GoFundMe erstellt selbst Spendenseiten - teils ohne Wissen der Vereine

Die Spendenplattform GoFundMe hat ein neues Produkt vorgestellt, das Spenden für gemeinnützige Organisationen erleichtern soll. Allerdings wissen viele Vereine und Einrichtungen gar nichts von den automatisch erstellten Seiten.
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C. Dubovan / Unsplash

Millionen Organisationen betroffen

So erging es beispielsweise Dave Dornlas, dem Schatzmeister des Vereins Friends of the San Bruno Public Library. Als ihn die örtliche Bibliothek anrief, weil ein Besucher online eine GoFundMe-Seite im Namen des Bibliotheksvereins entdeckt hatte, war Dornlas ratlos. "Wir hatten diese Seite nie eingerichtet und wussten nicht, woher sie kam", sagte er gegenüber dem Regionalsender ABC7.

Wie sich herausstellte, hatte GoFundMe selbst die Seite erstellt, ohne die Organisation zu informieren. Dies ist kein Einzelfall: Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben für 1,4 Millionen gemeinnützige US-Organisationen automatisch Seiten angelegt. Grundlage sind öffentliche Daten des Finanzamts sowie Informationen von Partnern wie dem PayPal Giving Fund.


Laut GoFundMe soll das Menschen weltweit ermöglichen, schnell und unkompliziert an gemeinnützige Einrichtungen zu spenden - auch dann, wenn diese selbst keine aktive Kampagne betreiben. "Wir haben festgestellt, dass viele Nutzer ohnehin über GoFundMe spenden wollten", erklärt Krista Lamp, Senior Director of Non-Profit Communications. 2024 habe das Unternehmen über 70.000 Nonprofits unterstützt.

Plattform profitiert

Organisationen können die automatisch erstellten Seiten übernehmen ("claimen") und dadurch Einblick in Spenderdaten und Gestaltungsmöglichkeiten erhalten. Dafür müssten sie aber vor allem auch davon Wissen, dass auf der Plattform Spenden für sie gesammelt werden. GoFundMe kündigte an, zukünftig stärker direkt mit Nonprofits zu kommunizieren. Eine umfassendere Kontaktaufnahme sei für die kommenden Monate geplant. Dornlas berichtet allerdings, dass er zunächst niemanden bei GoFundMe erreichen konnte, erst nach Einschalten des Fernsehsenders habe sich das Unternehmen gemeldet.

Völlig uneigennützig ist die Sache seitens GoFundMe nicht. Denn Nutzer werden beim Spenden aufgefordert, der Plattform selbst ein optionales "Trinkgeld" von bis zu 16,5 Prozent zu geben. "Sie bitten um Spenden für sich selbst - das wirkt fragwürdig", so Dornlas. Zusätzlich fällt für Nonprofits eine Transaktionsgebühr von 2,2 Prozent plus 30 Cent pro Spende an. GoFundMe betont, die freiwilligen Beiträge ermöglichten den Betrieb der Plattform und den Kundendienst.

Zusammenfassung
  • GoFundMe erstellt automatisch Spendenseiten für 1,4 Millionen Vereine
  • Betroffene Organisationen werden über die erstellten Seiten nicht informiert
  • Grundlage der Seiten sind öffentliche Daten des Finanzamts und von Partnern
  • Vereine können die Seiten übernehmen und erhalten dann Zugang zu Spenderdaten
  • Plattform verdient durch optionale Trinkgelder von bis zu 16,5 Prozent
  • Zusätzlich fallen Transaktionsgebühren von 2,2 Prozent plus 30 Cent pro Spende an
  • GoFundMe plant in den kommenden Monaten eine bessere Kommunikation

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