Google-Captcha in der Kritik:
Nicht nur nutzlos, sondern auch Spyware

Captcha-Tests, bei denen Nutzer verzerrten Text entziffern, Bilder auswählen oder einfache Rätsel lösen müssen, um ihre Menschlichkeit zu beweisen, stehen seit Jahren in der Kritik. Nun zeigt sich: Sie sind nicht nur wirkungslos, sondern auch Spyware.
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iStock / VectorUp

Bots kommen durch

Studien zeigen inzwischen, dass Bots diese Tests oft mühelos umgehen können, insbesondere, wenn noch moderne KI-Technologien zum Einsatz kommen, während sie für echte Nutzer zunehmend frustrierend sind. Jüngste Untersuchungen legen zudem nahe, dass Google und andere Anbieter diese angebliche Sicherheitsmaßnahme vor allem zur Datensammlung nutzen.

Ein YouTuber unter dem Pseudonym "Chuppl" (via TechSpot) zeigte jetzt, dass Googles reCaptcha v2 und v3 kaum zur Bot-Abwehr beitragen, sondern primär darauf ausgelegt seien, Nutzerdaten zu erfassen. Browserhistorie, Cookies und andere Identifikationsmerkmale würden gespeichert und die Daten dann an Werbekunden oder andere zahlungswillige Unternehmen verkauft.

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Obwohl viele Menschen glauben, dass Captchas helfen, bösartige Bot-Angriffe zu verhindern, belegen verschiedene Studien das Gegenteil. Moderne KI-Programme lösen die beliebten Bilderrätsel, etwa das Erkennen von Ampeln oder Zebrastreifen, mit einer Erfolgsquote von nahezu 100 Prozent.

Besonders umstritten ist Googles reCaptcha v3, das lediglich einen Klick auf ein Kästchen mit der Aufschrift "Ich bin kein Roboter" erfordert. Eine 2023 durchgeführte Studie der University of California, Irvine, kam zu dem Schluss, dass auch Bots diesen Test problemlos bestehen. Google behauptet, das System analysiert menschliche Mausbewegungen, doch Chuppl demonstrierte, dass ein speziell entwickelter Bot den Test auf Anhieb meisterte.

Hoher Schaden

Laut Experten erfasst reCaptcha weit mehr als nur Mausbewegungen. Auch Informationen zum verwendeten Browser, zur IP-Adresse und anderen Merkmalen werden gespeichert. Besonders problematisch: Nutzer, die ihre Privatsphäre mit einem VPN oder anonymisierten Browserdaten schützen, könnten durch Captchas häufiger blockiert werden als Bots.

Der wirtschaftliche Wert der durch Captchas gesammelten Daten wird auf fast 898 Milliarden Dollar geschätzt. Zudem ergab eine Klage gegen Google, dass Nutzer weltweit insgesamt 819 Millionen Stunden mit reCaptcha v2 verbrachten. Dies entspricht unbezahlter Arbeit im Wert von etwa 6,1 Milliarden Dollar. Eine Studie der University of California empfiehlt, reCaptcha v2 und ähnliche Systeme abzuschaffen.

Zusammenfassung
  • Captcha-Tests sind laut Studien ineffektiv gegen moderne KI-Bots
  • Google nutzt reCaptcha v2 und v3 hauptsächlich zur Datensammlung
  • KI-Programme lösen Bilderrätsel mit nahezu 100-prozentiger Erfolgsquote
  • reCaptcha v3 mit "Ich bin kein Roboter"-Kästchen von Bots leicht umgehbar
  • Nutzer mit VPN oder anonymisierten Daten werden häufiger blockiert als Bots
  • Der Wert der durch Captchas gesammelten Daten wird auf 898 Milliarden Dollar geschätzt
  • Die Studie empfiehlt die Abschaffung von reCaptcha v2 und ähnlichen Systemen

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