Preis-Chaos an Strombörse:
Spitzen bis 2 Euro pro kWh für Deutschland

Wer den Strommarkt aufmerksam beobachtet, dem bietet sich seit längerer Zeit ein Bild niedriger Preise. Das änderte sich allerdings gestern, als die Day-Ahead-Kurse plötzlich in enorme Höhen schossen und kurzzeitig eine Marke von 2000 Euro pro Megawattstunde erreichten.
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Börse meldet Fehler

Im Durchschnitt über den Tag lagen die Preise bei rund 450 Euro pro Megawattstunde, wie aus einem Bericht des Handelsblatts hervorgeht. Selbst das ist im Vergleich enorm teuer. Normalerweise kann man im Day-Ahead-Handel aktuell mit Spitzenwerten von 100 bis 200 Euro pro Megawattstunde rechnen, der Durchschnitt über die letzten sechs Monate hinweg liegt sogar deutlich unter der 100-Euro-Marke.

Die gestrigen Peak-Preise resultierten dabei allerdings nicht aus einer falschen Energiepolitik, sondern beruhten schlicht auf einem technischen Fehler. Eine Sprecherin der Epex Spot Börse, an der der Stromhandel organisiert wird, erklärte, dass es zu einer Entkoppelung der europäischen Länder kam.


Entkoppeltes Europa

Das bedeutet, dass gestern an der Strombörse eine Situation herrschte, als wenn es kein europäisches Verbundnetz gäbe und jedes Land komplett autark seine Stromversorgung absichern müsste. Dadurch kollidierten die virtuellen Annahmen über die Stromverfügbarkeit mit den realen Zuständen.

Konkret bedeutete dies für den gestrigen Tag Folgendes: Die Wetterprognosen für Deutschland ließen absehen, dass es eine enorm starke Solarstrom-Produktion geben wird. In einer solchen Situation verzichten die großen Energiekonzerne darauf, die teuren fossilen Großkraftwerke hochzufahren. Wenn morgens der Verbrauch nach oben geht, bevor die Photovoltaikanlagen von der Sonne erreicht werden, ist es schlicht billiger, die Stromdifferenz über den Import auszugleichen.

Extreme Schwankung nach Sonnenstand

Der Strommarkt-Experte Tobias Federico vom Analysehaus Energy Brainpool erläuterte, dass dieser real stattfindende Ausgleichs-Import aufgrund des technischen Fehlers an der Börse aber eben nicht abgebildet wurde. Scheinbar lief Deutschland also am frühen Morgen in eine extreme Mangellage hinein, die den Preis zwischen 6 und 7 Uhr kräftig in die Höhe schießen ließ. Als dann aber die Solaranlagen zu liefern begannen, brach der Preis auch entsprechend schnell wieder ein - und rutschte aufgrund von Überschüssen mittags sogar leicht in den negativen Bereich - immerhin minus fünf Euro pro Megawattstunde wurden es hier.

Für die Verbraucher spielt solch ein kurzzeitiges Börsenchaos in der Regel keine Rolle, da die Stromversorger oft weit im Voraus einkaufen und ihren Kunden so längerfristig stabile Preise anbieten. Schwierig wird es aber für Nutzer, die flexible Tarife verwenden, die sich an den Day-Ahead-Preisen orientieren. Diese haben aufgrund der gestrigen Vorfälle am heutigen Morgen wahrscheinlich einen ziemlich teuren Kaffee getrunken.

Zusammenfassung
  • Gestern schossen die Day-Ahead-Strompreise kurzfristig auf 2000 Euro pro MWh
  • Durchschnittlich lagen die Preise über den Tag bei rund 450 Euro pro MWh
  • Normalerweise liegen Day-Ahead-Preise zwischen 100 und 200 Euro pro MWh
  • Die Preisspitze resultierte aus einem technischen Fehler bei der Epex Spot Börse
  • Es kam zu einer Entkoppelung der europäischen Länder an der Strombörse
  • Morgens stieg der Preis stark, bevor die Solarstrom-Produktion einsetzte
  • Flexible Tarifnutzer zahlten aufgrund der Preisspitze wahrscheinlich mehr

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