgt meist mit fossilen Energien - der überwiegende Anteil des weltweit produzierten Wasserstoffs entsteht durch Erdgas, dabei wird viel CO₂ freigesetzt. Forscher der UNIST (Ulsan National Institute of Science and Technology in Südkorea) haben nun eine Methode entwickelt, die Sonnenlicht und Zuckerrohrabfälle für eine elektrochemische Produktion nutzt - ohne externe Stromzufuhr.

Im Zentrum steht eine photoelektrochemische Zelle (PEC), die mit kristallinem Silizium als Fotoelektrode arbeitet. Kristallines Silizium kann besonders viele elektrische Ladungen aus Sonnenlicht erzeugen, liefert aber nur eine geringe Spannung von 0,6 Volt. Für die herkömmliche Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff werden jedoch über 1,6 Volt benötigt. Diese Lücke schließt das neue Verfahren, indem es anstelle der üblichen Wasseroxidation den Stoff Furfural verwendet, der aus Zuckerrohrabfällen stammt. Wasserstoff: PEC-System der UNISTDie photoelektrochemische Zelle (PEC) der Forscher
Diese Technik erreicht eine Produktionsrate, die viermal höher liegt als der kommerzielle Standard
Professor Ji-Wook Jang.
Furfural lässt sich bereits bei niedrigeren Spannungen in Furoinsäure umwandeln - ein Prozess, bei dem gleichzeitig Wasserstoff entsteht. An der Gegenelektrode, einem Silizium-Element, wird zusätzlich Wasser in Wasserstoff zerlegt. So findet die Wasserstoffgewinnung an beiden Seiten der Zelle statt. Die gemessene Produktionsrate: 1,4 Millimol Wasserstoff pro Quadratzentimeter und Stunde. Zum Vergleich: 0,36 Millimol gilt als Schwelle für die wirtschaftliche Nutzung (Benchmark des US Department of Energy).


Mehrere Vorteile

Der Vorteil liegt nicht nur in der Ausbeute. Das gesamte System arbeitet ohne externe Energiequelle, allein durch Sonnenlicht. Der Aufbau der Reaktionszelle spielt dabei eine zentrale Rolle: Ein sogenannter "Interdigitated Back Contact" - eine strukturierte Rückseite der Siliziumelektrode - reduziert Spannungsverluste im Material. Zusätzlich schützt eine Ummantelung aus Nickel und Glas das System dauerhaft vor Korrosion durch das flüssige Reaktionsmedium.

Die in Nature veröffentlichte Studie wurde von einem Team der UNIST unter Leitung von Seungho Cho und Kwanyong Seo entwickelt. Dass dabei keine externe Spannung nötig ist und gleichzeitig Biomasse genutzt wird, markiert einen klaren Fortschritt gegenüber bisherigen PEC-Systemen. Für eine breite Anwendung sind nun wie immer zwei Faktoren entscheiden: belastbare Langzeitdaten und Skalierbarkeit über das Labor hinaus.

Wie wird Wasserstoff hergestellt?
Wasserstoff wird hauptsächlich durch Dampfreformierung von Erdgas gewonnen, wobei Methan und Wasserdampf unter hohen Temperaturen und Druck reagieren. Dieses Verfahren deckt derzeit etwa 50% der weltweiten Wasserstoffproduktion ab und gilt als wirtschaftlich effizient.

Weitere wichtige Verfahren sind die Kohlevergasung, die Elektrolyse von Wasser sowie verschiedene biochemische und thermochemische Prozesse. Besonders die Elektrolyse mittels erneuerbarer Energien (grüner Wasserstoff) gewinnt zunehmend an Bedeutung für eine klimaneutrale Energieversorgung.
Was ist grüner Wasserstoff?
Grüner Wasserstoff wird ausschließlich mittels Elektrolyse unter Verwendung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind- oder Solarenergie hergestellt. Dieses Verfahren gilt als klimaneutral, da bei der Produktion keine CO₂-Emissionen entstehen und der gesamte Prozess auf fossile Brennstoffe verzichtet.

Im Gegensatz dazu steht der graue Wasserstoff (aus Erdgas ohne CO₂-Abscheidung), blauer Wasserstoff (mit CO₂-Abscheidung) und türkiser Wasserstoff (aus Methanpyrolyse). Die Produktion von grünem Wasserstoff ist zwar momentan noch teurer, dürfte aber durch technologische Fortschritte und steigende CO₂-Preise wettbewerbsfähiger werden.
Wie effizient ist Elektrolyse?
Die Effizienz moderner Elektrolyseure liegt typischerweise zwischen 70% und 80%, wobei alkalische Elektrolyseure, PEM-Elektrolyseure und Hochtemperatur-Elektrolyseure unterschiedliche Wirkungsgrade aufweisen. Die Technologie entwickelt sich jedoch stetig weiter und höhere Effizienzen werden angestrebt.

Ein kritischer Aspekt bei der Gesamteffizienz ist die Energiequelle für den Elektrolyseprozess. Wird erneuerbare Energie genutzt, sinkt der CO₂-Fußabdruck drastisch, jedoch können Faktoren wie die Umwandlung, Speicherung und Transport des Wasserstoffs die Gesamtenergieeffizienz der Prozesskette reduzieren.
Wasserstoff: Zukunft der Energie?
Wasserstoff gilt als vielversprechender Energieträger für eine klimaneutrale Zukunft, da er vielseitig einsetzbar ist und bei der Verbrennung lediglich Wasser entsteht. Er könnte besonders in Sektoren wie Schwerindustrie, Langstreckenverkehr und zur Langzeitspeicherung erneuerbarer Energien eine Schlüsselrolle spielen.

Allerdings bestehen noch erhebliche Herausforderungen hinsichtlich Produktionskosten, Infrastruktur und Energieverluste bei Umwandlung und Transport. Experten sind sich einig, dass Wasserstoff wahrscheinlich Teil eines diversifizierten Energiemixes sein wird, aber nicht die alleinige Lösung für alle Energiefragen darstellt.
Was kostet Wasserstoffproduktion?
Die Kosten für Wasserstoffproduktion variieren stark nach Herstellungsverfahren. Graue Wasserstoffproduktion aus Erdgas kostet etwa 1-2 Euro pro Kilogramm, während grüner Wasserstoff aus Elektrolyse mit erneuerbaren Energien derzeit noch bei 3-6 Euro pro Kilogramm liegt.

Prognosen deuten darauf hin, dass die Kosten für grünen Wasserstoff durch Skaleneffekte, technologische Fortschritte und sinkende Preise für erneuerbare Energien bis 2030 deutlich fallen könnten. Verschiedene Studien rechnen mit einer Kostensenkung von bis zu 60% in den kommenden Jahren, was die Wettbewerbsfähigkeit erheblich steigern würde.
Wie speichert man Wasserstoff?
Wasserstoff kann in gasförmiger Form unter hohem Druck (350-700 bar) in speziellen Drucktanks gespeichert werden. Diese Methode wird bereits in Brennstoffzellenfahrzeugen eingesetzt, erfordert jedoch energieintensive Kompression und spezielle Materialien für die Tanks.

Alternative Speichermethoden umfassen die Verflüssigung bei -253°C, chemische Speicherung in Metallhydriden oder LOHC (Liquid Organic Hydrogen Carriers) sowie die Umwandlung zu Ammoniak oder synthetischen Kraftstoffen. Jede Methode hat spezifische Vor- und Nachteile bezüglich Energieverlust, Speicherdichte, Sicherheit und Kosten.
Erdgas vs. Elektrolyse: Vergleich
Die Dampfreformierung von Erdgas ist derzeit mit Produktionskosten von 1-2 Euro/kg wirtschaftlicher als die Elektrolyse (3-6 Euro/kg). Allerdings verursacht dieses Verfahren erhebliche CO₂-Emissionen von etwa 10 kg CO₂ pro kg Wasserstoff, wenn keine Abscheidung erfolgt.

Die Elektrolyse mit erneuerbarem Strom produziert dagegen nahezu emissionsfreien Wasserstoff und bietet Flexibilitätsvorteile bei der Integration schwankender erneuerbarer Energien. Während die Erdgasreformierung eine ausgereifte Technologie darstellt, befindet sich die großtechnische Elektrolyse noch in einer früheren Entwicklungsphase mit entsprechendem Potenzial für Kostenreduktionen.
Welche Risiken birgt Wasserstoff?
Wasserstoff ist hochentzündlich und bildet mit Luft in Konzentrationen von 4-75% explosive Gemische. Seine geringe molekulare Größe erhöht das Risiko von Leckagen und erschwert die Detektion. Da die Flamme nahezu unsichtbar brennt, sind spezielle Sicherheitsvorkehrungen erforderlich.

Trotz dieser Herausforderungen zeigt die industrielle Erfahrung, dass Wasserstoff bei fachgerechtem Umgang sicher handhabbar ist. Die Sicherheitsstandards sind gut etabliert, müssen jedoch bei einer breiteren Anwendung in neuen Bereichen wie Mobilität oder Hausenergie entsprechend weiterentwickelt und umgesetzt werden.
Zusammenfassung
  • Neue südkoreanische Technik erzeugt Wasserstoff ohne Stromzufuhr
  • Kristallines Silizium und Furfural aus Zuckerrohrabfällen werden genutzt
  • Wasserstoffproduktion an beiden Seiten der photoelektrochemischen Zelle
  • Produktionsrate viermal höher als der kommerzielle Standard
  • System arbeitet ohne externe Energiequelle, nur durch Sonnenlicht
  • Spezielle Elektrodenstruktur reduziert Spannungsverluste im Material
  • Ummantelung aus Nickel und Glas schützt vor Korrosion

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