Musk vs. Natur: Neues Raketen-Projekt bedroht seltene Seevögel

Wirtschaftlicher und technischer Erfolg sind für SpaceX wichtiger als alles andere. Das Raumfahrtunternehmen steht davor, das Nist­ge­biet bedrohter Seevögel einem neuen Projekt für den Gütertrans­port per Rakete zu opfern.
Umwelt, Natur, Meer, Landschaft, Küste, Gras, Steilküste, Felsig

Warentransport per Rakete

Das Johnston-Atoll, ein rund 1300 Kilometer südwestlich von Hawaii gelegenes US-Territorium, wurde von der US-Luftwaffe als Testgelände für das sogenannte "Rocket Cargo Vanguard"-Programm ausgewählt. Ziel des Projekts ist es, gebrauchte Raketenstufen von SpaceX für den Warentransport zu testen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. So will man bis zu 100 Tonnen Fracht innerhalb von nur 90 Minuten an jeden Ort der Erde transportieren können.

Biologen, die seit Jahren auf dem 2,6 Quadratkilometer großen Eiland arbeiten, sehen das Vorhaben mit großer Sorge. Das Atoll ist ein National Wildlife Refuge sowie Teil des Pacific Remote Islands Marine National Monument und bietet Lebensraum für 14 tropische Vogelarten. Über das Jahr hinweg nisten dort etwa eine Million Seevögel, darunter Rotfuß-Tölpel, Rotsteiß-Tropenvögel und Fregattvögel mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,5 Metern.


In den 1980er Jahren war die Population noch auf wenige Tausend geschrumpft, hat sich jedoch dank durchgreifender Schutzmaßnahmen und der Arbeit von Experten wieder bis zum heutigen Stand erholt. Nun wird allerdings befürchtet, dass der Lärm der landenden Raketen die Vögel in Panik versetzen und sie von ihren Nestern vertreiben könnte.

"Das größte Problem wird der Lärm sein, der die Vögel dazu bringt, ihre Nester zu verlassen. Viele kehren dann nicht zurück, was einen Verlust einer ganzen Generation bedeutet", erklärt Ryan Rash, ein Wildbiologe der Universität von Texas, der fast ein Jahr auf dem Johnston-Atoll verbracht hat.

Konflikt ist wahrscheinlich

Das Projekt sieht derzeit den Bau von zwei Landeplattformen sowie zehn Raketenlandungen innerhalb von vier Jahren vor. Die US-Luftwaffe und SpaceX bereiten derzeit eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor, die in den kommenden Wochen zur öffentlichen Diskussion gestellt werden soll. Diese ist erforderlich, bevor das Vorhaben unter dem National Environmental Policy Act genehmigt werden kann.

Angesichts dessen, wie schnell und radikal solche Schutzgesetze aktuell auch mal per Präsidentendekret umgangen und die zuständigen Behörden aufgelöst werden, dürfte die Sorge der Wissenschaftler noch zunehmen. Dass dies auch in diesem Fall geschehen kann, ist offensichtlich - immerhin gehört SpaceX dem rechtsextremen Unternehmer Elon Musk, der nebenbei auch für die aktuelle US-Regierung tätig ist und Interessenkonflikte dabei überhaupt keine Rolle spielen - im Gegenteil.

Zusammenfassung
  • SpaceX plant Raketen-Projekt für Gütertransport auf Johnston-Atoll
  • US-Luftwaffe wählt Atoll als Testgelände für 'Rocket Cargo Vanguard'
  • Biologen befürchten Gefährdung seltener Seevögel durch Raketenlärm
  • Eine Million Seevögel nisten jährlich auf dem 2,6 km² großen Eiland
  • Umweltverträglichkeitsprüfung wird in den kommenden Wochen erwartet
  • Sorge vor Umgehung von Schutzgesetzen durch politische Einflussnahme
  • Kritik an Interessenkonflikten zwischen SpaceX, Musk und US-Regierung

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