Angriffe auf Unterseekabel:
NATO arbeitet an Notfallsystem

Angesichts der zunehmenden Angriffe auf Unterseekabel in den letzten Jahren arbeitet die NATO an einem neuen System, um die daraus entstehenden Probleme zu minimieren. Es geht dabei um schnelle Alternativ-Routen und Technologien zur schnelleren Lokalisierung eines Schadens.
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Schadens-Findung und Ausweich-Routen

Ein neues Verfahren soll helfen, Schäden an diesen kritischen Infrastrukturen bis auf einen Meter genau zu lokalisieren. Gleichzeitig soll das System alternative Datenrouten identifizieren, falls ein Kabel ausfällt. Das Projekt trägt den Namen HEIST (Hybrid Space-Submarine Architecture Ensuring Infosec of Telecommunications), berichtet Toms Hardware.

Die Bedeutung dieser Unterseekabel für die Weltwirtschaft ist enorm: Jährlich werden über diese Verbindungen Transaktionen im Wert von über 10 Billionen Dollar abgewickelt. "Diese Kabel sind eine essenzielle Infrastruktur unserer Gesellschaft", erklärt Henric Johnson, Vizepräsident des Blekinge Institute of Technology (BTH) in Karlskrona, Schweden, und Koordinator des HEIST-Testprogramms. In Karlskrona entwickeln Ingenieure Technologien, um Kabelschäden schneller zu erkennen und betroffene Datenströme automatisch über Satelliten umzuleiten.


HEIST ist dabei keineswegs nur eine Reaktion auf die jüngsten Sabotage-Aktionen in der Ostsee, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Russland zurückgehen. Auch im Nahen Osten kam es zuletzt mehrfach zu Attacken auf die dort entlanglaufenden Datenverbindungen, die Europa mit Asien verbinden. Hinzu kommen Unfälle und auch natürliche Ursachen.

Da über 95 Prozent des weltweiten Datenverkehrs durch diese Kabel fließen, stellt jeder Ausfall ein erhebliches Risiko dar. Jedes Jahr gibt es etwa 100 Beschädigungen bei den weltweit 600 Unterseekabeln. Das bedeutet, dass rund 16 Prozent der globalen Verbindungen jährlich betroffen sind. Zwar gibt es spezielle Reparaturschiffe, doch deren Einsätze können Wochen dauern und Kosten in Millionenhöhe verursachen.

Satelliten bisher zu lahm

Satelliten dienen zwar als Backup, sind jedoch deutlich langsamer als Glasfaserkabel. Während moderne Unterseekabel Geschwindigkeiten von bis zu 340 Terabit pro Sekunde erreichen, schaffen Satelliten meist nur 5 Gigabit pro Sekunde. Technologien wie Laserkommunikation sollen diese Lücke schließen und die Geschwindigkeit auf bis zu 200 Gigabit erhöhen. Projekte wie Starlink und Amazons Kuiper setzen bereits auf diese Weiterentwicklung, doch es gibt Herausforderungen wie Sichtbarkeitsprobleme und präzise Zielerfassung.

Um die Sicherheit zu erhöhen, plant die NATO, Teile des HEIST-Systems als Open Source zu veröffentlichen. Gregory Falco, NATO-Direktor des Projekts, sieht darin eine Möglichkeit, Schwachstellen schneller zu identifizieren und die Technologie effizient weiterzuentwickeln, um gezielte Angriffe auf die lebenswichtige Infrastruktur zu verhindern.

Zusammenfassung
  • NATO entwickelt HEIST-System zur Sicherung von Unterseekabeln
  • Schnelle Lokalisierung von Schäden und Identifizierung von Alternativrouten
  • Unterseekabel wickeln jährlich Transaktionen im Wert von 10 Billionen $ ab
  • 95 % des weltweiten Datenverkehrs fließen durch Unterseekabel
  • Satelliten als Backup sind deutlich langsamer als Glasfaserkabel
  • NATO plant, Teile des HEIST-Systems als Open Source zu veröffentlichen
  • Ziel: Verhinderung gezielter Angriffe auf lebenswichtige Infrastruktur

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