Lidl-Konzern plant gigantisches KI-Rechenzentrum in Mecklenburg

Die Schwarz-Gruppe, die ihr Geld bisher vor allem durch die Dis­coun­ter-Kette Lidl und die Großmärkte von Kaufland erwirtschaftet, will Milliarden in ein neues Rechenzentrum stecken. Für bis zu 5,6 Milliarden Euro soll in Mecklenburg-Vorpommern ein Standort für KI- und Cloud-Services entstehen.
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Jason Leung / Lidl

    Bis zu 1 Gigawatt Anschlussleistung geplant

    In Mecklenburg-Vorpommern soll innerhalb der nächsten sieben Jahre eines der größten Cloud- und KI-Rechenzentren Deutschlands entstehen. Gemeinsam mit Ministerpräsidentin Manuela Schwesig enthüllte der Chef der Schwarz-Gruppe, Gerd Chrzanowski, gestern große Pläne für das Rechenzentrum, welches in der Nähe von Rostock gebaut wird.

    In einer ersten Ausbaustufe soll das neue Rechenzentrum eine Leistungsaufnahme von 240 Megawatt erreichen. Diesen Meilenstein will man bis 2033 erreichen, bevor dann bis 2045 eine mögliche Expansion angedacht ist, mit der die Kapazität auf ein Gigawatt erweitert werden könnte. Allein in der ersten Ausbaustufe würde das Rechenzentrum so viel Strom verbrauchen wie rund 600.000 durchschnittliche Haushalte in Deutschland. Schwarz Digits Rechenzentrum in Dummerstorf bei RostockSchwarz Digits Rechenzentrum in Dummerstorf bei Rostock

    Energieversorgung im Regelbetrieb durch Windkraft

    Im Regelbetrieb soll das "Lidl-Rechenzentrum" vollständig aus erneuerbaren Energien gespeist werden, womit man sich wohl die Option offen hält, bei Lastspitzen auf Gaskraftwerke als zusätzliche Energielieferanten zurückzugreifen. In Mecklenburg-Vorpommern wird allerdings durch Wind- und Solarenergie deutlich mehr Strom erzeugt als die Region selbst bisher benötigt. Durch ein geschlossenes Kühlsystem soll zudem der Wasserverbrauch reduziert werden.

    Aktuell gibt es nach Angaben von Schwesig bereits Gespräche darüber, wie die Abwärme des gigantischen Rechenzentrums für die Beheizung von Wohngebäuden in der Umgebung über einen Anschluss an das Fernwärmenetz verwendet werden könnte. Dazu wurde eine entsprechende Absichtserklärung mit den Stadtwerken Rostock geschlossen.


    Rund 400 Meter bis zu den nächsten Nachbarn

    Konkret befindet sich der Standort des neuen Rechenzentrums in der Gemeinde Dummerstorf südöstlich von Rostock im sogenannten Gewerbepark Ostsee. Die von Schwarz Digits und Schwesig präsentierte Fläche grenzt nordöstlich an ein großes Logistikzentrum von Amazon, während sich westlich davon diverse Gewerbeansiedlungen befinden.

    Die nächstgelegenen Wohnhäuser befinden sich rund 350 bis 450 Meter vom südlichen Ende des Geländes, womit auch dort Probleme durch Lärmbelästigung und andere Emissionen des Rechenzentrums aufkommen dürften. Die Entwicklung des Geländes als Standort für ein Rechenzentrum wurde zuvor von der Firma Freo Group vorangetrieben, wobei die Gemeinde Dummerstorf die Planung für ein sogenanntes Gewerbe- und Logistikzentrum Ostsee 3.0 bereits im Oktober 2025 veröffentlicht hatte.

    Schwarz Digits hat große Pläne für den Aufbau von KI-Kapazitäten, um langfristig zum größten Cloud-Betreiber in Europa aufzusteigen. Auch im Süden Brandenburgs plant man derzeit ein großes Rechenzentrum, wobei am Standort Lübbenau zunächst eine Kapazität von 200 Megawatt angestrebt wird.

    Nach eigenen Angaben ist noch offen, wie die technische Ausstattung des neuen Rechenzentrums nahe dem Autobahnkreuz Rostock aussehen soll. Es ist somit auch noch offen, welche Chips dort in welcher Verteilung zum Einsatz kommen sollen. Mit großer Wahrscheinlichkeit dürfte es sich aber zu einem Großteil um KI-Kapazitäten und weniger um Cloud-Server handeln, die dort betrieben werden sollen.

    Zusammenfassung
    • In Dummerstorf soll ein riesiges Cloud- und KI-Rechenzentrum entstehen
    • Die erste Ausbaustufe soll bis zum Jahr 2033 rund 240 Megawatt erreichen
    • Bis zum Jahr 2045 ist eine Erweiterung auf bis zu ein Gigawatt geplant
    • Die Anlage soll im Regelbetrieb komplett mit Ökostrom betrieben werden
    • Die Abwärme des Rechenzentrums soll künftig für Fernwärme genutzt werden
    • Schwarz Digits will damit zum größten Cloud-Anbieter in Europa aufsteigen

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