Au revoir! Französische Behörden schmeißen Teams, Zoom, Webex raus
Frankreich forciert seine digitale Souveränität und verbannt bis 2027 US-Videodienste wie Zoom und Microsoft Teams aus den Behörden. Stattdessen kommt die Eigenentwicklung Visio zum Einsatz. Das Open-Source-Projekt soll Kosten senken und Daten schützen.
So werden sämtliche staatlichen Einrichtungen und Ministerien bis zum Jahr 2027 vollständig auf amerikanische Videokonferenzlösungen verzichten. Etablierte und weitverbreitete Dienste wie Microsoft Teams, Zoom und Cisco Webex werden im öffentlichen Sektor komplett abgeschafft und durch die selbst entwickelte Alternative Visio ersetzt.
Der Übergang zu dieser neuen Lösung hat im Hintergrund bereits begonnen. Nach einer einjährigen Testphase mit rund 40.000 Nutzern wird die Plattform derzeit für 200.000 weitere Staatsbedienstete ausgerollt. Zu den ersten Institutionen, die den Wechsel vollziehen, gehören das nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS), das Verteidigungsministerium sowie die Generaldirektion für öffentliche Finanzen (DGFiP). Diese Organisationen sollen die Migration schon bald abschließen, teilt die französische Regierung in einer Pressemitteilung mit.
Funktional bietet die Plattform moderne Features, wie etwa KI-gestützte Transkription. Diese Funktion basiert auf der Technologie des französischen Start-ups Pyannote und ermöglicht die automatische Verschriftlichung von Gesprächen. Bis zum Sommer 2026 ist zudem die Integration von Live-Untertiteln geplant, die vom KI-Forschungslabor Kyutai entwickelt werden.
Technisch gesehen ist die Plattform jedoch keine reine Neuentwicklung. So basiert Visio im Kern auf dem Projekt LiveKit. Dabei handelt es sich um eine Open-Source-Plattform für Echtzeit-Audio und -Video unter der Apache-2.0-Lizenz. Ein Detail, das dabei durchaus Brisanz birgt ist, dass LiveKit selbst primär von einem gleichnamigen Unternehmen mit Sitz in Kalifornien entwickelt wird. Die Verantwortlichen betonen jedoch, den Quellcode aktiv mitzugestalten und Forks zu vermeiden, um die Wartbarkeit durch die globale Community zu gewährleisten und dennoch die Kontrolle zu behalten.
Diese Strategie verdeutlicht Frankreichs Bestreben, kritische digitale Infrastrukturen vor potenzieller ausländischer Überwachung oder Serviceunterbrechungen durch externe Akteure zu schützen. Ob der ambitionierte Zeitplan bis 2027 bei der komplexen Migration von Millionen Nutzern gehalten werden kann, muss die Praxis in den kommenden Monaten zeigen.
Was haltet ihr von diesem weiteren Schritt der französischen Verwaltung? Ist eine staatliche "Souveränitäts-Cloud" der richtige Weg in die Unabhängigkeit oder überwiegen die Nachteile bei der Usability gegenüber den Marktführern? Wir sind gespannt auf eure Perspektiven in den Kommentaren!
Siehe auch:
Abschied von US-Software bis 2027
Europäische Staaten und Kommunen drängen immer weiter auf die eigene digitale Souveränität, um bestehende Abhängigkeiten von großen US-Tech-Konzernen nachhaltig zu verringern. Schleswig-Holstein hat Outlook erfolgreich verbannt, Dänemark hat sich gleich vom kompletten Office-Paket getrennt und selbst der IStGH in Den Haag hat die Büroprogrammsammlung von Microsoft hinausgeschmissen. Frankreich macht jetzt weiter.So werden sämtliche staatlichen Einrichtungen und Ministerien bis zum Jahr 2027 vollständig auf amerikanische Videokonferenzlösungen verzichten. Etablierte und weitverbreitete Dienste wie Microsoft Teams, Zoom und Cisco Webex werden im öffentlichen Sektor komplett abgeschafft und durch die selbst entwickelte Alternative Visio ersetzt.
Der Übergang zu dieser neuen Lösung hat im Hintergrund bereits begonnen. Nach einer einjährigen Testphase mit rund 40.000 Nutzern wird die Plattform derzeit für 200.000 weitere Staatsbedienstete ausgerollt. Zu den ersten Institutionen, die den Wechsel vollziehen, gehören das nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS), das Verteidigungsministerium sowie die Generaldirektion für öffentliche Finanzen (DGFiP). Diese Organisationen sollen die Migration schon bald abschließen, teilt die französische Regierung in einer Pressemitteilung mit.
Technische Basis und Open Source
Visio ist Teil der umfassenderen "Suite Numérique", einem Ökosystem souveräner Tools, das perspektivisch auch Dienste wie Google Meet, Slack und Gmail für Staatsbedienstete ersetzen soll. In offiziellen Dokumenten wird betont, dass die Lösung auf der Cloud-Infrastruktur von Outscale gehostet wird. Dabei handelt es sich um eine Tochtergesellschaft von Dassault Systèmes, die über das strenge französische Sicherheitszertifikat SecNumCloud verfügt. Dieses Zertifikat garantiert höchste Sicherheitsstandards und soll sicherstellen, dass sensible Daten nicht dem US Cloud Act unterliegen und die französische Jurisdiktion nicht verlassen.Funktional bietet die Plattform moderne Features, wie etwa KI-gestützte Transkription. Diese Funktion basiert auf der Technologie des französischen Start-ups Pyannote und ermöglicht die automatische Verschriftlichung von Gesprächen. Bis zum Sommer 2026 ist zudem die Integration von Live-Untertiteln geplant, die vom KI-Forschungslabor Kyutai entwickelt werden.
Technisch gesehen ist die Plattform jedoch keine reine Neuentwicklung. So basiert Visio im Kern auf dem Projekt LiveKit. Dabei handelt es sich um eine Open-Source-Plattform für Echtzeit-Audio und -Video unter der Apache-2.0-Lizenz. Ein Detail, das dabei durchaus Brisanz birgt ist, dass LiveKit selbst primär von einem gleichnamigen Unternehmen mit Sitz in Kalifornien entwickelt wird. Die Verantwortlichen betonen jedoch, den Quellcode aktiv mitzugestalten und Forks zu vermeiden, um die Wartbarkeit durch die globale Community zu gewährleisten und dennoch die Kontrolle zu behalten.
Kostenersparnis und Souveränität
Neben der technologischen Unabhängigkeit führen die französischen Planer massive ökonomische Gründe für den harten Schnitt an. Das Ministerium für den öffentlichen Dienst rechnet vor, dass der Wegfall von Lizenzgebühren für proprietäre US-Software erhebliche Mittel im Staatshaushalt freisetzt. Schätzungen zufolge spart der Staat pro 100.000 Nutzer, die von kostenpflichtigen Diensten wie Microsoft 365 oder Zoom zu Visio migrieren, etwa eine Million Euro jährlich. Diese Gelder sollen stattdessen in die Weiterentwicklung der eigenen digitalen Infrastruktur fließen.Diese Strategie verdeutlicht Frankreichs Bestreben, kritische digitale Infrastrukturen vor potenzieller ausländischer Überwachung oder Serviceunterbrechungen durch externe Akteure zu schützen. Ob der ambitionierte Zeitplan bis 2027 bei der komplexen Migration von Millionen Nutzern gehalten werden kann, muss die Praxis in den kommenden Monaten zeigen.
Was haltet ihr von diesem weiteren Schritt der französischen Verwaltung? Ist eine staatliche "Souveränitäts-Cloud" der richtige Weg in die Unabhängigkeit oder überwiegen die Nachteile bei der Usability gegenüber den Marktführern? Wir sind gespannt auf eure Perspektiven in den Kommentaren!
Zusammenfassung
- Frankreich verbannt US-Videodienste wie Teams und Zoom bis 2027
- Eigenentwicklung Visio ersetzt ausländische Dienste in Staatsbehörden
- Nach erfolgreicher Testphase mit 40.000 Nutzern folgt weitere Ausrollung
- Visio basiert auf Open-Source-Projekt LiveKit unter Apache-2.0-Lizenz
- Jährliche Einsparung von einer Million Euro pro 100.000 Nutzer erwartet
- Digitale Souveränität soll Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen verringern
- Teil der umfassenderen Suite Numérique zum Ersatz weiterer Dienste
Siehe auch:
- Unabhängigkeit: Europas Forschungsdaten sollen von US-Clouds runter
- IStGH wirft MS Office raus und setzt auf deutsches Open-Source-Projekt
- Die Lawine rollt: Nächste Stadt in Europa schmeißt Microsoft Office raus
- Dänemark bleibt doch bei Windows, Office wird aber rausgeschmissen
- US-Abhängigkeit senken: Zwei deutsche Firmen bauen Office-Alternative
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