Verschwörungstheoretiker drehen nach CERN-Abschaltung richtig auf

Rund um die CERN-Abschaltung kursieren derzeit wilde Theorien im Netz - tatsächlich steckt hinter dem Stillstand jedoch ein geplanter Ausbau bis 2030. Bei TikTok, X, Truth Social und Co hört sich das aber ganz anders an.
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Das ist geplant

Rund um die Abschaltung am CERN schlagen Verschwörungserzählungen derzeit besonders hohe Wellen. Auslöser ist der aktuelle Stillstand am weltweit größten Teilchenbeschleuniger - doch der hat einen deutlich nüchterneren Hintergrund: Die Anlagen der Europäischen Organisation für Kernforschung wurden planmäßig heruntergefahren, um sie umfassend zu modernisieren.

Konkret befindet sich das CERN derzeit im sogenannten "Long Shutdown 3", einer seit Langem vorbereiteten Umbauphase, die bis 2030 andauern soll. In dieser Zeit werden zentrale Komponenten wie Magnete und Detektoren erneuert und aufgerüstet.


Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit des Large Hadron Collider (LHC) deutlich zu steigern und künftig noch präzisere Einblicke in grundlegende physikalische Fragen zu ermöglichen, etwa in Bezug auf Dunkle Materie und Dunkle Energie.

Parallel dazu verbreiten sich in sozialen Netzwerken zahlreiche Falschbehauptungen. Immer wieder ist von angeblichen "Matrix"-Experimenten oder geheimen Abschaltungen die Rede, um die "Timeline wiederherzustellen".

Andere Beiträge greifen ältere Erzählmuster auf und behaupten, der LHC könne Portale in andere Dimensionen öffnen oder gefährliche Schwarze Löcher erzeugen. Als Beispiele dafür muss dann der Mandela-Effekt herhalten - im Übrigen gibt es laut den Verschwörungstheoretikern seit der CERN-Abschaltung auch mehr Mandela-Effekt zu beobachten - oder weniger, je nachdem, welchen Erklärungen man folgen will.

Mini-Schwarze-Löcher

Diese Szenarien entbehren jedoch jeder wissenschaftlichen Grundlage, wie sich nun auch noch einmal Mimikama mit dem Thema beschäftigen musste.

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Fachleute betonen seit Jahren, dass die bei den Experimenten entstehenden Bedingungen kontrolliert und sicher sind. Selbst hypothetische Mini-Schwarze Löcher wären instabil und würden unmittelbar zerfallen.

Das CERN selbst kommuniziert den Ablauf des Shutdowns transparent und verweist auf die langfristigen Ziele der Modernisierung. Für die Forschung markiert die aktuelle Pause keinen Einschnitt, sondern einen wichtigen Zwischenschritt: Nach Abschluss der Arbeiten soll der Teilchenbeschleuniger leistungsfähiger denn je in Betrieb gehen und neue Erkenntnisse über die Struktur des Universums liefern.

Wie nehmt ihr die Debatte wahr? Tauscht euch mit uns in den Kommentaren aus.

Warum steht der LHC jetzt still?
Der weltgrößte Teilchenbeschleuniger am CERN befindet sich im sogenannten "Long Shutdown 3" (LS3). Diese geplante Pause ist notwendig, um die Anlage in einem 27 Kilometer langen Tunnel umfassend zu warten und aufzurüsten.

Für IT-Profis ist das Prinzip vertraut: Um die Hardware für künftige Anforderungen fit zu machen, braucht es Downtime. Das Projekt kostet rund eine Milliarde Euro und umfasst den Austausch von 1,2 Kilometern an Magneten und Komponenten.
Was bringt das HiLumi-Upgrade?
Der Beschleuniger wird zum High-Luminosity-LHC (HiLumi LHC) umgebaut. Ziel ist es, die sogenannte Luminosität drastisch zu erhöhen. Die Zahl der Teilchenkollisionen soll dabei um den Faktor zehn steigen.

Konkret bedeutet das einen Sprung von 2,4 Milliarden auf bis zu acht Milliarden Kollisionen pro Sekunde. Für die Datenanalyse heißt das: Es werden massiv mehr Rohdaten generiert, um extrem seltene physikalische Phänomene statistisch sicher erfassen zu können.
Was passiert mit der Infrastruktur?
Der Umbau ist eine logistische Meisterleistung. Um an den Systemen arbeiten zu können, müssen beispielsweise rund 100 Tonnen flüssiges Helium abgepumpt werden. Dieser Vorgang allein nimmt mindestens einen Monat in Anspruch.

Da das CERN nicht über ausreichend eigene Lagerkapazitäten verfügt, wird das Kühlmittel an externe Firmen abgegeben. Zudem werden neue supraleitende Quadrupolmagnete aus Niob und Zinn installiert, die ein um 50 Prozent stärkeres Magnetfeld erzeugen.
Wonach suchen die Forscher genau?
2012 wurde am CERN das berühmte Higgs-Boson nachgewiesen, was eine Lücke im Standardmodell der Teilchenphysik schloss. Allerdings war die gemessene Masse des Teilchens geringer, als es theoretische Modelle vorhergesagt hatten.

Es hieße, dass möglicherweise nicht nur ein, sondern gleich fünf verschiedene Higgs-Bosonen existieren könnten. Um diese extrem seltenen Zerfallsprozesse vom "Hintergrundrauschen" zu trennen, benötigen die Forscher die durch das Upgrade gewonnene Datenmenge.
Was ist für die Zukunft geplant?
Da der aktuelle LHC um das Jahr 2040 sein endgültiges Lebensende (End of Life) erreichen wird, laufen bereits seit 2014 die Planungen für ein Nachfolgesystem. Die Dimensionen dieses neuen Projekts sind gigantisch.

Der sogenannte Future Circular Collider (FCC) soll einen Umfang von 91 Kilometern haben. Technisch gilt das Projekt als machbar, eine finale Entscheidung soll bis 2028 fallen. Die Kosten für die erste Phase lägen laut Schätzungen bei rund 16 Milliarden Euro.
Zusammenfassung
  • Das CERN wurde für eine geplante Modernisierung bis 2030 abgeschaltet
  • Im Netz kursieren absurde Verschwörungsmythen über die Abschaltung
  • Ziel des Umbaus ist eine deutliche Steigerung der LHC-Leistungsfähigkeit
  • Die Zahl der Teilchenkollisionen soll auf acht Milliarden pro Sekunde steigen
  • Ein geplanter Nachfolger-Beschleuniger soll einen Umfang von 91 km haben

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