Russland schränkt Betrieb von WhatsApp und Telegram teilweise ein

Die russische Regierung versucht mit einem weiteren Schritt dafür zu sorgen, dass sich ausländische Anbieter von Webdiensten ihren Forderungen beugen. Ab sofort sind über WhatsApp und Telegram in Russland keine Audio- und Videogespräche mehr möglich.

Russland unterbindet (verschlüsselte) Telefonie via WhatsApp & Telegram

Die russische Telekommunikationsbehörde Roskomnadsor hat heute nach eigenen Angaben die Funktion von WhatsApp und Telegram teilweise eingeschränkt, berichtet der Guardian. Ab sofort soll es nicht mehr möglich sein, mit den beiden Messaging-Lösungen Telefonate durchzuführen. Als Grund dafür nennt die Behörde die Verwendung der Apps durch "Kriminelle und Terroristen".

Die russische Regierung will mit dem Telefonie-Verbot für Telegram und WhatsApp dafür sorgen, dass die Betreiber der beiden Chat-Plattformen Forderungen nach der Herausgabe von Daten zu bestimmten Nutzern nachkommen, denen Russland Gesetzesverstöße vorwirft. Man wolle "gegen Kriminelle vorgehen" und schränkt deshalb die "Telefonie mit den ausländischen Messengern teilweise ein", hieß es.

User melden Störgeräusche in WhatsApp-Gesprächen

Vorerst wurden keine weiteren Beschränkungen der Funktionalität der Services verhängt, betonte die Roskomnadsor. Die Nachrichtenagentur Reuters bestätigte, dass schon seit dem 11. August 2025 kaum noch Telefonate über Telegram möglich waren. Im Fall von WhatsApp berichten Nutzer aus Russland von Störgeräuschen und einem "metallischen Brummton", der Telefonate praktisch unmöglich macht.


WhatsApp gehört seit Jahren zum US-Internetkonzern Meta, dem auch Facebook, Instagram und Threads gehören. Meta selbst wurde schon 2022 als "extremistische Organisation" eingestuft, doch konnte WhatsApp bisher stets uneingeschränkt in Russland verwendet werden, wobei der Dienst dort durchaus sehr populär ist. Telegram wurde einst in Russland entwickelt, hat seinen Sitz aber mittlerweile im Ausland.

Dennoch wird Telegram nach wie vor auch in Russland sehr viel genutzt und dort auch von diversen offiziellen Stellen für Propaganda genutzt, genauso wie der Dienst in der Ukraine trotz seiner russischen Herkunft sehr stark genutzt wird. Die russische Regierung geht seit einiger Zeit gezielt gegen ausländische Dienste vor, darunter auch YouTube und andere Angebote wie Ookla Speedtest.

Hinter den Maßnahmen gegen WhatsApp, Telegram, Speedtest, YouTube und andere steckt vermutlich - anders als von der russischen Regierung behauptet - (nicht nur) der Wunsch, eine Nutzung durch Kriminelle zu unterbinden. Stattdessen soll damit vor allem eine Zensur umgesetzt werden und man will die Bürger des Landes dazu bringen, einheimische Dienste zu nutzen - über die Russlands Regierung unter Putin erheblich mehr Kontrolle hat. Dabei dürfte den Behörden, wie auch in Europa, vor allem die verschlüsselte Kommunikation ein Dorn im Auge sein.

Zusammenfassung
  • Russland blockiert Audio- und Videoanrufe bei WhatsApp und Telegram
  • Behörde Roskomnadsor begründet Einschränkung mit Nutzung durch Kriminelle
  • Ziel ist es, die Betreiber zur Herausgabe bestimmter Nutzerdaten zu zwingen
  • Störungen bei Telegram seit dem 11. August 2025 von Reuters bestätigt
  • WhatsApp bleibt trotz Einstufung von Meta als extremistisch weiter nutzbar
  • Telegram wird trotz ausländischem Sitz in Russland für Propaganda genutzt
  • Wahres Motiv scheint Zensur und Förderung kontrollierbarer einheimischer Dienste

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