Time4Popcorn: Veralteter Streaming-Client gefährdet Millionen PCs

Technisch veraltet, längst aufgegeben, aber unbemerkt im Hintergrund aktiv: Der Streaming-Client Time4Popcorn sucht über unsichere Verbindungen nach Updates. Forscher legten den Dienst per umstrittenem Eingriff auf Millionen Rechnern weitgehend lahm.
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  • Die veraltete Streaming-App Time4Popcorn gefährdet weltweit Millionen Geräte
  • Eine gravierende Lücke im Updater ermöglichte Angriffe mit Admin-Rechten
  • Millionen PCs und Macs kontaktierten die verwaisten Update-Server weiterhin
  • Forscher von Eye Research schalteten den Dienst über ein Not-Update ab
  • Wegen weiterer Risiken wird die restlose Deinstallation der App empfohlen

Veraltete App auf Millionen Rechnern

Eine veraltete Streamingsoftware gefährdet weltweit Millionen Computer und Smartphones, vor allem in Europa. Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens Eye Research entdeckten eine Sicherheitslücke im Update-Verfahren. Die Anwendung sucht bei jedem Systemstart über unverschlüsselte Verbindungen nach Aktualisierungen.

Da die Entwickler das Projekt vor Jahren aufgaben, waren die Update-Server verwaist. Angreifer hätten darüber beliebigen Code mit höchsten Systemrechten einschleusen können. Die Schwachstelle mit der Bezeichnung CVE-2026-30612 betrifft Time4Popcorn, eine Abspaltung des früheren BitTorrent-Streamingdienstes Popcorn Time.


Mit dem Original ließen sich überwiegend illegal kopierte Filme per Peer-to-Peer-Verbindung (P2P) streamen. Nach der Einstellung des ursprünglichen Projekts 2014 blieb der alternative Client auf zahlreichen Geräten installiert. Er basiert auf einer Webbrowser-Engine aus dem Jahr 2014.

Ein seit 2025 angebotener Dienst unter demselben Namen ist nicht betroffen. Wie AppleInsider berichtet, kontaktierten nach Schätzungen der Forscher etwa 2,5 bis 3 Millionen Windows-Rechner und 250.000 bis 350.000 Macs die betroffene Update-Infrastruktur. Die Software fand sich auch auf Android-Smartphones sowie in Regierungs- und Militärnetzwerken. Die Experten registrierten verwaiste Update-Domains und verteilten darüber ein Notfall-Update.

Das Update deaktivierte den gefährlichen Hintergrunddienst. Der Eingriff ohne Nutzerzustimmung ist rechtlich umstritten und löste teilweise Antiviren-Warnungen aus. Die riskanten Serveranfragen gingen dadurch um 98 Prozent zurück. Auf Android-Geräten war ein Eingriff ohne Bestätigung der Nutzer nicht möglich. Nach Abschluss der Aktion übergab Eye Research 15 betroffene Domains an die Shadowserver Foundation.

Schutz durch vollständige Entfernung

Die Experten raten trotz des Fernzugriffs zur vollständigen Entfernung des alten Time4Popcorn-Clients. Das Blockieren des Updaters reicht nicht aus, da die Anwendung weitere Schwachstellen aufweist und Skripte unverschlüsselt aus unsicheren Quellen nachlädt. Frühere Nutzer sollten ihr System prüfen und die Software einschließlich aller zugehörigen Hintergrundprozesse entfernen. Infografik Wirtschaft: Die finanziellen Schäden durch CyberkriminalitätWirtschaft: Die finanziellen Schäden durch Cyberkriminalität Auf Macs lief der betroffene Dienst als Datei PT.updd unabhängig von der Anwendung im Hintergrund. Die Datei lässt sich über den Finder im Verzeichnis Library unter PrivilegedHelperTools finden. Das Löschen der Anwendung aus dem Programme-Ordner beendet den Hintergrundprozess nicht zwingend.

Habt ihr solche alten Programme noch auf euren Rechnern oder mistet ihr das System regelmäßig aus? Teilt eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren mit der Community.

Was müssen Nutzer jetzt tun?
Ihr müsst die alte App Time4Popcorn restlos von allen Geräten deinstallieren. Da das Deaktivieren des Updaters nicht alle Sicherheitslücken schließt, rät das Sicherheitsunternehmen Eye Research zu einer vollständigen Entfernung.

Dazu solltet ihr eure installierten Android-Apps sowie die Programme auf Windows-PCs und Macs genau durchsehen. Achtet darauf, auch zugehörige Hintergrunddienste zu beenden und zu löschen, da diese oft unabhängig von der Hauptanwendung weiterlaufen.
Sind Android-Nutzer auch geschützt?
Nein, auf Android-Smartphones konnte Eye Research den gefährlichen Update-Mechanismus nicht aus der Ferne abschalten.

Der Grund dafür ist, dass das mobile Betriebssystem für solche Eingriffe eine aktive Bestätigung der Nutzer am Bildschirm erfordert. Ein stilles, automatisches Update im Hintergrund war daher nicht möglich, sodass die Schwachstelle auf diesen Handys weiterhin aktiv sein kann.
Wie entferne ich die Mac-Dienste?
Zuerst müsst ihr die eigentliche Anwendung löschen. Das reicht jedoch nicht zwingend aus, da die Hintergrunddienste auf dem Mac (macOS) dadurch nicht unbedingt entfernt werden.

Öffnet den Finder, wählt "Gehe zu" und dann "Gehe zum Ordner". Prüft im Verzeichnis /Library/PrivilegedHelperTools/, ob dort eine Datei namens PT.updd liegt. Kontrolliert anschließend den Pfad /Library/LaunchDaemons/ auf die Datei PT.updd.plist. Den genauen Terminal-Befehl zum Deaktivieren des Dienstes nennt Eye Research in seinem Sicherheitshinweis.
Ist das neue Popcorn Time betroffen?
Nein, der Fehler betrifft ausschließlich den alten Client Time4Popcorn, der nach dem Ende des ursprünglichen Projekts im Jahr 2014 weiterverbreitet wurde.

Ein seit dem Jahr 2025 angebotener, legaler Dienst unter der Webadresse popcorntime.app hat mit der veralteten Software nichts zu tun. Wenn ihr dieses neue Angebot nutzt, seid ihr von der Sicherheitslücke nicht betroffen.
Warum ist die alte App noch gefährlich?
Selbst wenn der fehlerhafte Update-Dienst blockiert ist, weist das eigentliche Programm Time4Popcorn gravierende Mängel auf.

Die Software nutzt eine veraltete Chrome-Version (Browser-Technik) aus dem Jahr 2014. Dabei ist die sogenannte Sandbox - ein Schutzmechanismus, der Programme vom restlichen System isoliert - komplett deaktiviert. Zudem lädt die App weiterhin Programmcode über unverschlüsselte Verbindungen von Servern herunter, die längst aufgegeben wurden.
Siehe auch:
Nadine Dressler

Redakteurin für Windows & Netzwerke

Seit 2001 im Journalismus, klassisch ausgebildet, Autorin eines Windows-Buches. Ihre Themen reichen von Insider-Builds über die FritzBox bis zu DSL und Starlink.

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