Simple Lösung für hartnäckiges Rätsel der Kosmologie gefunden

Die Ausdehnungsgeschwindigkeit des Weltalls gibt seit Jahrzehnten Rätsel auf. Verschiedene Messmethoden liefern unterschiedliche Ergebnisse. Eine neue Analyse deutet darauf hin, dass ein minimaler Effekt im Kosmos das Problem lösen könnte: Rotation.
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Kosmisches Karussell: Rotiert das Universum doch?

Messungen der aktuellen Ausdehnungsgeschwindigkeit des Universums, der sogenannten Hubble-Konstanten, ergeben je nach Methode unterschiedliche Werte. Beobachtungen von explodierenden Sternen (Supernovae) in der näheren Umgebung führen zu einem höheren Wert als Analysen des "kosmischen Mikrowellenhintergrunds" (CMB), einer Strahlung aus der Frühzeit des Universums. Diese Diskrepanz wird als Hubble-Spannung bezeichnet und gilt als hartnäckiges Rätsel der modernen Kosmologie.

Das neue Modell, entwickelt von István Szapudi von der Universität von Hawaiʻi und seinem Team, erweitert das gängige kosmologische Standardmodell um eine winzige Rotation. Eine solche Rotation wäre in diesem Fall so langsam, dass das Universum etwa alle 500 Milliarden Jahre eine vollständige Umdrehung vollführen würde - das entspricht einer extrem geringen Winkelgeschwindigkeit.


Die Forschenden griffen zu einem sogenannten "Dunkle-Fluid-Modell": Hier wird das Verhalten des Universums als eine Mischung aus Dunkler Materie und Dunkler Energie beschrieben, die wiederum als spezielle Flüssigkeit mathematisch behandelt wird. Die Veränderungen durch Rotation wurden anhand der Euler-Poisson-Gleichungen berechnet, einem mathematischen Werkzeug aus der Strömungsdynamik.

Neue Dynamik

Im Ergebnis zeigt sich, dass bereits diese extrem geringe Rotation ausreicht, um die Differenz der gemessenen Hubble-Konstanten zu überbrücken. Die Rotation beeinflusst die Ausdehnung des Universums geringfügig, aber genau im benötigten Maß. Im Abstract der Studie im Monthly Notices of the Royal Astronomical Society heißt es dazu: "Zu unserer großen Überraschung stellten wir fest, dass unser Modell mit Rotation den Widerspruch auflöst, ohne den aktuellen astronomischen Messungen zu widersprechen. Besser noch, es ist kompatibel mit anderen Modellen, die von einer Rotation ausgehen. Vielleicht dreht sich also wirklich alles."

Ob das Universum tatsächlich global rotiert, ist noch offen. Das vorgestellte Modell zeigt aber, wie schon winzige Effekte im Hintergrund eine große Rolle für unsere Messmethoden spielen können.

Was ist die Hubble-Konstante?
Die Hubble-Konstante ist ein fundamentaler Parameter in der Kosmologie, der die Expansionsrate des Universums beschreibt. Sie gibt an, wie schnell sich Galaxien voneinander entfernen, wobei der Wert üblicherweise in Kilometern pro Sekunde pro Megaparsec (km/s/Mpc) angegeben wird.

Die Konstante wurde nach dem Astronomen Edwin Hubble benannt, der 1929 den Zusammenhang zwischen der Entfernung von Galaxien und ihrer Fluchtgeschwindigkeit entdeckte. Diese Entdeckung führte zur Erkenntnis, dass das Universum sich ausdehnt und legte den Grundstein für die moderne Kosmologie und die Theorie des Urknalls.
Wie groß ist der aktuelle Wert?
Der aktuell anerkannte Wert der Hubble-Konstante ist Gegenstand wissenschaftlicher Debatten. Nach Messungen des Planck-Satelliten liegt der Wert bei etwa 67,4 km/s/Mpc, während direkte Messungen mit dem Hubble-Weltraumteleskop einen höheren Wert von etwa 73,5 km/s/Mpc ergeben.

Diese Diskrepanz wird als "Hubble-Spannung" bezeichnet und stellt eines der größten ungelösten Probleme der modernen Kosmologie dar. Wissenschaftler vermuten, dass diese Differenz möglicherweise auf neue Physik jenseits des Standardmodells der Kosmologie hindeuten könnte oder auf systematische Fehler in den Messmethoden.
Warum ist sie so wichtig?
Die Hubble-Konstante ist entscheidend für unser Verständnis des Universums, da sie direkt mit dessen Alter, Größe und Schicksal zusammenhängt. Ein genauer Wert ermöglicht es Wissenschaftlern, das Alter des Universums zu berechnen, sowie Vorhersagen über die zukünftige Entwicklung zu treffen.

Weiterhin spielt die Hubble-Konstante eine zentrale Rolle bei der Überprüfung kosmologischer Modelle und Theorien wie der Dunklen Energie. Die aktuellen Diskrepanzen bei der Messung könnten auf fundamentale Lücken in unserem Verständnis der Physik hindeuten und möglicherweise zu revolutionären neuen Erkenntnissen führen.
Wie wird sie gemessen?
Es gibt zwei Hauptmethoden zur Bestimmung der Hubble-Konstante: Die "kosmische Entfernungsleiter" und Messungen der kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung (CMB). Die erste Methode verwendet verschiedene astronomische "Standardkerzen" wie Cepheiden-Sterne und Typ-Ia-Supernovae, um Entfernungen zu messen.

Die zweite Methode analysiert winzige Temperaturschwankungen in der CMB, die kurz nach dem Urknall entstanden, und leitet daraus kosmologische Parameter ab. Interessanterweise liefern diese beiden Methoden systematisch unterschiedliche Werte, was zu der aktuellen "Hubble-Spannung" führt und möglicherweise auf neue Physik hindeutet.
Ist sie wirklich konstant?
Entgegen ihrem Namen ist die Hubble-"Konstante" tatsächlich nicht konstant über die kosmische Zeit. In der modernen Kosmologie wird sie als Hubble-Parameter bezeichnet, der sich mit der Zeit verändert. Im frühen Universum war die Expansionsrate höher und nimmt seitdem ab.

Allerdings hat sich seit etwa 7 Milliarden Jahren die Abnahme umgekehrt, und die Expansionsrate beschleunigt sich wieder - ein Phänomen, das der mysteriösen Dunklen Energie zugeschrieben wird. Der heute gemessene Wert ist lediglich eine Momentaufnahme der kosmischen Expansion zum gegenwärtigen Zeitpunkt.
Was ist die Hubble-Spannung?
Die Hubble-Spannung bezeichnet die signifikante Diskrepanz zwischen verschiedenen Messungen der Hubble-Konstante. Lokale Messungen mit der kosmischen Entfernungsleiter ergeben etwa 73,5 km/s/Mpc, während Messungen der kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung etwa 67,4 km/s/Mpc liefern.

Diese Abweichung von über 9% überschreitet die geschätzten Messunsicherheiten deutlich und stellt daher ein ernsthaftes Problem für das kosmologische Standardmodell dar. Mögliche Erklärungen reichen von systematischen Messfehlern bis hin zu neuer Physik wie zusätzlichen Neutrino-Arten, früher Dunkler Energie oder modifizierten Gravitationstheorien.
Wer war Edwin Hubble?
Edwin Powell Hubble (1889 bis 1953) war ein amerikanischer Astronom, der die moderne Astronomie revolutionierte. Seine bahnbrechendsten Entdeckungen waren der Nachweis, dass es Galaxien außerhalb der Milchstraße gibt, und die Beobachtung, dass sich diese Galaxien von uns wegbewegen - mit einer Geschwindigkeit proportional zu ihrer Entfernung.

Diese zweite Entdeckung, bekannt als Hubble-Gesetz, führte zur Erkenntnis, dass das Universum expandiert, und legte den Grundstein für die Urknalltheorie. Nach Hubble wurden sowohl das Hubble-Weltraumteleskop als auch die Hubble-Konstante benannt, wodurch sein bedeutendes Erbe in der Astronomie gewürdigt wird.
Was bedeutet das für den Urknall?
Die Hubble-Konstante ist entscheidend für die Urknalltheorie, da sie direkt mit dem Alter des Universums zusammenhängt. Ein höherer Wert bedeutet ein jüngeres Universum, ein niedrigerer Wert ein älteres. Die aktuellen Messungen deuten auf ein Alter von etwa 13,8 Milliarden Jahren hin.

Die Hubble-Konstante bestätigt grundsätzlich das Urknallmodell, da sie zeigt, dass sich das Universum ausdehnt. Wenn man diese Expansion gedanklich zurückverfolgt, gelangt man zu einem Zeitpunkt, an dem alles in einem extrem heißen, dichten Zustand konzentriert war - dem Urknall. Die anhaltenden Diskrepanzen könnten jedoch Hinweise auf Ergänzungen oder Modifikationen dieser Theorie liefern.
Zusammenfassung
  • Diskrepanz bei Messung der Hubble-Konstante führt zu 'Hubble-Spannung'
  • Neues Modell von István Szapudi erweitert das kosmologische Standardmodell
  • Winzige Rotation des Universums könnte Hubble-Spannung erklären
  • Rotation wäre so langsam, dass eine Umdrehung 500 Milliarden Jahre dauert
  • 'Dunkle-Fluid-Modell' und Euler-Poisson-Gleichungen für Berechnungen genutzt
  • Geringe Rotation reicht aus, um Differenz der Hubble-Konstanten zu erklären
  • Die globale Rotation des Universums ist bislang nicht bestätigt

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