Überraschung im menschlichen Körper:
Ganz neue Organelle entdeckt

Der Zellkern, das Endoplasmatische Retikulum, die Mitochondrien - alles schien schön kartiert. Doch nun sind Forscher überraschend auf eine neue Struktur gestoßen. Sie ist Teil eines komplexen Transportsystems im Inneren der Zelle.
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    Zelltransport neu verstanden: Kontrolleur entdeckt

    Das Zellinnere galt als gut erforscht - doch immer präzisere Bildgebungsverfahren schärft unseren Blick. Nun rückt eine winzige, bislang übersehene Struktur in den Mittelpunkt: das Hemifusom. Eine Art "Umschlagplatz" im Inneren lebender Zellen - zuständig für Sortierung, Verpackung und Weiterleitung lebenswichtiger Zellfracht. Seine Entdeckung könnte erklären, warum manche genetischen Krankheiten ganze Organsysteme beeinträchtigen.

    Bei der Untersuchung zellulärer Strukturen mit Kryo-Elektronentomografie stießen Seham Ebrahim und ihre Kollegen vom NIH, der zentralen US-Behörde für biomedizinische Forschung, auf eine auffällige, dichte Verbindung an der Schnittstelle zweier Vesikel - eine Struktur, die sich keiner bekannten Organelle zuordnen ließ. Erst bei genauerer Analyse zeigte sich: Es handelt sich um eine eigenständige, bislang unbekannte Komponente im Recyclingprozess der Zelle.
    Hemifuson (NIH)Illustrative Visualisierung des Hemifusom Hemifuson (NIH)Original-Aufnahme des Teams
    Kurz mal - Was ist Kryo-Elektronentomografie (cryo-ET): Das Hemifusom wurde mithilfe von cryo-ET sichtbar gemacht. Dabei werden Zellen schockgefroren und dann mit einem Elektronenstrahl in Schichten durchleuchtet, um dreidimensionale Strukturen in nahezu unveränderten Zuständen abzubilden. Diese Methode erlaubt es, feinste Membranverbindungen mit hoher Auflösung zu erkennen

    Der Name "Hemifusom", zusammengesetzt aus dem griechischen "hemi" für "halb" und einem Verweis auf "Fusion", ist eine Neuschöpfung des Forschungsteams - ein Kunstwort für eine Struktur, die es so bislang nicht in der biologischen Nomenklatur gab. Er spielt darauf an, dass sich zwei Zellbläschen nur teilweise verbinden - wie zwei Züge, die Tür an Tür halten, damit Passagiere von einem in den anderen steigen können. Genau an diesem Übergabepunkt sorgt das Hemifusom dafür, dass die Fracht innerhalb der Zelle sicher weitergegeben wird.

    Gesunde und kranke Zellen besser verstehen

    Die Forscher fanden die bisher unentdeckten Werkzeuge in besonders aktiven Bereichen der Zelle - dort, wo sich die Zellform verändert oder neue Strukturen aufgebaut werden. Untersucht wurde das unter anderem an einer weitverbreiteten Zellkultur, bei der solche Prozesse gut sichtbar sind. Gerade weil das Hemifusom beim inneren Transport von Zellmaterial eine Rolle spielt, könnte es auch erklären helfen, warum dieser Prozess bei bestimmten Erbkrankheiten aus dem Gleichgewicht gerät.

    Die Ergebnisse wurden in Nature (DOI: 10.1038/s41467-025-59887-9) veröffentlicht. Die Autoren sehen darin nicht nur einen strukturellen Fund, sondern einen funktionalen: ein neues Kapitel in der Erforschung zellulärer Logistik. Für die Forscher ist der Fund kein Abschluss, sondern ein Auftakt: Jetzt geht es darum zu verstehen, wie dieses neue entdeckte Organell in gesunden Zellen arbeitet - und was geschieht, wenn es seine Aufgabe nicht mehr erfüllt.

    Was sind Organellen?
    Organellen sind spezialisierte Strukturen innerhalb von Zellen, die bestimmte Funktionen erfüllen. Sie können als die "Organe" der Zelle betrachtet werden, wobei jedes Organell eine spezifische Aufgabe übernimmt, um das Überleben und die Funktion der Zelle zu gewährleisten.

    Typische Beispiele für Organellen sind der Zellkern, Mitochondrien, Chloroplasten, das endoplasmatische Retikulum und Ribosomen. Während prokaryotische Zellen (wie Bakterien) keine membranumschlossenen Organellen besitzen, sind eukaryotische Zellen durch eine Vielzahl solcher Strukturen gekennzeichnet.
    Welche Rolle spielt der Zellkern?
    Der Zellkern gilt als das "Kontrollzentrum" der Zelle und enthält das genetische Material in Form von DNA. Er steuert die Zellfunktionen durch Regulation der Genexpression und ist von einer doppelten Membran umgeben, die als Kernhülle bezeichnet wird.

    Im Zellkern findet die DNA-Replikation statt, und die genetische Information wird in Form von mRNA transkribiert, die dann das Kernplasma verlässt, um im Cytoplasma für die Proteinsynthese verwendet zu werden. Der Zellkern ist in der Regel das größte Organell in tierischen Zellen.
    Wie erzeugen Mitochondrien Energie?
    Mitochondrien werden oft als "Kraftwerke" der Zelle bezeichnet, da sie für die Produktion des Energieträgers ATP verantwortlich sind. In ihnen findet die zelluläre Atmung statt, bei der Glucose und andere Nährstoffe unter Verbrauch von Sauerstoff zu Wasser und Kohlendioxid abgebaut werden.

    Besonders interessant ist, dass Mitochondrien ihre eigene DNA besitzen und sich unabhängig von der Zellteilung vermehren können. Laut der Endosymbiontentheorie waren Mitochondrien ursprünglich eigenständige Bakterien, die von eukaryotischen Zellen aufgenommen wurden und eine symbiotische Beziehung entwickelten.
    Wozu dienen Chloroplasten?
    Chloroplasten sind die charakteristischen grünen Organellen in Pflanzenzellen, die für die Photosynthese verantwortlich sind. Sie wandeln Lichtenergie in chemische Energie um und produzieren dabei Sauerstoff und Glucose aus Kohlendioxid und Wasser.

    Ähnlich wie Mitochondrien besitzen auch Chloroplasten ihre eigene DNA und vermehren sich selbstständig. Sie enthalten das grüne Pigment Chlorophyll, das ihnen ihre charakteristische Farbe verleiht und das Sonnenlicht absorbiert, welches für die photosynthetischen Reaktionen benötigt wird.
    Was macht das ER in der Zelle?
    Das endoplasmatische Retikulum (ER) ist ein ausgedehntes Netzwerk aus Membranen, das sich durch das Cytoplasma der Zelle erstreckt. Es wird in raues ER (mit Ribosomen besetzt) und glattes ER (ohne Ribosomen) unterteilt und spielt eine zentrale Rolle bei der Proteinsynthese und dem Lipidstoffwechsel.

    Das raue ER ist hauptsächlich für die Synthese von Proteinen zuständig, die für den Export bestimmt sind oder in Membranen eingebaut werden. Das glatte ER hingegen ist an der Synthese von Lipiden, dem Stoffwechsel von Kohlenhydraten und der Entgiftung von schädlichen Substanzen beteiligt.
    Wie funktionieren Ribosomen?
    Ribosomen sind kleine, aus RNA und Proteinen bestehende Organellen, die für die Proteinsynthese verantwortlich sind. Sie "lesen" die genetische Information der mRNA und übersetzen diese in Proteine, indem sie Aminosäuren entsprechend dem genetischen Code aneinanderreihen.

    Ribosomen können frei im Cytoplasma vorliegen oder an das endoplasmatische Retikulum gebunden sein. Im Gegensatz zu anderen Organellen sind sie nicht von einer Membran umgeben und kommen sowohl in prokaryotischen als auch in eukaryotischen Zellen vor, wobei sie sich in ihrer Größe und Struktur unterscheiden.
    Was ist der Golgi-Apparat?
    Der Golgi-Apparat besteht aus gestapelten, membranumschlossenen Scheiben und dient als "Poststation" der Zelle. Er verarbeitet, sortiert und modifiziert Proteine und Lipide, die vom endoplasmatischen Retikulum kommen, und leitet sie an ihre Zielorte weiter.

    Im Golgi-Apparat werden Proteine chemisch modifiziert, beispielsweise durch Anhängen von Zuckerresten (Glykosylierung). Anschließend werden die fertigen Produkte in Vesikel verpackt und zu ihren Bestimmungsorten transportiert, sei es zur Zellmembran, zu anderen Organellen oder zur Ausschleusung aus der Zelle.
    Wie entsorgen Lysosomen Abfall?
    Lysosomen fungieren als "Recyclinganlagen" der Zelle und enthalten eine Vielzahl von Verdauungsenzymen. Sie bauen nicht mehr benötigte Zellbestandteile, aufgenommene Partikel und sogar ganze Organellen ab und führen die daraus gewonnenen Grundbausteine dem Zellstoffwechsel wieder zu.

    Eine Besonderheit von Lysosomen ist ihr saures Innenmilieu, das für die optimale Aktivität der enthaltenen Enzyme notwendig ist. Defekte in lysosomalen Enzymen können zu schwerwiegenden Erkrankungen führen, den sogenannten lysosomalen Speicherkrankheiten, bei denen sich bestimmte Substanzen in den Zellen ansammeln.
    Zusammenfassung
    • Hemifusom - neu entdeckter zellulärer Umschlagplatz für Sortierung von Zellfracht
    • Mit Kryo-Elektronentomografie als eigenständige Organelle identifiziert
    • Name setzt sich aus griechischem 'hemi' (halb) und 'Fusion' zusammen
    • Funktioniert wie Übergabepunkt zwischen zwei teilweise verbundenen Zellbläschen
    • Besonders aktiv in Bereichen, wo Zellform sich verändert oder Strukturen entstehen
    • Könnte Erklärungen für Transportstörungen bei Erbkrankheiten wie Hermansky-Pudlak-Syndrom liefern
    • Forschungsergebnisse am 26. Juni 2025 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht

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