Speicherkrise: Asus fährt Produktion von DDR4-Mainboards wieder hoch

Die Speicherkrise zwingt Hersteller zum Umdenken. Asus plant offenbar, die Produktion älterer Mainboards wieder hochzufahren. Daher könnten AM4 und LGA-1700 im Jahr 2026 ein unerwartetes Comeback feiern. Eine Dauerlösung ist das aber wohl nicht.
Logo, Asus, Chiphersteller

Strategiewechsel in der Krise

Da der Speichermarkt aufgrund der KI-Ambitionen von Unternehmen wie Nvidia und Google momentan leer gefegt wird, scheint es bei Hardware für Endverbraucher momentan rückwärts zu gehen. Anstatt DDR5 ist DDR4 wieder hoch im Kurs. Samsung hat die Produktion des älteren Speichers bereits verlängert. Zuletzt gab es sogar Gerüchte, Asus würde eine eigene Herstellung starten. Zudem heißt es nun, dass das Unternehmen aus Taiwan jetzt bei seinen Mainboards eine neue Richtung einschlägt. Anstatt den Fokus ausschließlich auf die neuesten High-End-Plattformen zu legen, soll die Fertigung von Mainboards, die DDR4 unterstützen, im ersten Quartal 2026 signifikant ausgeweitet werden.

Dieser Schritt betrifft primär zwei Plattformen, die eigentlich schon als Auslaufmodelle galten: Den Sockel AM4 von AMD sowie den Sockel LGA-1700 von Intel. Asus beabsichtigt wohl, insbesondere die Produktion von Platinen mit den Chipsätzen B550 und A520 für AMD-Systeme zu erhöhen. Parallel dazu soll für Intel-Prozessoren der 12., 13. und 14. Generation die Verfügbarkeit von Mainboards mit B760- und H610-Chipsätzen verbessert werden, sofern diese über DDR4-Speicherbänke verfügen.


Technisch müssen Nutzer dabei zwar auf die theoretisch höheren Bandbreiten von PCIe 5.0 verzichten, doch für Gaming-PCs der Mittelklasse stellen die PCIe-4.0-Schnittstellen dieser Boards meist keinen spürbaren Flaschenhals dar. Asus reagiert damit pragmatisch auf den Bedarf von PC-Buildern, die aufgrund der explodierenden Kosten für DDR5-Komponenten nach bezahlbaren Alternativen suchen.

Rückkehr zu bewährter Technik

Wie aus einem aktuellen Bericht der Foren von Board Channels (via WccfTech) hervorgeht, plant Asus konkrete Anpassungen innerhalb der Lieferkette. Demnach soll die Versorgung des Online-Handels mit Mainstream-Modellen wie dem B760M und H610M-G priorisiert werden, um der dortigen Nachfrage gerecht zu werden. Diese Micro-ATX-Boards sind besonders bei preisbewussten Käufern beliebt. Für den stationären Einzelhandel sollen bestehende Lieferpläne stabil gehalten werden, um zumindest dort die Regallücken zu minimieren. Diese Maßnahme verdeutlicht, dass die Industrie gezwungen ist, auf ältere Fertigungslinien zurückzugreifen, um überhaupt voll funktionsfähige Gaming-PCs in einem massentauglichen Preisrahmen anbieten zu können.

Die Entscheidung ist angesichts der Preisentwicklung nachvollziehbar. Der Durchschnittspreis für ein 32-Gigabyte-Kit DDR5-Speicher ist seit September um rund 250 Prozent gestiegen. Das hat dazu geführt, dass ältere Prozessoren eine Renaissance erleben. In den USA und Europa sind bereits wieder CPUs wie der Ryzen 7 5800XT oder der Ryzen 5 5500 in den Bestseller-Listen bei großen Versandhändlern wie Amazon zu finden. Die AM4-Plattform, die ursprünglich bereits 2017 eingeführt wurde, erweist sich somit als ungewöhnlich langlebiges System.

Engpässe trotz Produktionsschub

Obwohl eine erhöhte Produktion von DDR4-kompatiblen Mainboards kurzfristig Entlastung verspricht, warnen Marktanalysten vor neuen Engpässen an anderer Stelle. Auch die Bestände an leistungsfähigen älteren CPUs, wie den beliebten X3D-Modellen der Ryzen-5000-Serie, sind endlich. Sollte sich der Fokus der Käufer nun massiv auf die Restbestände der Vorgängergenerationen verlagern, könnten auch hier die Preise in die Höhe schnellen.

Für den Moment bietet Asus mit der Produktionssteigerung aber eine funktionierende Lösung. Es bleibt abzuwarten, ob andere Mainboard-Hersteller wie MSI oder Gigabyte diesem Beispiel folgen, um die Lücke zu füllen, die der Hype um KI-Hardware in den Regalen der klassischen PC-Händler hinterlassen hat. Solange die Fertigungskapazitäten für DRAM-Chips durch den Bedarf an HBM-Speicher blockiert sind, bleibt der Rückgriff auf Bestands-Technologie vermutlich das Gebot der Stunde.

Was meint ihr dazu? Seht ihr die Rückkehr zu DDR4 als vernünftige Notlösung für 2026 oder wartet ihr lieber, bis sich die DDR5-Preise wieder stabilisieren? Schreibt es uns in die Kommentare.
Zusammenfassung
  • Asus steigert wohl Produktion von DDR4-Mainboards für AM4 und LGA-1700
  • B550 und A520 Chipsätze für AMD sowie B760 und H610 für Intel im Fokus
  • Micro-ATX-Boards für den Online-Handel werden besonders priorisiert
  • PCIe 4.0 stellt für Gaming-PCs der Mittelklasse keinen Flaschenhals dar
  • Ältere Prozessoren wie Ryzen 7 5800XT erleben unerwartete Renaissance
  • Marktexperten warnen vor möglichen Engpässen bei älteren CPU-Modellen
  • Speicherknappheit durch KI-Boom führt zu 250 Prozent Preisanstieg bei DDR5

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