Killerspiel-Debatte neu entfacht:
Activision wegen Call of Duty verklagt

Hinterbliebene des Uvalde-Amoklaufs in den USA machen das Videospiel Call of Duty mitverantwortlich für die entsetzlichen Taten des Schützen und haben Anklage gegen Publisher Activision erhoben. Das Spiel führe zu einer "tiefgreifenden Zersetzung" der Jugend.
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Activision

Videospiele als Trainingslager für Amokläufer

Gerade wird Videospiel-Publisher Activision durch die Hinterbliebenen der Opfer des Uvalde-Amoklaufs verklagt, der sich 2022 in den USA ereignete. Der Anklageschrift zufolge würde der Publisher mit seinem Spiel Call of Duty den Gebrauch von Schusswaffen bei Minderjährigen regelrecht bewerben. Das Spiel hätte "den Schützen wissentlich der Waffe ausgesetzt, ihn darauf konditioniert, in ihr die Lösung seiner Probleme zu sehen, und ihn darin ausgebildet, sie zu benutzen".

Der Attentäter von Uvalde, der bei seiner entsetzlichen Tat 19 Schulkinder und zwei Lehrerinnen erschossen hatte, habe laut der Anklage Call of Duty "obsessiv [gespielt], entwickelte seine Fähigkeiten als Scharfschütze und erhielt Belohnungen, die nur nach einer beträchtlichen Zeitinvestition verfügbar sind". Zudem wäre auch das beim Amoklauf verwendete AR-15-Sturmgewehr im Spiel enthalten.


Auf diese Weise würde Gewalt bei Jugendlichen gefördert, was zu einer "tiefgreifenden Zersetzung unserer Kinder" führe, so die Kläger. Durch Spiele wie Call of Duty würde "eine Generation junger Männer herangezogen, die sozial verletzlich sind, sich ihrer Männlichkeit nicht sicher sind und darauf aus sind, Stärke und Dominanz zu zeigen".

Activision äußerte sich auf Nachfrage von The Verge schriftlich und teilte mit: "Millionen von Menschen auf der ganzen Welt haben Spaß an Videospielen, ohne dass sie sich zu grausamen Handlungen hinreißen lassen."

Weitere Unternehmen angeklagt

Neben Activision werden auch Instagram und der Hersteller des AR-15-Gewehrs Daniel Defense verklagt. Diesen Unternehmen wirft man ebenfalls eine Glorifizierung von Gewalthandlungen und die gezielte Ansprache von Minderjährigen vor. Zwar sind Klagen gegen Videospielhersteller in der Vergangenheit regelmäßig gescheitert, aber der Anwalt der Opfer Josh Koskoff hatte bereits in der Vergangenheit den Hinterbliebenen des Sandy-Hook-Amoklaufs von 2012 über 73 Millionen US-Dollar in einem Vergleich mit dem Waffenhersteller Remington gesichert.

"Killerspiele" auch in Deutschland heiß diskutiert

In der Zeit nach der Jahrtausendwende waren Computerspiele auch in Deutschland ein beliebtes Thema in der Politik. Sobald darin Waffen oder Gewaltdarstellungen vorkamen, wurden entsprechende Titel schnell für eine Verrohung und erhöhte Aggressivität bei Jugendlichen verantwortlich gemacht. Nach einem tragischen Amoklauf an einer Schule in Erfurt im Jahr 2002 war das Wort "Killerspiel" in Deutschland in aller Munde. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung von 2005 wurde sogar die Forderung nach einem Verbot von Killerspielen eingebracht.

Mittlerweile hat sich die Lage hierzulande wieder beruhigt, denn Computerspiele sind in der breiten Gesellschaft angekommen. Die Auswirkungen auf ihre Spieler in Bezug auf Gewaltbereitschaft werden jetzt differenzierter betrachtet. Wie der Fall in den USA zeigt, werden Spiele wie Call of Duty von Publisher Activision aber immer noch mitverantwortlich für entsetzliche Taten einzelner gemacht.

Zusammenfassung
  • Activision wird von Hinterbliebenen des Uvalde-Amoklaufs verklagt
  • Call of Duty soll Gebrauch von Schusswaffen bei Minderjährigen bewerben
  • Der Attentäter von Uvalde habe CoD obsessiv gespielt
  • Gewalt bei Jugendlichen würde durch solche Spiele gefördert, so die Kläger
  • Activision betont, dass Millionen Videospiele ohne grausame Handlungen spielen
  • Neben Activision werden auch Instagram und Daniel Defense verklagt
  • Auch in Deutschland wurden "Killerspiele" schon heiß diskutiert

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