Programmier-KI produziert zwar mehr Code, aber nicht mehr Software
KI-Programmieragenten erzeugen deutlich mehr Code, steigern aber nicht im gleichen Maß die Produktion von Software. Die Entwickler sparen letztlich keine Zeit ein, wie eine jetzt veröffentlichte Studie von Forschern der Harvard University zeigt.
Für die Untersuchung werteten Fiona Chen und James Stratton umfangreiche Daten aus der Softwareentwicklung aus. Die Grundlage bildeten rund 300 Millionen dokumentierte Arbeitsvorgänge von mehr als 700.000 Beschäftigten bei über 700 Unternehmen. Der untersuchte Zeitraum reichte von 2021 bis März 2026. Die Forscher analysierten unter anderem, wie sich der Einsatz von KI-Programmierassistenten und weitgehend autonom arbeitenden Programmieragenten auf die Arbeitsabläufe auswirkte.
Die Ergebnisse zeigen zunächst deutliche Produktivitätsgewinne beim Schreiben von Code. Nach der Einführung von KI-Agenten stieg die Zahl der erzeugten Codezeilen im Durchschnitt um 30 Prozent. Die Zahl der Commits, mit denen Änderungen am Quellcode dokumentiert werden, legte um 20 Prozent zu. Die Anzahl der Pull Requests erhöhte sich um 23 Prozent. Über solche Anfragen schlagen Entwickler Änderungen vor, die anschließend geprüft und in das gemeinsame Projekt übernommen werden können.
Auf Unternehmensebene schlug sich dieser Zuwachs allerdings nicht in einem messbaren Fortschritt nieder. Die Zahl der abgeschlossenen Aufgaben und größeren Softwarefunktionen veränderte sich laut der Studie nicht statistisch signifikant. Der zusätzliche Code führte demnach nicht dazu, dass Unternehmen nachweisbar mehr Software fertigstellten.
Zwar setzten bis März 2026 bereits 80 Prozent der untersuchten Unternehmen KI-Werkzeuge für Code-Reviews ein. Die entsprechenden Agenten verfassten jedoch lediglich 23,3 Prozent aller Prüfbemerkungen und waren an 10,8 Prozent der Pull Requests beteiligt. Der überwiegende Teil der Kontrollarbeit blieb somit bei Menschen.
Einen deutlichen Beschäftigungsabbau im Bereich der Softwareentwicklung konnten die Forscher entsprechend nicht feststellen. Ob sich die Bilanz ändert, wenn Unternehmen mehr Erfahrung mit KI-Agenten sammeln, bleibt aber offen. Bislang zeigt die Untersuchung vor allem: Schneller programmierter Code bringt wenig, wenn seine Prüfung anschließend mehr Zeit und Personal bindet.
Siehe auch:
- Eine Studie untersuchte 300 Millionen Arbeitsvorgänge von 2021 bis 2026
- Durch Programmierassistenten entstanden rund 30 Prozent mehr Codezeilen
- Aufwendigere Code-Prüfungen machten gewonnene Zeitvorteile wieder zunichte
- Unternehmen stellten trotz des KI-Einsatzes nicht messbar mehr Software fertig
- Menschliche Fachkräfte übernahmen weiterhin den Großteil der Qualitätskontrolle
- Ein deutlicher Stellenabbau in der Entwicklung blieb bislang komplett aus
Entwickler werden zu Prüfern
Demnach wird die Zeitersparnis, die durch die Hilfe bei der Programmiertätigkeit entsteht, dadurch zunichte gemacht, dass der entstandene Code im Nachhinein genau geprüft werden muss. Nach der Einführung von KI-Werkzeugen dauerten Code-Prüfungen im Durchschnitt 49 Prozent länger. Auch Korrekturen und Rückmeldungen durch menschliche Entwickler nahmen deutlich zu, heißt es in dem Forschungsbericht.Für die Untersuchung werteten Fiona Chen und James Stratton umfangreiche Daten aus der Softwareentwicklung aus. Die Grundlage bildeten rund 300 Millionen dokumentierte Arbeitsvorgänge von mehr als 700.000 Beschäftigten bei über 700 Unternehmen. Der untersuchte Zeitraum reichte von 2021 bis März 2026. Die Forscher analysierten unter anderem, wie sich der Einsatz von KI-Programmierassistenten und weitgehend autonom arbeitenden Programmieragenten auf die Arbeitsabläufe auswirkte.
Die Ergebnisse zeigen zunächst deutliche Produktivitätsgewinne beim Schreiben von Code. Nach der Einführung von KI-Agenten stieg die Zahl der erzeugten Codezeilen im Durchschnitt um 30 Prozent. Die Zahl der Commits, mit denen Änderungen am Quellcode dokumentiert werden, legte um 20 Prozent zu. Die Anzahl der Pull Requests erhöhte sich um 23 Prozent. Über solche Anfragen schlagen Entwickler Änderungen vor, die anschließend geprüft und in das gemeinsame Projekt übernommen werden können.
Auf Unternehmensebene schlug sich dieser Zuwachs allerdings nicht in einem messbaren Fortschritt nieder. Die Zahl der abgeschlossenen Aufgaben und größeren Softwarefunktionen veränderte sich laut der Studie nicht statistisch signifikant. Der zusätzliche Code führte demnach nicht dazu, dass Unternehmen nachweisbar mehr Software fertigstellten.
Kein nennenswerter Stellenabbau
Als wesentlichen Grund benannten die Forscher die aufwendigere Qualitätskontrolle. Nach dem Einsatz von KI-Agenten verdoppelte sich der Anteil der Pull Requests fast, bei denen Prüfer Änderungen verlangten. Gleichzeitig stieg die Zahl der Kommentare pro Anfrage um 35 Prozent. Unternehmen reagierten darauf, indem sie den Anteil der Beschäftigten erhöhten, die Code-Reviews durchführten: Er nahm um 14 Prozent zu.Zwar setzten bis März 2026 bereits 80 Prozent der untersuchten Unternehmen KI-Werkzeuge für Code-Reviews ein. Die entsprechenden Agenten verfassten jedoch lediglich 23,3 Prozent aller Prüfbemerkungen und waren an 10,8 Prozent der Pull Requests beteiligt. Der überwiegende Teil der Kontrollarbeit blieb somit bei Menschen.
Einen deutlichen Beschäftigungsabbau im Bereich der Softwareentwicklung konnten die Forscher entsprechend nicht feststellen. Ob sich die Bilanz ändert, wenn Unternehmen mehr Erfahrung mit KI-Agenten sammeln, bleibt aber offen. Bislang zeigt die Untersuchung vor allem: Schneller programmierter Code bringt wenig, wenn seine Prüfung anschließend mehr Zeit und Personal bindet.
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Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.