Zu viel BitTorrent-Traffic:
Provider infiziert Kundenrechner mit Malware

Es dürfte wohl ein bisher einmaliger Vorgang sein: Ein Netz­be­trei­ber hat auf den Rechnern seiner Kunden aktiv eine Mal­ware instal­liert, um deren BitTorrent-Datenverkehr zu stören und so das eigene Netz zu entlasten.
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600.000 Opfer

Insbesondere zu den Hochzeiten des Filesharings über BitTorrent-Netzwerke versuchten verschiedene Provider bereits, den dabei entstehenden Datenverkehr in den Griff zu bekommen. Dafür wurde unter anderem der Traffic gezielt gedrosselt. Dies ist aber harmlos gegenüber der Taktik, die nun dem südkoreanischen Netzbetreiber Korea Telecom (KT) vorgeworfen wird.

Dem Unternehmen wird im Ergebnis einer polizeilichen Ermittlung vorgeworfen, aktiv eine Malware auf die Rechner seiner Kunden gebracht zu haben, um deren BitTorrent-Datenverkehr zu stören. Rund 600.000 Nutzer in Südkorea sollen davon betroffen gewesen sein. Hinweise auf den Vorgang sollen sich bei einer Razzia in Niederlassungen des Unternehmens erhärtet haben.


Eigene Malware-Abteilung

Die Polizei von Gyeonggi-do, die die Razzia und die Ermittlungen durchgeführt hat, geht davon aus, dass es sich um einen organisierten Hackerangriff handelt. Ein spezielles KT-Team soll Malware eingeschleust haben, um die Abonnenten auszuspionieren und ihre privaten Datenübertragungen zu stören.

"Das Team bestand aus einer Abteilung für die Entwicklung von Malware, einer Abteilung für die Verteilung und den Betrieb und einer Abteilung für das Abhören, die sich mit den von KT-Nutzern gesendeten und empfangenen Daten in Echtzeit befasste", heißt es in einem Bericht des südkoreanischen Senders JBTC (via TorrentFreak).

Cloud-Speicher auf Torrent-Basis

Die Ermittlungen reichen dabei vier Jahre zurück. Damals spielte BitTorrent für das klassische Filesharing bereits keine entscheidende Rolle mehr. Vor allem in Südkorea sind aber sogenannte "Webhard"-Dienste verbreitet, die auf dem Protokoll beruhen. Webhard steht für Web Hard Drive, es handelt sich hier also um eine spezielle Art von Online-Speicher.

Dateien werden hier quasi in einem auf BitTorrent beruhenden Netzwerk aus zahlreichen privaten Rechnern statt in einem klassischen Cloud-Datenzentrum online gespeichert. Das ist bequem und kostengünstig, sorgt aber für den Netzbetreiber für einen deutlich höheren Traffic. Und da nicht immer günstige Peering-Vereinbarungen für den Datenaustausch greifen, können die beständigen BitTorrent-Datenströme für den Provider teuer werden. Das erklärt das Interesse, dass KT daran hatte, dem Traffic Grenzen zu setzen - der Einsatz einer Malware, die in die Systeme der Nutzer eingreift, ist hier aber schlicht illegal.

Zusammenfassung
  • Netzbetreiber KT installierte Malware auf Kundenrechnern zur Störung von BitTorrent
  • Rund 600.000 Nutzer in Südkorea betroffen, laut polizeilichen Ermittlungen
  • Razzia in KT-Niederlassungen bestätigte Hinweise auf den Malware-Einsatz
  • Polizei von Gyeonggi-do vermutet organisierten Hackerangriff durch KT-Team
  • KT-Team bestand aus Abteilungen für Malware-Entwicklung, Verteilung und Abhören
  • Ermittlungen gehen vier Jahre zurück, trotz abnehmender Filesharing-Relevanz
  • "Webhard"-Dienste in Südkorea nutzen BitTorrent, verursachen hohen Traffic für KT

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