"Frei von der Leber":
Oettinger entschuldigt sich für 'Schlitzaugen'-Sager

Günther Oettinger, Deutschlands Vertreter in der EU-Kommission, hat vergangene Woche mit zahlreichen saloppen bis beleidigenden Aussagen für Entrüstung gesorgt. Der Digitalkommissar hat Chinesen als "Schlitzohren und Schlitzaugen" bezeichnet, abfällig über Frauen gesprochen und sich homophob geäußert. Nach Protesten folgte nun die Entschuldigung.
Eu, Günther Oettinger, Eu-kommissar
Jacques Grießmayer - Wikipedia
Oettinger, der für seine Aussagen auf einer Veranstaltung des Hamburger Unternehmerverbandes AGA scharf kritisiert worden ist, hat nach mehreren Ausflüchten der Art "Ist doch gar nicht so schlimm" nun eine formelle Entschuldigung veröffentlicht: Per Pressemitteilung auf der Seite der Europäischen Kommission sagte der für das Ressort Digitale Wirtschaft und Gesellschaft zuständige EU-Politiker, dass er nun Zeit gehabt hätte, seine Rede zu reflektieren und er nun sehen könne, dass seine Worte verletzend gewesen seien.

Das sei nicht seine Absicht gewesen: "Ich möchte mich für jede Bemerkung entschuldigen, die nicht den nötigen Respekt an den Tag gelegt hat", so der EU-Kommissar. Doch Oettinger wäre nicht Oettinger, wenn er nicht auch in dieser Entschuldigung einen Fettnapf gefunden hätte.



"Frei von der Leber"

Denn bereits im zweiten Absatz stellt er fest, dass er lediglich "frei und offen" gesprochen und seinen Text nicht abgelesen habe. Dieser war "'frei von der Leber', wie wir Deutschen sagen", so Oettinger. Seine Rede sollte ein Weckruf für die Deutschen sein, da diese ihre politische Arbeit nur auf Themen wie Rentenalter und -höhe reduzierten. "Niemand sollte überrascht sein, wenn wir die globale Schlacht um Wettbewerbsfähigkeit verlieren."

Vor allem seine rassistische Wortwahl "Schlitzaugen" hat massive Proteste, auch aus China, ausgelöst. Hierzu meinte Oettinger, dass er "großen Respekt" für die Dynamiken der chinesischen Wirtschaft habe, das Land sei "ein Partner und zäher Mitbewerber".

Kritiker sehen aber auch die Wortwahl der Entschuldigung als ziemlich missglückt: Vor allem die Begründung, die Aussagen seien "frei von der Leber" getätigt worden, irritierten so einige. Das mache die Sache nicht besser, so der Grundtenor, und zeige, wie Oettinger tief drin tickt. In sozialen Medien gab es entsprechend viel Spott für den EU-Kommissar. Wie so oft fasste die Satire-Seite Der Postillon es am besten zusammen und veröffentlichte ein erfundenes Interview mit Oettinger. Dessen Titel: "Oettinger: 'Ich habe nichts gegen Schlitzaugen. Einige meiner besten Freunde sind Reisfresser'."

Siehe auch: Senf dazu: Günther Oettinger macht sich zum Horst - Oexit, jetzt!
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