Claude lernt COBOL: KI bringt nächste Traditions-Aktie zum Einbruch

Anthropic sorgt mit seiner Claude-KI bereits zum zweiten Mal in kurzer Folge für ein Beben an der Börse. Nach verschiedenen Security-Firmen trifft es nun den traditionsreichen IT-Konzern IBM, dem ein wichtiger Teil des Geschäfts streitig gemacht werden könnte.
Wirtschaft, Börse, Krise, Aktienkurs, Rezession

Anthropic bedroht klassisches Geschäft

Auslöser war die Ankündigung Anthropics, dass das neue KI-Tool Claude Code zur Modernisierung von Altsystemen auf Basis von COBOL eingesetzt werden kann. Der Kurs der IBM-Aktie fiel daraufhin nach Handelsschluss um fast 13,2 Prozent, wie CNBC berichtet.

Laut Anthropic kann Claude Code die aufwendige Analyse und Erkundung von COBOL-Systemen automatisieren. Dabei handelt es sich um Aufgaben, die bisher den Kern der Komplexität bei der Modernisierung solcher Legacy-Systeme ausmachten. COBOL, kurz für "Common Business-Oriented Language", ist eine Programmiersprache aus den späten 1950er-Jahren, die vor allem in der geschäftlichen Datenverarbeitung eingesetzt wird, etwa bei Zahlungs- oder Einzelhandelstransaktionen. Schätzungen zufolge werden rund 95 Prozent der Geldautomaten-Transaktionen in den USA über COBOL abgewickelt.


In einem Blogbeitrag erklärte Anthropic, dass "täglich Hunderte Milliarden Zeilen COBOL im Einsatz sind und kritische Systeme in Finanzen, Fluggesellschaften und Behörden steuern. Gleichzeitig schrumpft die Zahl der Experten, die diese Systeme noch verstehen, Jahr für Jahr." KI habe das Potenzial, genau die Aufgaben zu übernehmen, die eine Modernisierung bislang kostspielig machten. Claude Code könne Abhängigkeiten in Tausenden von Codezeilen erkennen, Workflows dokumentieren und Risiken identifizieren. Prozesse also, die menschliche Analysten Monate kosten würden.

KI statt Experten

Die Ankündigung reiht sich in Anthropics Bestrebungen ein, klassische Altsysteme zu modernisieren und digitale Transformationsprojekte von Unternehmen mit KI-Technologien beschleunigen zu wollen. Viele dieser Projekte leiden unter abnehmender Entwicklerproduktivität und sogenannter "technischer Schuld", den zukünftigen Kosten von Kompromisslösungen in der Softwareentwicklung, die zu aufwendiger Wartung führen.

IBM ist eines der letzten Unternehmen weltweit, die noch in großem Stil Support für COBOL-Systeme anbieten können. Dieser Services-Bereich ist für den Konzern entsprechend lukrativ. Wenn KI-Systeme nun damit drohen, die Erträge in diesem Segment massiv zu schmälern, kann sich das auch in größerem Umfang auf den Geschäftszweig IBMs auswirken.


IBM ist nicht die einzige Aktie, die in den letzten Wochen unter den KI-Ängsten gelitten hat. Die Volatilität an den Märkten spiegelt sich in einem "erst verkaufen, dann Fragen stellen"-Verhalten wider. Bereits am Freitag waren zahlreiche Aktien von Security-Firmen eingebrochen, nachdem Anthropic ein neues Sicherheitsmodul für Claude Code vorgestellt hatte, das Code auf Schwachstellen prüfen kann.

Zusammenfassung
  • Anthropics Claude Code kann COBOL-Altsysteme automatisiert analysieren
  • IBMs Aktienkurs fiel nach der Ankündigung um fast 13,2 Prozent
  • Rund 95 Prozent aller US-Geldautomaten laufen noch über COBOL
  • Die Zahl der COBOL-Experten schrumpft weltweit von Jahr zu Jahr
  • IBM bietet als eines der letzten Unternehmen COBOL-Support an
  • Auch Aktien von Security-Firmen litten unter neuen KI-Produkten
  • KI-Systeme könnten IBMs lukrativen Services-Bereich stark gefährden

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!