Heikler Cyberangriff: Hacker dringen in Steuerung von Öltanker ein

Ein Cyberangriff auf einen Öltanker vor der US-Küste hat offenbar höheres Schadenspotenzial gehabt als bisher gedacht. Auch dessen Antriebssystem soll von der Attacke betroffen gewesen sein.
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China Classification Society
  • Hacker verschafften sich Zugriff auf Systeme des Öltankers VL Prosperity
  • FBI und die US-Küstenwache ermitteln wegen der Cyberattacke auf das Schiff
  • Betroffen war neben dem Bordnetzwerk auch die Steuerung für den Antrieb
  • Ermittler gingen an Bord des Frachters nachdem die Kommunikation ausfiel
  • Bisher gibt es keine Belege für Schäden oder Gefahren für die Besatzung
  • Experten warnen vor den Risiken durch vernetzte Systeme auf Frachtschiffen

Hintergründe geben Rätsel auf

Ermittler des FBI und der US-Küstenwache gehen nach Angaben von mit dem Vorgang vertrauten US-Behördenvertretern davon aus, dass sich Hacker vorübergehend Zugriff auf digitale Systeme des Tankers "VL Prosperity" verschaffen konnten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Wie der Angriff gelang, wer dahintersteckt und welche Funktionen die Angreifer tatsächlich kontrollieren konnten, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.

Der Vorfall ereignete sich, als der mit Rohöl beladene Tanker im Sommer auf die texanische Küste zulief. Die Behörden gingen demnach im August an Bord des Schiffes, nachdem die Kommunikation ausgefallen war und Hinweise auf eine Kompromittierung des Netzwerks vorlagen. Die VL Prosperity ist ein sogenannter Very Large Crude Carrier (VLCC) und kann damit zu den größten Öltankern der Welt gezählt werden.


Nach bisherigen Erkenntnissen war nicht nur ein IT-Netzwerk des Schiffes betroffen. Vielmehr soll der Zugriff auch das digitale System zur Steuerung des Antriebs umfasst haben. Damit hätten die Angreifer zumindest theoretisch Einfluss auf eine zentrale Funktion des Schiffes nehmen können. Unklar ist allerdings, wie lange der Zugriff bestand und welche konkreten Möglichkeiten den Hackern offenstanden.

Gravierende Gefahr

FBI und Küstenwache bestätigten lediglich, dass sie die VL Prosperity und ein weiteres Schiff untersucht haben, nachdem Hinweise auf kompromittierte IT- und Betriebssysteme vorlagen. Hinweise auf Betriebsstörungen, eine Instabilität des Schiffes, eine konkrete Gefahr für die Besatzung oder Umweltschäden gebe es bislang nicht.

Der Vorfall verdeutlicht zugleich ein wachsendes Problem für die Schifffahrt. Moderne Frachter sind zunehmend auf vernetzte Systeme für Navigation, Kommunikation und den Schiffsbetrieb angewiesen. Ein erfolgreicher Angriff kann damit im schlimmsten Fall von der digitalen in die physische Welt übergreifen.

Experten warnen insbesondere vor Angriffen auf große Tanker, die gefährliche und leicht entzündliche Ladungen transportieren. Bestätigte Hacks von Schiffssystemen seien zwar bislang selten, könnten aber erhebliche Folgen haben. Viele Schiffe verfügen allerdings über alternative Systeme, auf die Besatzungen bei einem Ausfall zurückgreifen können. Der VL Prosperity liegt nach aktuellen Schiffsdaten weiterhin vor Galveston vor Anker.

Siehe auch:
Christian Kahle

Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

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