Spionagesatelliten: Alte Fotos enthüllen ein neues Bild der Römer

Bahnbrechende Erkenntnisse können Archäologen und Historiker nicht nur erlangen, wenn sie sich durch Erde und Staub wühlen. Aktuell zeichnen Aufnahmen von Spionagesatelliten, die nach Jahrzehnten aus der Geheimhaltung fielen, ein völlig neues Bild des Römischen Reiches.
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Hunderte Neuentdeckungen

Die Wissenschaftler bekamen die Gelegenheit, zahlreiche Satellitenbilder in die Hand zu bekommen, die in den 1960er- und 1970er-Jahren - also während des Kalten Krieges - aufgenommen wurden. Anhand der Geländestrukturen konnten 396 bisher unbekannte römische Kastelle in Syrien und im Irak identifiziert werden.

Das Verfahren schließt dabei an die Arbeit des französischen Jesuitenforschers Antoine Poidebard an. Dieser untersuchte im Jahr 1934 erstmals Luftbilder der Region und konnte 116 Kastelle ausfindig machen. Mit seinem Doppeldecker begründete er damals quasi den Bereich der Luftarchäologie.
Entdeckung hunderter Römischer KastelleUralte Strukturen ... Entdeckung hunderter Römischer Kastelle... enthüllt von Spionagesatelliten
Die Bilder der Spionagesatelliten sind allerdings noch besser geeignet, da von den Militärs regelmäßig die gesamte Fläche abgelichtet wurde. So bekommt man Aufnahmen aus verschiedenen Vegetationsperioden und Lichteinfallswinkeln, was insbesondere bei einer Überlagerung von Bildern auch unscheinbare Strukturen sichtbar macht. Entdeckung hunderter Römischer KastellePoidebards Funde und die neu entdeckten Kastelle Bislang gingen Historiker davon aus, dass diese Festungen Teil einer Grenz-Verteidigungslinie waren, die zum Schutz der östlichen Provinz des Reiches vor arabischen und persischen Überfällen und vor nomadischen Plündererstämmen errichtet wurde, die Gefangene und Sklaven machen wollten.

Fließende Grenze

Doch aufgrund der neuen Analyse muss dieses Bild wohl abgeändert werden. Sie deutet eher darauf hin, dass die Grenze fließend war - und ein lebendiger Ort des grenzüberschreitenden Handels und nicht des ständigen gewaltsamen Konflikts, so die Forscher in ihrem Paper, das im Fachjournal Antiquity veröffentlicht wurde. Die Positionierung und Verteilung der Anlagen deutet darauf hin, dass die Festungen ein System des karawanenbasierten interregionalen Handels waren, die Kommunikation und militärische Transporte unterstützten.

Dies ist ein wichtiges Indiz dafür, dass die Grenzen der römischen Welt weniger starr und ausgrenzend waren als bisher angenommen, so die Autoren. Statt einer klaren Linie um den Einflussbereich herum, wie man es von heutigen Staaten kennt, gab es fließende Übergänge - und in diesen Grenzregionen wurden die befestigten Anlagen eher als regelmäßige Schutzpunkte für den Handel unterhalten.

Zusammenfassung
  • Alte Satellitenbilder enthüllen neue Erkenntnisse zum Römischen Reich.
  • 396 bisher unbekannte Kastelle in Syrien und Irak identifiziert.
  • Satellitenbilder erlauben detaillierte Analyse.
  • Historische Annahme, Kastelle dienten zur Verteidigung, infrage gestellt.
  • Neue Analyse deutet auf fließende Grenzen und regen Handel hin.
  • Kastelle unterstützten eher ein System des interregionalen Handels.
  • Römische Grenzen waren weniger starr und ausgrenzend als angenommen.

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