Sonne enthüllt Geheimnisse:
Forscher stellen Eruptionstheorie infrage

Eine neue Studie stellt das Standardmodell für Sonneneruptionen infrage. Forscher entdeckten unerwartete Verzögerungen bei der Emission von Infrarotstrahlung, die bisherige Theorien nicht erklären können. Was bedeutet das für unser Verständnis der Sonne?
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Standardmodell für Sonneneruptionen wackelt

Sonneneruptionen sind gewaltige Explosionen in der Sonnenatmosphäre. Bisher ging man davon aus, dass beschleunigte Elektronen die Energie von der Corona zur Chromosphäre transportieren. Dort erzeugen sie helle Regionen, sogenannte "Fußpunkte". Diese sollten laut aktuell gültiger Theorie fast gleichzeitig aufleuchten.

Doch die Realität sieht anders aus. Bei der Beobachtung einer Sonneneruption mit dem McMath-Pierce-Sonnenteleskop am Kitt Peak National Observatory in Arizona, USA im September 2014 stellten Wissenschaftler eine Verzögerung von 0,75 Sekunden zwischen den Fußpunkten fest. Das klingt erst einmal natürlich nach wenig, ist aber 80% mehr, als das bisher anerkannte Modell maximal vorhersagt.


Paulo José de Aguiar Simões, Hauptautor der in "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" veröffentlichten Studie, erklärt: "Wir fanden einen signifikanten Unterschied zwischen den Beobachtungsdaten des Teleskops und dem vom Modell vorhergesagten Verhalten. In den Beobachtungsdaten erschienen die gepaarten Fußpunkte als zwei strahlende Regionen der Chromosphäre. Laut Modell hätten die beiden Stellen fast gleichzeitig aufleuchten sollen, aber die Daten zeigten eine Verzögerung."

Jetzt muss man neu denken

Die Forscher testeten verschiedene Szenarien, um die Verzögerung zu erklären. Elektronentransport-Simulationen, die den Weg der Elektronen durch das Sonnenplasma nachbilden, konnten die Beobachtungen nicht erklären. Auch radiativ-hydrodynamische Modelle, die Wärmeübertragung und Strahlungseffekte berücksichtigen, lieferten keine Lösung. Selbst die Einbeziehung von Magnetfeldunterschieden in den Fußpunkten brachte kein passendes Ergebnis.

Die Schlussfolgerung ist klar: Das Standardmodell für Sonneneruptionen muss überarbeitet werden. Simões schlägt vor: "Mechanismen wie magnetosonische Wellen (Schwingungen im magnetisierten Plasma), oder konduktiver Transport (Energie-Übertragung durch direkte Teilchenkollisionen), sollten in Betracht gezogen werden." Diese Erkenntnisse könnten unser Verständnis von Sonneneruptionen grundlegend verändern und neue Forschungsansätze eröffnen.

Zusammenfassung
  • Neue Studie fordert Standardmodell für Sonneneruptionen heraus
  • Unerwartete Verzögerungen bei Infrarotemissionen entdeckt
  • Beobachtete Verzögerung von 0,75 Sekunden zwischen Fußpunkten
  • Aktuelle Modelle können Verzögerungen nicht erklären
  • Verschiedene Erklärungsansätze wie Magnetfeldunterschiede gescheitert
  • Überarbeitung des Standardmodells für Sonneneruptionen notwendig
  • Neue Mechanismen wie 'magnetosonische Wellen' vorgeschlagen

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