Gelähmte können sich dank Stammzellentherapie wieder bewegen

Japanische Forscher melden einen wichtigen Durchbruch bei der Behandlung von Querschnittslähmung: In einer klinischen Studie konnten zwei von vier gelähmten Patienten nach einer neuartigen Stammzellentherapie wieder Bewegungen ausführen.
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IKELOS GmbH/Dr. Christopher B. Jackson/SPL

Neue Therapie mit reprogrammierten Stammzellen

Ein Forscherteam der Keio Universität in Japan meldet einen wichtigen Erfolg bei der Behandlung von Rückenmarksverletzungen. Nach einer innovativen Stammzellentherapie können zwei von vier vormals vollständig gelähmten Patienten wieder Bewegungen ausführen. Ein Patient erreichte dabei einen besonderen Fortschritt: Er kann mittlerweile mit Unterstützung stehen.

Bei der Behandlung kamen sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) zum Einsatz. Diese werden aus normalen erwachsenen Zellen gewonnen und in einen embryonalen Zustand zurückversetzt. Die Forscher injizierten jedem Patienten etwa zwei Millionen dieser speziell aufbereiteten Zellen direkt in den verletzten Bereich des Rückenmarks. Das Ziel: Die Stammzellen sollten sich in Nerven- und Gliazellen umwandeln.


Die im Fachjournal Nature veröffentlichte Studie beschreibt die Behandlung von vier männlichen Patienten über 60 Jahre, die zwei bis vier Wochen nach ihrer Verletzung therapiert wurden. Die verwendeten Stammzellen stammten von einem Spender und wurden vom Center for iPS Cell Research and Application der Kyoto Universität bereitgestellt - einem Zentrum, das der Nobelpreisträger Shinya Yamanaka gründete, der 2006 die iPS-Zellen entdeckte.

Die einjährige Nachbeobachtung zeigte keine schwerwiegenden Nebenwirkungen der Behandlung. Während zwei Patienten keine wesentlichen Verbesserungen zeigten, erreichte einer die Fähigkeit, Arm- und Beinmuskeln zu bewegen. Der vierte Patient machte die größten Fortschritte und kann nun mit Unterstützung stehen - er trainiert jetzt sogar das Gehen.

Problem Querschnittslähmung

Die Dimension des Problems ist erheblich: Etwa 15 Millionen Menschen leben weltweit mit einer Rückenmarksverletzung. In Japan sind es rund 100.000 Betroffene, denen bislang nur die klassische Rehabilitation als Behandlungsoption zur Verfügung steht. Nach Angaben des Spinal Injuries Center in Fukuoka erreichen lediglich zehn bis zwölf Prozent der Patienten durch Rehabilitation eine Verbesserung der motorischen Funktionen.

Das Biotechnologie-Startup K Pharma, eine Ausgründung der Keio Universität, plant bereits größere klinische Studien. Diese sollen die Wirksamkeit der Therapie bestätigen und klären, welche Arten von Rückenmarksverletzungen am besten auf die Behandlung ansprechen.

Zusammenfassung
  • Japanische Forscher erzielen Durchbruch bei Querschnittslähmungstherapie
  • Innovative Stammzellentherapie ermöglicht Bewegungen bei zwei Patienten
  • Induzierte pluripotente Stammzellen wurden in das Rückenmark injiziert
  • Studie mit vier männlichen Patienten über 60 Jahre durchgeführt
  • Ein Patient kann nach der Behandlung mit Unterstützung stehen
  • Weltweit leben etwa 15 Millionen Menschen mit Rückenmarksverletzungen
  • Größere klinische Studien zur Bestätigung der Wirksamkeit sind geplant

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