Glasfaservollausbau in Mietshäusern:
Kritik an Zugangsregeln wächst
Ein neues Gesetz soll den Glasfaserausbau in Mehrfamilienhäusern beschleunigen. Die Wohnungswirtschaft lehnt das geplante Vollausbaurecht für Netzbetreiber jedoch ab. Eigentümer kritisieren unrealistische Fristen und unklare Finanzierungsmodelle.
Ein zentraler Konfliktpunkt ist das geplante Vollausbaurecht. Demnach sollen Telekommunikationsunternehmen den Ausbau in einem Gebäude einfordern dürfen.
Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen hält den Zeitplan für kaum machbar. Wie Teltarif berichtet, fordert der Verband nun längere Fristen, da die Planungen der Mitglieder oft bereits laufen. Die Erklärungsfrist soll auf sechs Monate, die Bauzeit auf drei Jahre und die Frist für die Hausbegehung auf sechs Monate steigen. Andernfalls drohe ein mehrfacher Glasfaserausbau in denselben Gebäuden.
Die Modernisierungsumlage ist laut Studie und GdW durch Vorhaben wie energetische Sanierungen oder den barrierearmen Umbau bereits nahezu aufgebraucht. Die Jahresmiete darf dadurch ohnehin um höchstens acht Prozent der aufgewendeten Kosten steigen, binnen sechs Jahren aber um maximal drei Euro pro Quadratmeter, bei Mieten unter sieben Euro pro Quadratmeter um maximal zwei Euro. Infografik: Welche Breitband-Provider in Deutschland beliebt sind
Auch das gesetzliche Glasfaserbereitstellungsentgelt bietet kaum eine Lösung. Es ist auf maximal 60 Euro im Jahr und insgesamt 540 Euro je Wohneinheit gedeckelt. In der Praxis kommt es zudem selten zum Einsatz: Laut einer Studie des Ingenieurbüros TKI Chemnitz aus dem vergangenen Jahr wurde das Entgelt bei 1,1 Millionen abgefragten Wohneinheiten nur in 1,3 Prozent der Fälle genutzt.
Aktuell verfügen rund 20 Prozent der Wohnungen des GdW über einen direkten Glasfaseranschluss. In den kommenden zwei Jahren soll der Anteil auf 45 Prozent ansteigen, bis 2036 auf über 90 Prozent. Mittelfristig führt an Glasfaser in den Wohnungen kein Weg vorbei: Laut Studienautor Jens Böcker sind die Koaxialkabelnetze auf Dauer zu teuer, hinzu kommt die noch nicht genau geplante Abschaltung von DSL-Netzen.
Über die Ausgestaltung des Gesetzes wird politisch gerungen. Für den 4. November ist eine Anhörung im Bundestag angesetzt. Sollte der Entwurf den Prozess passieren, könnte das Gesetz zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Wie bewertet ihr die Pläne zum Glasfaserausbau in Mietshäusern? Teilt eure Erfahrungen dazu gerne mit uns in den Kommentaren!
Siehe auch:
Großer Internet-Vergleichs-Rechner
- Ein neues Telekommunikationsgesetz soll den Glasfaserausbau beschleunigen
- Die Wohnungswirtschaft kritisiert unrealistische Fristen und Finanzierung
- Das geplante Vollausbaurecht erlaubt Providern den Ausbau in Gebäuden
- Der Verband GdW fordert deutlich längere Fristen bei Widerspruch und Bau
- Hohe Ausbaukosten lassen sich laut Gutachten kaum über Umlagen decken
- Das Bereitstellungsentgelt deckelt Beträge und wird sehr selten genutzt
- Eine Anhörung im Bundestag ist für den 4. November des Jahres angesetzt
Streit um das geplante Vollausbaurecht
Der Glasfaserausbau in Mehrfamilienhäusern ist eine Hürde, die der Gesetzgeber im neuen Telekommunikationsgesetz (TKG) nehmen will. Die Regelungen stoßen bei der Wohnungswirtschaft aber auf Ablehnung. Die Bremsen für den Ausbau bis in die Wohnung liegen laut Eigentümervertretern woanders: Sie kritisieren unrealistische Fristen und unklare Finanzierungsmodelle.Ein zentraler Konfliktpunkt ist das geplante Vollausbaurecht. Demnach sollen Telekommunikationsunternehmen den Ausbau in einem Gebäude einfordern dürfen.
Strenger Zeitplan
Eigentümer müssten innerhalb von zwei Monaten widersprechen und zusichern, die Verkabelung binnen 24 Monaten in Eigenregie durchzuführen. Gibt es keine solche Erklärung, muss der Eigentümer innerhalb von sechs Wochen eine Gebäudebegehung mit dem Netzbetreiber durchführen.Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen hält den Zeitplan für kaum machbar. Wie Teltarif berichtet, fordert der Verband nun längere Fristen, da die Planungen der Mitglieder oft bereits laufen. Die Erklärungsfrist soll auf sechs Monate, die Bauzeit auf drei Jahre und die Frist für die Hausbegehung auf sechs Monate steigen. Andernfalls drohe ein mehrfacher Glasfaserausbau in denselben Gebäuden.
Ungelöste Fragen bei der Refinanzierung
Auch die Kostenverteilung bereitet Probleme. Ein Gutachten der Beratungsgesellschaft Böcker Ziemen beziffert die tatsächlichen Ausbaukosten auf 3,76 bis 10,54 Euro pro Monat über zehn Jahre, insgesamt also 450 bis 1.265 Euro. Die bestehenden gesetzlichen Instrumente reichen dafür laut der Wohnungswirtschaft nicht aus.Die Modernisierungsumlage ist laut Studie und GdW durch Vorhaben wie energetische Sanierungen oder den barrierearmen Umbau bereits nahezu aufgebraucht. Die Jahresmiete darf dadurch ohnehin um höchstens acht Prozent der aufgewendeten Kosten steigen, binnen sechs Jahren aber um maximal drei Euro pro Quadratmeter, bei Mieten unter sieben Euro pro Quadratmeter um maximal zwei Euro. Infografik: Welche Breitband-Provider in Deutschland beliebt sind
Auch das gesetzliche Glasfaserbereitstellungsentgelt bietet kaum eine Lösung. Es ist auf maximal 60 Euro im Jahr und insgesamt 540 Euro je Wohneinheit gedeckelt. In der Praxis kommt es zudem selten zum Einsatz: Laut einer Studie des Ingenieurbüros TKI Chemnitz aus dem vergangenen Jahr wurde das Entgelt bei 1,1 Millionen abgefragten Wohneinheiten nur in 1,3 Prozent der Fälle genutzt.
Aktuell verfügen rund 20 Prozent der Wohnungen des GdW über einen direkten Glasfaseranschluss. In den kommenden zwei Jahren soll der Anteil auf 45 Prozent ansteigen, bis 2036 auf über 90 Prozent. Mittelfristig führt an Glasfaser in den Wohnungen kein Weg vorbei: Laut Studienautor Jens Böcker sind die Koaxialkabelnetze auf Dauer zu teuer, hinzu kommt die noch nicht genau geplante Abschaltung von DSL-Netzen.
Über die Ausgestaltung des Gesetzes wird politisch gerungen. Für den 4. November ist eine Anhörung im Bundestag angesetzt. Sollte der Entwurf den Prozess passieren, könnte das Gesetz zum 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Wie bewertet ihr die Pläne zum Glasfaserausbau in Mietshäusern? Teilt eure Erfahrungen dazu gerne mit uns in den Kommentaren!
Siehe auch:
- Glasfaser-Ausbau: Bund bringt neuen Schwung in die Angelegenheit
- Langes Warten auf Glasfaser: Neues Urteil schützt Endkunden
- Glasfaser-Investitionen bringen nichts: Haushalte bleiben skeptisch
- DSL oder Glasfaser? Pfennigfuchser haben Angst vor "hohen Kosten"
- Glasfaseranschlüsse bleiben ungenutzt, weil Kunden zu zufrieden sind
Großer Internet-Vergleichs-Rechner
Thema:
Nadine DresslerRedakteurin für Windows & Netzwerke
Seit 2001 im Journalismus, klassisch ausgebildet, Autorin eines Windows-Buches. Ihre Themen reichen von Insider-Builds über die FritzBox bis zu DSL und Starlink.
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