Vista: OEM-Kunden dürfen Mainboard nicht tauschen
Im Zusammenhang mit der Aktivierung von Windows Vista sorgen unterschiedliche Berichte im Internet derzeit massiv für Verwirrung. Viele Anwender sind ob der Meldungen verunsichert, weil es heißt, dass nach einem Tausch bestimmter Hardware-Komponenten eines Computers eine neue Lizenz erworben werden muss.
Zwar gelten die in der Lizenzvereinbarung von Windows Vista festgelegten Vorgaben nur in Deutschland nur in beschränktem Umfang, doch viele Nutzer verunsichert Microsofts wenig eindeutige Formulierung. Nun hat ein norwegischer Mitarbeiter des Unternehmens für Klarheit gesorgt und die Umstände näher ausgeführt, unter denen zumindest laut Microsofts Nutzungsbedingungen eine neue Lizenz für das Betriebssystem erworben werden muss.
Rune Zakariassen erklärt in seinem Weblog, dass die Hardware-Komponenten eines Rechners, auf dem eine Retail-Version von Windows Vista eingesetzt wird, beliebig oft getauscht werden können, ohne dass eine Neukauf der Lizenz notwendig wird. Zwar muss man nach einer bestimmten Anzahl von Aktivierungen über Microsofts Unterstützungs-Hotline eine erneute Freigabe erwirkt werden, generell gibt es jedoch keine Beschränkungen, was den Tausch von Hardware-Komponenten angeht.
Wann eine erneute Aktivierung nur noch per Telefon möglich ist, hängt von der Art und Häufigkeit des Hardware-Wechsels an. Hierbei kommt eine Art Punktesystem zum Einsatz, bei dem für jede Komponente eine bestimmte Punktzahl vergeben wird. Das Aktivierungssystem merkt sich, welche Komponenten gewechselt wurden und rechnet deren Punktzahlen zusammen.
Ergibt die Summe eine Zahl über 25, muss neu aktiviert werden. Dies gilt sowohl für die Retail-Version, als auch die äußerst beliebten System Builder Varianten, die eigentlich nur für PC-Hersteller gedacht sind. Allerdings gibt es bei den OEM-Lizenzen einen Unterschied, der den Austasch von Teilen der Hardware angeht.
Laut Zakariassen ist es bei OEM-Lizenzen nicht gestattet, das Mainboard auszutauschen. Alle anderen Komponenten können beliebig oft problemlos getauscht werden, wobei natürlich das Punktesystem gilt. Wer das Mainboard eines Computers tauscht, auf dem eine OEM-Ausgabe von Windows Vista installiert ist, muss eine neue Lizenz für das Betriebssystem erwerben, so zumindest die Theorie.
In der Praxis bleibt dennoch alles beim alten, wie das Punktesystem, das es bereits bei Windows XP in fast unveränderter Form gab. Da Microsoft bei einem Support-Anruf keine Möglichkeit hat, festzustellen, ob der Kunde eine OEM-Version von Vista installiert hat, wird auch bei einem Tausch des Mainboards eine weitere Aktivierung gestattet.
Nach Angaben von Zakariassen wurde das Punktesystem bei Windows Vista gegenüber dem Vorgänger XP sogar gelockert. Ihm zufolge lässt es nun mehr Änderungen zu, ohne gleich eine erneute Aktivierung des Systems zu verlangen. Wer nicht gegen die Lizenzbedingungen verstoßen will, muss allerdings vor dem Kauf darauf überlegen, ob eine Retail- oder OEM-Version gekauft werden soll.
Tauscht man das Mainboard übrigens gegen ein gleiches Modell, wird auch unter Einhaltung der Lizenzregelungen keine neue Lizenz nötig. Weitere Informationen zu den Punktzahlen, die Vista für die einzelnen Hardware-Komponenten vergibt, lassen sich in unserer Nachricht mit dem Titel Toleranz der Aktivierung bei Hardware-Tausch einsehen.
Abschließend lässt sich feststellen, dass Microsofts Vorgaben aus den Nutzungsbedingungen von Windows Vista in der Realität kaum durchzusetzen sind, wie sich anhand des Hardware-Tauschs bei OEM-Lizenzen (auch System Builder genannt) zeigt. In anderen Ländern kann Microsoft bei Verstößen Rechtsmittel einlegen, hierzulande dürfte man damit jedoch scheitern. Es gilt die etwas unsinnige Regel: man "darf" nicht tauschen, "kann" aber.
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