In funkstiller Wüste entsteht leistungsfähigstes Radioteleskop der Welt

Das kalifornische Forschungsinstitut Caltech plant den Bau des wohl leistungsfähigsten Radioteleskops der Welt. Das gesamte System soll aus vielen einzelnen Antennen bestehen, die auf einer größeren Fläche montiert und zusammengeschaltet werden.
Astronomie, Radioteleskop, DSA, Deep Synoptic Array
Caltech

Enorme Datenmengen

Wie die Universität jetzt in ihren endgültigen Entwurfsplänen erklärte, soll das Deep Synoptic Array (DSA) bis 2029 in einer abgelegenen Wüstenregion im US-Bundesstaat Nevada entstehen. Mit 1650 einzelnen Antennen und einer Fläche von rund 20 mal 16 Kilometern soll die Anlage den Himmel etwa hundertmal schneller erfassen können als bisherige Radioteleskope.

Die Suche nach geeigneten Standorten für Radioastronomie wird zunehmend schwieriger. Wissenschaftler sind auf Gebiete angewiesen, die möglichst frei von störenden Funkwellen menschlicher Herkunft sind. Solche "funkstillen" Regionen sind selten und begehrt. Die US-Raumfahrtbehörde NASA verfolgt deshalb sogar Pläne, Radioteleskope auf der erdabgewandten Seite des Mondes zu errichten.


Das neue DSA-Projekt setzt auf ein Netzwerk vieler kleiner Antennen statt auf eine einzelne große Schüssel. Ähnlich arbeiten bereits Anlagen wie das Very Large Array in New Mexico. Die Dimensionen des geplanten Systems übertreffen jedoch bisherige Anlagen deutlich. Nach Angaben von Caltech handelt es sich um das bislang größte Antennenfeld seiner Art.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei ein leistungsfähiger Supercomputer. Er soll die gewaltigen Datenmengen der Antennen in Echtzeit verarbeiten und unmittelbar hochauflösende Radiobilder erzeugen. Ohne diese Technologie müssten laut den Projektverantwortlichen erst einmal hunderte Exabyte an Rohdaten gespeichert werden, eine Datenmenge, die Millionen von Festplatten erfordern würde.

Offene Daten

Mit dem Teleskop wollen Forscher unter anderem Pulsare, Schwarze Löcher und die rätselhaften schnellen Radioblitze untersuchen. Diese kosmischen Phänomene senden Radiowellen aus, die wichtige Hinweise auf die Entwicklung und Struktur des Universums liefern können.

Besonders ungewöhnlich ist die geplante Datenpolitik: Sämtliche Beobachtungsdaten sollen ohne Sperrfristen öffentlich zugänglich sein. Nicht nur Wissenschaftler weltweit, sondern auch interessierte Laien können die Ergebnisse unmittelbar auswerten. Die Projektleiter hoffen, dass dadurch zusätzliche Entdeckungen möglich werden.

Die Gesamtkosten des Vorhabens werden auf rund 200 Millionen Dollar (etwa 184 Millionen Euro) geschätzt. Finanziert wird das Projekt unter anderem von Schmidt Sciences, der Stiftung des früheren Google-Chefs Eric Schmidt und seiner Frau Wendy. Nach Einschätzung der beteiligten Astronomen könnte die Anlage bereits am ersten Betriebstag so viele Radioquellen entdecken wie alle Radioteleskope zusammen bislang in mehreren Jahrzehnten gefunden haben. Im Verlauf der ersten Himmelsdurchmusterung werden sogar bis zu eine Milliarde neue Radioquellen erwartet.

Zusammenfassung
  • Caltech plant den Bau eines sehr leistungsstarken Radioteleskops
  • Bis zum Jahr 2029 soll die neue Anlage in der Wüste Nevadas entstehen
  • Für die Radioastronomie sind absolut funkstille Standorte wichtig
  • Ein Supercomputer verarbeitet alle anfallenden Daten in Echtzeit
  • Alle gewonnenen Beobachtungsdaten werden öffentlich zugänglich sein
  • Die Stiftung eines früheren Google-Chefs finanziert das Projekt mit

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