Brexit: IT-Händler stoppen Geschäfte - Berlin kann Startups abwerben

Bis gestern glaubte offenbar kaum jemand, dass tatsächlich die Mehrheit der Briten für einen Ausstieg aus der EU stimmen würden. Nachdem das Ergebnis bekannt wurde und erste Folgen nach sich zog, stoppten verschiedene wichtige IT-Distributoren erst einmal ihre Arbeit.
ägypten, Algerien, Tunesien, Arabien, Mittelmehr, Südeuropa
Eric Fischer (CC BY 2.0)

Pfund reagiert auf BrexitDer Pfund-Kurs von heute
Laut einem Bericht des britischen Magazins The Register würden die aktuellen Reaktionen der Märkte schlicht zu turbulent ausfallen. Die Händler können ihre Aktivitäten daher beispielsweise aktuell schlicht nicht auf halbwegs verlässliche Wechselkurse zwischen den Währungen aufbauen. Der Kurs des britischen Pfund war kurz nach dem Bekanntwerden der Abstimmungsergebnisse ins Bodenlose gefallen und erreichte Werte, wie man sie seit über 30 Jahren nicht mehr kannte.

"Für uns ist das nichts anderes als eine Katastrophe", erklärte Frank Salmon, Chef von CMS Distribution, gegenüber dem Magazin. Das Unternehmen ist das größte Systemhaus in Großbritannien und stattet zahlreiche Unternehmen mit IT-Lösungen aus. Aktuell müsse man erst einmal abwarten, wie sich die Kurse entwickeln. Es sei aufgrund der zu erwartenden starken Schwankungen aber auf keinen Fall möglich, Aufträge entgegenzunehmen.

Unabhängig von den derzeitigen Turbulenzen befürchten britische IT-Unternehmen auch längerfristig Folgen für ihr Geschäft. Im schlimmsten Falle würde ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU dazu führen, dass bei Geschäften mit verschiedenen europäischen Staaten wieder Zölle fällig werden. Damit würde den britischen Firmen ein signifikanter Nachteil entstehen.

Des einen Leid, des andern Freud

Befürchtet wird außerdem, dass die britische IT-Industrie spürbar an Innovationskraft verlieren könnte. London ist zwar immer noch das Mekka der europäischen Startup-Szene, doch insbesondere Berlin hat hier in den letzten Jahren spürbar Boden gutgemacht. Wenn zukünftig aber davon auszugehen ist, dass aus der britischen Hauptstadt heraus kein einfacher Zugang mehr zum europäischen Binnenmarkt möglich ist, wird dies die Standort-Wahl junger Unternehmen wesentlich mit beeinflussen.

Hier kommt hinzu, dass sich junge IT-Unternehmen bisher europaweit mit Fachkräften ausstatten konnten. Die Freizügigkeit bei der Wohnort-Wahl für EU-Bürger dürfte durch ein ausgestiegenes Großbritannien aber auch wegfallen, so dass es Fachleute wohl eher in andere Regionen ziehen wird, wo ihrem Umzug keine bürokratischen Hürden im Weg stehen.
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