Was kann schiefgehen? - KI-designte Viren werden an Menschen erprobt
Forscher haben erstmals einen Menschen mit Viren behandelt, deren Erbgut durch KI-Modelle konstruiert wurde. Das Erbgut wurde gezielt so verändert, dass ein Virus entsteht, der gegen eine bestimmte Art von Bakterien vorgeht.
Forscher haben erstmals einen Menschen mit Viren behandelt, deren Erbgut durch KI-Modelle konstruiert wurde. Das Erbgut wurde gezielt so verändert, dass ein Virus entsteht, der gegen eine bestimmte Art von Bakterien vorgeht.
Das Startup Radical Numerics ist nun dazu übergegangen, das Erbgut solcher Viren per KI zu designen, berichtet die New York Times. Das Unternehmen teilte mit, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA den Einsatz im Rahmen eines klinischen Versuchs genehmigt habe. Einzelheiten zum Patienten und zu den behandelnden Ärzten veröffentlichte das Unternehmen aus Gründen des Datenschutzes bislang nicht. Auch liegt noch keine wissenschaftlich begutachtete Veröffentlichung der Ergebnisse vor.
Radical Numerics setzt auf ein KI-Modell namens Omnii, das biologische Daten analysiert und daraus neue genetische Sequenzen entwerfen kann. Für die Behandlung sollte die Software Bakteriophagen entwickeln, die gezielt den resistenten E.-coli-Stamm angreifen können. Bakteriophagen sind Viren, die Bakterien infizieren und abtöten, während sie menschliche Zellen normalerweise nicht befallen.
Als Ausgangspunkt diente der Phage T7, der natürlicherweise E. coli infiziert. Die KI erzeugte Varianten mit veränderten Genen, die unter anderem die Form der Fortsätze beeinflussen, mit denen sich das Virus an Bakterien festsetzt. Die Forscher synthetisierten die entsprechenden DNA-Sequenzen und schleusten sie in Bakterien ein. Diese produzierten anschließend neue Phagen, die andere Bakterien infizieren und abtöten konnten.
Die KI könnte zukünftig maßgeschneiderte Phagen innerhalb weniger Tage liefern, hofft Radical-Numerics-Chef Eric Nguyen. Unabhängige Fachleute mahnen jedoch zur Vorsicht. Selbst vielversprechende Laborergebnisse erlauben keine sichere Vorhersage, ob eine Behandlung im menschlichen Körper funktioniert.
Zudem ist die Phagentherapie keineswegs neu: Sie wird seit mehr als 100 Jahren erforscht und erlebt angesichts zunehmender Antibiotikaresistenzen eine Renaissance. Ob KI-gestützte Verfahren die Behandlung tatsächlich beschleunigen und verbessern, müssen nun die klinischen Ergebnisse zeigen. Bis belastbare Erkenntnisse vorliegen, könnten Wochen oder Monate vergehen, da Ärzte auch mögliche Rückfälle beobachten müssen.
Siehe auch:
- Bakteriophagen werden zur Bekämpfung resistenter E.-coli-Keime genutzt
- Das Startup Radical Numerics designt das Erbgut der Phagen per KI-Modell
- Die US-Arzneimittelbehörde FDA genehmigte einen ersten klinischen Test
- Basis für das Design bildete das natürliche Phagen-Virus mit dem Namen T7
- Künstliche Phagen könnten die Suche nach passenden Viren stark abkürzen
- Unabhängige Experten mahnen bei der Wirksamkeit im Menschen zur Vorsicht
- Bakteriophagen werden zur Bekämpfung resistenter E.-coli-Keime genutzt
- Das Startup Radical Numerics designt das Erbgut der Phagen per KI-Modell
- Die US-Arzneimittelbehörde FDA genehmigte einen ersten klinischen Test
- Basis für das Design bildete das natürliche Phagen-Virus mit dem Namen T7
- Künstliche Phagen könnten die Suche nach passenden Viren stark abkürzen
- Unabhängige Experten mahnen bei der Wirksamkeit im Menschen zur Vorsicht
Phagen sollen resistente Bakterien angreifen
Die Phagentherapie, bei der Phagen-Viren gegen Escherichia coli (E. coli)-Bakterien eingesetzt werden, ist an sich nicht neu. Das Verfahren stellt einen erfolgversprechenden Ansatz dar, auch Erreger bekämpfen zu können, die aufgrund von Mutationen Resistenzen gegen verschiedene Antibiotika ausgebildet haben.Das Startup Radical Numerics ist nun dazu übergegangen, das Erbgut solcher Viren per KI zu designen, berichtet die New York Times. Das Unternehmen teilte mit, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA den Einsatz im Rahmen eines klinischen Versuchs genehmigt habe. Einzelheiten zum Patienten und zu den behandelnden Ärzten veröffentlichte das Unternehmen aus Gründen des Datenschutzes bislang nicht. Auch liegt noch keine wissenschaftlich begutachtete Veröffentlichung der Ergebnisse vor.
Radical Numerics setzt auf ein KI-Modell namens Omnii, das biologische Daten analysiert und daraus neue genetische Sequenzen entwerfen kann. Für die Behandlung sollte die Software Bakteriophagen entwickeln, die gezielt den resistenten E.-coli-Stamm angreifen können. Bakteriophagen sind Viren, die Bakterien infizieren und abtöten, während sie menschliche Zellen normalerweise nicht befallen.
Als Ausgangspunkt diente der Phage T7, der natürlicherweise E. coli infiziert. Die KI erzeugte Varianten mit veränderten Genen, die unter anderem die Form der Fortsätze beeinflussen, mit denen sich das Virus an Bakterien festsetzt. Die Forscher synthetisierten die entsprechenden DNA-Sequenzen und schleusten sie in Bakterien ein. Diese produzierten anschließend neue Phagen, die andere Bakterien infizieren und abtöten konnten.
Viel schneller als bisher
Nach Labortests zur Sicherheit übergaben die Wissenschaftler die entwickelten Viren an die behandelnden Ärzte. Damit begann der erste bekannte Versuch, einen Patienten mit KI-entworfenen Bakteriophagen zu therapieren. Die Methode könnte, so die Hoffnung der Forscher, ein Problem der klassischen Phagentherapie entschärfen: Die meisten Bakteriophagen wirken nur gegen bestimmte Bakterienstämme. Passende Viren zu finden und ihre Wirksamkeit zu prüfen, kann deshalb viel Zeit kosten. Gerade bei schweren Infektionen, gegen die kaum noch Medikamente helfen, ist das ein entscheidender Nachteil.Die KI könnte zukünftig maßgeschneiderte Phagen innerhalb weniger Tage liefern, hofft Radical-Numerics-Chef Eric Nguyen. Unabhängige Fachleute mahnen jedoch zur Vorsicht. Selbst vielversprechende Laborergebnisse erlauben keine sichere Vorhersage, ob eine Behandlung im menschlichen Körper funktioniert.
Zudem ist die Phagentherapie keineswegs neu: Sie wird seit mehr als 100 Jahren erforscht und erlebt angesichts zunehmender Antibiotikaresistenzen eine Renaissance. Ob KI-gestützte Verfahren die Behandlung tatsächlich beschleunigen und verbessern, müssen nun die klinischen Ergebnisse zeigen. Bis belastbare Erkenntnisse vorliegen, könnten Wochen oder Monate vergehen, da Ärzte auch mögliche Rückfälle beobachten müssen.
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Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.
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