Claude blockiert Spiele-Nachbauten, doch offenbar auch legitime Arbeit

Anthropic schränkt die Fähigkeiten seiner KI Claude ein, um das Klonen sowie Reverse Engineering von Videospielen zu unterbinden. Laut Nutzerberichten werden zudem auch legitime Entwickler blockiert und alltägliche IT-Aufgaben verweigert.
Anthropic, Claude, Claude AI
  • Anthropic verbietet Claude Opus 5.5 nun das Nachbauen bekannter Videospiele
  • Die neuen Regeln sollen das unbefugte Klonen von Softwareprogrammen stoppen
  • Entwickler berichten von Erpressungen durch KI-Klone vor dem Spielerelease
  • Legitime Aufgaben wie Anti-Cheat-Entwicklung werden nun fälschlich blockiert
  • Mitarbeiter Addy Osmani bestätigte kürzlich eine Anpassung der KI-Prompts
  • Möglicherweise will Anthropic künftige Urheberrechtsklagen damit abwenden

Schutz vor KI-Spieleklonen

Anthropic hat dem Sprachmodell Claude Opus 5.5 und dem Werkzeug Claude Code neue Einschränkungen auferlegt. Die Systeme sollen keine bestehenden Videospiele mehr nachbauen dürfen, Nutzer berichten zudem, dass Claude Reverse-Engineering-Aufgaben verweigert.

Die Ende Oktober eingeführte Regelung hängt damit zusammen, dass in letzter Zeit zahlreiche KI-Portierungen bekannter Titel wie Grand Theft Auto 5 oder Halo: Combat Evolved auftauchten. Auch Produktiv-Software war betroffen, denn es gab auch Nachbauten von Anwendungen wie Microsoft Office 365. Zudem berichten kleine Entwicklerstudios von Erpressungsversuchen, bei denen Täter drohen, frühe Demo-Versionen mithilfe von KI zu vollständigen Spielen zu klonen und vor dem Original zu veröffentlichen. Um derartige Urheberrechtsverletzungen zu stoppen, untersagt ein neuer Textbefehl den Systemen den Nachbau spezifischer Spiele.


Legitime Arbeit wird blockiert

Wie Tom's Hardware berichtet, greifen die neuen Sicherheitsmechanismen laut Nutzerberichten aber oft zu weit. Entwickler melden, dass Claude die Unterstützung bei eigenen Projekten verweigert. So soll das System teilweise die Entwicklung von Anti-Cheat-Maßnahmen und Sicherheitsprüfungen eigener Spiele blockiert haben, mit der Begründung, dass Schutzmechanismen ausgelöst wurden.

Auch abseits der Spieleentwicklung stoßen Nutzer auf plötzliche Barrieren. Laut Nutzerberichten verweigert Claude inzwischen auch alltägliche IT-Aufgaben. Dazu zählen die Analyse einfacher Windows-Absturzberichte oder die Unterstützung beim Entfernen vorinstallierter Software auf Samsung-Fernsehern. Bei Reverse-Engineering-Anfragen bricht Claude die Antwort laut Nutzern teils mitten im Satz ab.

Anthropic bestätigt Anpassung

Anthropic-Mitarbeiter Addy Osmani bestätigte die Änderungen auf X. Das Unternehmen habe den Prompt von Claude Code für Opus 5.5 um zwei Sätze ergänzt, um Verletzungen des geistigen Eigentums zu verhindern. Die Arbeit an Originaltiteln und eigenen Designs soll laut Osmani weiterhin funktionieren. Entwickler, deren legitime Projekte blockiert werden, sollen sich zur Untersuchung direkt an ihn wenden.

Experten vermuten, dass sich Anthropic vorsorglich vor Klagen von Softwarefirmen schützen will. Das Unternehmen schloss im vergangenen Jahr einen Vergleich in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar (etwa 1,34 Milliarden Euro), nachdem insgesamt 500.000 Autoren wegen der Nutzung von urheberrechtlich geschütztem Material für KI-Trainingsdaten geklagt hatten.

Nutzt ihr Claude für Programmieraufgaben und seid von den neuen Sperren betroffen? Oder weicht ihr bereits auf lokale KI-Modelle aus? Teilt eure Erfahrungen in den Kommentaren mit uns!

Siehe auch:
Witold Pryjda

Senior Redakteur

Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.

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