28 Jahre Hotmail: Erst Pionier, dann Spam-Schleuder, heute Outlook
Hotmail feiert in diesen Tagen seinen 28. Geburtstag. Am 4. Juli 1996 ging der Dienst als damals einer von wenigen HTML-fähigen und vor allem kostenlosen Webmailern an den Start. Nur ein Jahr später schlug Microsoft zu. Wir blicken zurück auf einen guten Start und viel Spam.
Das Original-Logo von HoTMaiL von 1996
Hotmail wollte vor allem eines: Freiheit für die Nutzer bieten. Wer Mitte der 1990er-Jahre eine E-Mail-Adresse hatte, nutzte in den meisten Fällen entweder einen von seinem Provider bereitgestellten Account oder aber ein von seinem Arbeitgeber bereitgestelltes Konto. Ein unabhängiger Mail-Anbieter, der obendrein für den Nutzer auch noch kostenlos war - ein absolutes Novum.
Entsprechend groß war der Erfolg von Hotmail dann auch. Die beiden Gründer Jack Smith und Sabeer Bhatia hatten Hotmail innerhalb kürzester Zeit zur Marktreife getrieben, nachdem sie mit nur rund 4000 Dollar Startkapital zunächst eine Art Prototyp entwickelt hatten. Dank dieser bereits 1995 entstandenen Vorabversion konnten sie den Investor Draper Fisher für ihr Produkt begeistern, der ganze 300.000 Dollar für die weitere Entwicklung bereitstellte.
Startseite von HoTMaiL kurz nach dem Start im Jahr 1996
Hotmail startete mit dem Versprechen, die Nutzer von der Bindung an einen Anbieter zu befreien und gleichzeitig den Versand beliebiger Nachrichten kostenlos zu ermöglichen, denn oft griffen damals noch Firmen-Firewalls in den E-Mail-Versand ein. Dass man am 4. Juli, dem amerikanischen "Independence Day" an den Start ging, war kein Zufall, sollte dies doch die neu gewonnene Freiheit zelebrieren.
Der Erfolg von Hotmail war für damalige Verhältnisse enorm. Innerhalb von 30 Tagen erreichte man 100.000 Nutzer und nach weniger als einem halben Jahr waren es bereits mehr als eine Million. Dabei ist zu bedenken, dass das Internet zu dieser Zeit noch weit weniger leicht zugänglich war und durchaus einige Kosten entstanden, wenn man sich einwählen wollte.
Die Hotmail-Inbox im Jahr 1997
Im Vergleich: selbst der weltweit größte E-Mail-Provider AOL hatte damals nur 12 Millionen Nutzer. 1997 war es auch, als Microsoft gegen Ende des Jahres begann, Gespräche zu einer möglichen Übernahme zu führen. Bhatia und Smith wurden wenig später dann zu einigen der ersten "Internet-Millionäre", als Microsoft sich entschied, Hotmail in einem Aktientauschgeschäft im Wert von bis zu 400 Millionen US-Dollar zu übernehmen.
Die Hotmail-Startseite der Jahre 1997-1998
Microsofts Schlüssel zum Erfolg war natürlich, dass man Hotmail weiterhin kostenlos und relativ zuverlässig, sowie, und das war wohl das wichtigste, von jedem beliebigen Computer der Welt zugänglich, anbot. Wettbewerber gab es damals kaum, jedenfalls war das Angebot oft nicht besser. Der Niedergang von Hotmail begann aber auch schon 1999, denn es kamen beinahe unglaubliche Sicherheitsprobleme auf.
Das wohl größte Problem für Hotmail entstand aber, als Google mit Gmail an den Start ging. Der Internetkonzern bot von Anfang an direkt ein ganzes Gigabyte Speicher, als man 2004 mit Gmail loslegte. Angesichts des bei Hotmail weiterhin für Gratis-Nutzer gültigen Limits von nur zwei Megabyte schien der Speicher bei Google praktisch unbegrenzt.
2007 begann dann der Abschied von Hotmail, denn Windows Live Mail ging als Nachfolger, zumindest in Beta-Form, ab Mitte des Jahres an den Start. Bis 2010 lieferte man dann allerhand neue Features nach, darunter auch Support für andere Browser wie Firefox und Chrome, SSL-Verschlüsselung als Standard und immer wieder überarbeitete Designs. All dies half jedoch nicht, den Siegeszug von Gmail zu verhindern.
Windows Live Mail im Jahr 2010
2012 war es dann so weit: Microsoft führte nach dem Zwischenschritt in Form von Windows Live ab Mitte des Jahres das neue Outlook.com zumindest als Betaversion ein und konnte damit erneut einen schnellen Hit landen. Wer wollte, konnte seine Hotmail-Adresse behalten oder sie in eine Outlook-Adresse umwandeln lassen. Innerhalb von nur zwei Wochen kam Outlook.com so schon auf ganze 10 Millionen User.
Als die Betaphase von Outlook.com Anfang 2013 endete, dauerte es nur noch wenige Monate, bis Microsoft die Umstellung von Hotmail auf Outlook.com gänzlich abgeschlossen hatte. Damals hieß es von den Redmondern, dass man rund 400 Millionen aktiv genutzte Konten bei Outlook.com verzeichnet
Hotmail hatte selbst zu seinen besten Zeiten nur "über 300 Millionen" User erreicht, durch den Lauch von Outlook.com, dessen Namen viele Anwender bereits von der E-Mail-Software Outlook kannten, konnte man also die User-Zahl noch einmal steigern - und Hotmail war somit im Grunde Geschichte. Dies gilt allerdings nicht für die E-Mail-Adressen mit der Endung Hotmail.com. Wer ein neues E-Mail-Konto bei der heute als Teil von Microsoft 365 vermarkteten aktuellen Version des Webmailers anlegt, kann immer noch festlegen, dass seine Adresse auf @hotmail.com enden soll.
Erinnert sich noch jemand persönlich an den Launch von Hotmail? Oder HoTMaiL, wie es damals noch hieß? Für mich wäre es eher der Start von Windows Live Mail, bei dem man sich mit einigem Aufwand den eigenen Namen sichern konnte. Wer will, kann daher noch heute eine Mail an roland@live.com schreiben. Nur wird sie keiner lesen, da auch ich hauptsächlich Gmail nutze.
Download Microsoft Outlook - Client für Android
Siehe auch:
Start ohne Microsoft, aber einer der besten Zukäufe
Auch viele Jahre nach der frühen Übernahme durch Microsoft gibt es noch immer einige Nutzer mit Hotmail-Adressen. Die Redmonder kauften Hotmail, dessen Namen damals noch "HoTMaiL" geschrieben wurde, weil man darauf aufmerksam machen wollte, dass hier HTML-formatierte E-Mails unterstützt wurden, bereits gut ein Jahr nach dem Marktstart.
Das Original-Logo von HoTMaiL von 1996
Hotmail wollte vor allem eines: Freiheit für die Nutzer bieten. Wer Mitte der 1990er-Jahre eine E-Mail-Adresse hatte, nutzte in den meisten Fällen entweder einen von seinem Provider bereitgestellten Account oder aber ein von seinem Arbeitgeber bereitgestelltes Konto. Ein unabhängiger Mail-Anbieter, der obendrein für den Nutzer auch noch kostenlos war - ein absolutes Novum.
Entsprechend groß war der Erfolg von Hotmail dann auch. Die beiden Gründer Jack Smith und Sabeer Bhatia hatten Hotmail innerhalb kürzester Zeit zur Marktreife getrieben, nachdem sie mit nur rund 4000 Dollar Startkapital zunächst eine Art Prototyp entwickelt hatten. Dank dieser bereits 1995 entstandenen Vorabversion konnten sie den Investor Draper Fisher für ihr Produkt begeistern, der ganze 300.000 Dollar für die weitere Entwicklung bereitstellte.
Startseite von HoTMaiL kurz nach dem Start im Jahr 1996
Hotmail startete mit dem Versprechen, die Nutzer von der Bindung an einen Anbieter zu befreien und gleichzeitig den Versand beliebiger Nachrichten kostenlos zu ermöglichen, denn oft griffen damals noch Firmen-Firewalls in den E-Mail-Versand ein. Dass man am 4. Juli, dem amerikanischen "Independence Day" an den Start ging, war kein Zufall, sollte dies doch die neu gewonnene Freiheit zelebrieren.
Der Erfolg von Hotmail war für damalige Verhältnisse enorm. Innerhalb von 30 Tagen erreichte man 100.000 Nutzer und nach weniger als einem halben Jahr waren es bereits mehr als eine Million. Dabei ist zu bedenken, dass das Internet zu dieser Zeit noch weit weniger leicht zugänglich war und durchaus einige Kosten entstanden, wenn man sich einwählen wollte.
Die Hotmail-Inbox im Jahr 1997
Zwei Megabyte Speicherplatz und alle Nutzer happy
Bemerkenswert ist auch, dass den einzelnen Nutzern damals nur ganze zwei Megabyte Speicher kostenlos zur Verfügung standen. Natürlich wirkt diese Kapazität aus heutiger Sicht lächerlich, doch damals war selbst dies schon beachtlich, schließlich war Hotmail für die Nutzer selbst kostenlos. Bis 1997 brachte es Hotmail laut damaligen Berichten dann auf rund 10 Millionen Nutzer.Im Vergleich: selbst der weltweit größte E-Mail-Provider AOL hatte damals nur 12 Millionen Nutzer. 1997 war es auch, als Microsoft gegen Ende des Jahres begann, Gespräche zu einer möglichen Übernahme zu führen. Bhatia und Smith wurden wenig später dann zu einigen der ersten "Internet-Millionäre", als Microsoft sich entschied, Hotmail in einem Aktientauschgeschäft im Wert von bis zu 400 Millionen US-Dollar zu übernehmen.
Microsoft führte Hotmails Siegeszug nach dem Kauf fort
Hotmail wurde dann umgehend zu einem Teil der unter der Marke MSN zusammengefassten frühen Online-Dienste von Microsoft, bekam ein neues Design und wurde in diversen Ländern weltweit in lokalisierter Form ausgerollt. Die Nutzerzahlen schossen dementsprechend in die Höhe, sodass man zeitweise täglich 150.000 neue Nutzer dazugewann und bis Anfang 1999 auf ganze 30 Millionen kam.
Die Hotmail-Startseite der Jahre 1997-1998
Microsofts Schlüssel zum Erfolg war natürlich, dass man Hotmail weiterhin kostenlos und relativ zuverlässig, sowie, und das war wohl das wichtigste, von jedem beliebigen Computer der Welt zugänglich, anbot. Wettbewerber gab es damals kaum, jedenfalls war das Angebot oft nicht besser. Der Niedergang von Hotmail begann aber auch schon 1999, denn es kamen beinahe unglaubliche Sicherheitsprobleme auf.
Passwort "eh": Sicherheitsprobleme & Spam ohne Ende
Hacker fanden heraus, dass sich jedermann aufgrund einer schwerwiegenden Sicherheitslücke bei Hotmail in beliebige Konten einloggen konnte, wenn man das Passwort "eh" in Verbindung mit einem simplen Script verwendete, hieß es bei Wired. Microsoft hat bis heute nie erklärt, wie es zu diesem Fehler kommen konnte und sprach auch stets nur von einem "Unbekannten Sicherheitsproblem". 2001 gab es weitere Probleme, als man in der Lage war, beliebige E-Mails anderer Nutzer zu lesen, wenn man deren E-Mail-Adresse kannte und eine gültige Nachrichtennummer an eine bestimmte URL anfügte.Das wohl größte Problem für Hotmail entstand aber, als Google mit Gmail an den Start ging. Der Internetkonzern bot von Anfang an direkt ein ganzes Gigabyte Speicher, als man 2004 mit Gmail loslegte. Angesichts des bei Hotmail weiterhin für Gratis-Nutzer gültigen Limits von nur zwei Megabyte schien der Speicher bei Google praktisch unbegrenzt.
Microsoft & Co konnten Gmail nicht bremsen
Microsoft und andere Konkurrenten wie etwa Yahoo mussten umgehend reagieren und erhöhten das Gratis-Kontingent für ihre User schrittweise. Bei Hotmail waren es nach wenigen Monaten 250 Megabyte und man ließ immerhin Anhänge mit einer Dateigröße von 10 Megabyte zu. Hotmail konnte sich von seinem schlechten Ruf allerdings nie wirklich erholen, während Googles Gmail immer populärer wurde.2007 begann dann der Abschied von Hotmail, denn Windows Live Mail ging als Nachfolger, zumindest in Beta-Form, ab Mitte des Jahres an den Start. Bis 2010 lieferte man dann allerhand neue Features nach, darunter auch Support für andere Browser wie Firefox und Chrome, SSL-Verschlüsselung als Standard und immer wieder überarbeitete Designs. All dies half jedoch nicht, den Siegeszug von Gmail zu verhindern.
Windows Live Mail im Jahr 2010
Spam einer der Gründe für den Abschied
Hotmail hatte lange Zeit auch ein gigantisches Spam-Problem, sodass manche andere Webdienste den Webmailer von Microsoft sogar einfach pauschal sperrten. Langfristig wurde Hotmail damit leider gänzlich unattraktiv, weshalb Microsoft seine Anstrengungen intensivierte, mit Outlook.com eine modernere, nicht auf gleiche Weise massiv belastete Alternative zu schaffen.2012 war es dann so weit: Microsoft führte nach dem Zwischenschritt in Form von Windows Live ab Mitte des Jahres das neue Outlook.com zumindest als Betaversion ein und konnte damit erneut einen schnellen Hit landen. Wer wollte, konnte seine Hotmail-Adresse behalten oder sie in eine Outlook-Adresse umwandeln lassen. Innerhalb von nur zwei Wochen kam Outlook.com so schon auf ganze 10 Millionen User.
Als die Betaphase von Outlook.com Anfang 2013 endete, dauerte es nur noch wenige Monate, bis Microsoft die Umstellung von Hotmail auf Outlook.com gänzlich abgeschlossen hatte. Damals hieß es von den Redmondern, dass man rund 400 Millionen aktiv genutzte Konten bei Outlook.com verzeichnet
Hotmail hatte selbst zu seinen besten Zeiten nur "über 300 Millionen" User erreicht, durch den Lauch von Outlook.com, dessen Namen viele Anwender bereits von der E-Mail-Software Outlook kannten, konnte man also die User-Zahl noch einmal steigern - und Hotmail war somit im Grunde Geschichte. Dies gilt allerdings nicht für die E-Mail-Adressen mit der Endung Hotmail.com. Wer ein neues E-Mail-Konto bei der heute als Teil von Microsoft 365 vermarkteten aktuellen Version des Webmailers anlegt, kann immer noch festlegen, dass seine Adresse auf @hotmail.com enden soll.
Erinnert sich noch jemand persönlich an den Launch von Hotmail? Oder HoTMaiL, wie es damals noch hieß? Für mich wäre es eher der Start von Windows Live Mail, bei dem man sich mit einigem Aufwand den eigenen Namen sichern konnte. Wer will, kann daher noch heute eine Mail an roland@live.com schreiben. Nur wird sie keiner lesen, da auch ich hauptsächlich Gmail nutze.
Download Microsoft Outlook - Client für Android
Zusammenfassung
- Hotmail startete am 4. Juli 1996 als kostenloser Webmailer
- Ein Jahr nach Launch übernahm Microsoft das Unternehmen
- Hotmail bot Nutzern Unabhängigkeit von ISPs und Arbeitgebern
- Gründer entwickelten ersten Prototypen mit nur 4000 Dollar
- Startkapital von 300.000 Dollar ermöglichte Markteinführung
- Hotmail erreichte schnell 100.000 Nutzer und später Millionen
- Schwere Sicherheitslücken plagten den Dienst ab 1999
- Googles Gmail setzte 2004 neue Maßstäbe im Speicherangebot
- Microsoft startete 2012 Outlook.com als modernere Alternative
Siehe auch:
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