Kleinstes individuell ansteuerbares OLED-Pixel der Welt kommt aus DE

Ein winziges Licht mit großer Zukunft: Forschende der Universität Würzburg haben das bisher kleinste OLED-Pixel der Welt gebaut - nur 300 Nanometer groß. Damit könnte die Miniaturisierung Lichtquellen in eine völlig neue Größenordnung bringen.
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Kleiner gab es bisher nicht

Wenn man heute auf ein Smartphone- oder VR-Display blickt, sieht man Millionen winziger Leuchtpunkte. Jeder davon ist ein Pixel - ein eigener, selbstleuchtender Punkt aus organischen Halbleitern. In den vergangenen Jahren wurden diese OLED-Pixel immer kleiner und präziser. Doch irgendwann scheint Schluss zu sein: Unterhalb einer bestimmten Größe verlieren sie ihre Stabilität - sie flackern, überhitzen oder gehen kaputt.

Der Grund liegt tief im Aufbau der winzigen Dioden. Ein OLED besteht aus mehreren extrem dünnen Schichten, zwischen denen Elektronen und sogenannte "Löcher" - positiv geladene Teilchen - aufeinandertreffen und Licht erzeugen. Wenn die Elektroden, die diesen Strom leiten, auf Nanogröße schrumpfen, bekommen ihre Kanten plötzlich eine enorme Bedeutung. Dort konzentriert sich das elektrische Feld, es entstehen winzige Stromspitzen - "Hotspots". Diese führen dazu, dass sich das Material lokal erhitzt und winzige Metallfäden wachsen, die den Strom kurzschließen. Das ist der Punkt, an dem Miniaturisierung bisher endete.


Ein Team der Universität Würzburg hat nun genau diesen Engpass überwunden. Die Forscher um Cheng Zhang, Björn Ewald und Bert Hecht entwickelten eine Methode, um die scharfen Ränder der Elektroden buchstäblich zu entschärfen: Sie überzogen die Kanten mit einer hauchdünnen Isolationsschicht, die nur in der Mitte eine winzige Öffnung lässt - eine "Nanoapertur". Durch sie fließt der Strom gleichmäßig und erzeugt Licht genau dort, wo er soll.

Technische Kennwerte der Studie:

So gelang es, einzelne OLED-Pixel auf nur 300 Nanometer Kantenlänge zu verkleinern - kleiner als die Wellenlänge des sichtbaren Lichts. Damit ist jedes Pixel mehr als 230-mal schmaler als ein menschliches Haar. Trotzdem leuchtet es stabil, mit bis zu 3000 Candela pro Quadratmeter, einer für Nanopixel außergewöhnlich hohen Effizienz von etwa 1 %, und einer Reaktionszeit, die selbst Video-Bildraten übertrifft.

Das Besondere: Das Goldplättchen unter dem Pixel wirkt zugleich als winzige Antenne. Es verstärkt die Lichtwellen und strahlt sie gezielt nach außen ab - ein Effekt, der aus der Nanophotonik stammt. Durch diese Kopplung von Elektronen und Lichtwellen ("Plasmonen") wird das Leuchten der Nano-OLED erst möglich. Die Ergebnisse erschienen in Science Advances (Oktober 2025).

Was heute noch ein Laborerfolg ist, könnte in Zukunft völlig neue Wege für Display- und Sensortechnologien eröffnen. Nanopixel dieser Art wären die Grundlage für ultrahochauflösende Brillendisplays, bei denen kein "Screen-Door-Effekt" mehr sichtbar wäre - oder für photonische Schaltkreise, in denen Licht statt Strom rechnet.

Was sind organische Leuchtdioden (OLEDs)?
OLEDs sind leuchtende Dünnschichtbauelemente aus organisch halbleitenden Materialien, die sich von anorganischen LEDs durch geringere Stromdichte und Leuchtdichte unterscheiden. Sie benötigen keine einkristallinen Materialien.

Der Aufbau besteht aus mehreren Schichten: Anode (meist Indium-Zinn-Oxid), Lochleitungsschicht, Emitterschicht mit organischen Farbstoffen, optionale Elektronenleitungsschicht und Kathode aus Metall mit geringer Austrittsarbeit.

Elektronen und Löcher treffen sich in der Emitterschicht, bilden Exzitonen und emittieren beim Zerfall Photonen. Die Lichtfarbe hängt vom verwendeten Farbstoffmolekül ab.
Welche OLED-Typen gibt es für Displays?
RGB-OLEDs haben separate rote, grüne und blaue Subpixel mit großem Farbraum (› 100 % NTSC) und geringer Leistungsaufnahme. Die Herstellung erfolgt über Fine Metal Masks, was bei großen Displays zu hohen Kosten führt.

W-OLEDs verwenden weiß leuchtende Pixel mit Farbfiltern für RGB-Farben. Sie sind einfacher zu produzieren, haben aber höheren Energieverbrauch und kleineren Farbraum als RGB-OLEDs.

QD-OLEDs kombinieren blaue organische Pixel mit Quantenpunkten für Rot und Grün. Samsung erreicht damit 90 % BT2020-Farbraum und 1.500 nit Spitzenhelligkeit - deutlich besser als W-OLEDs.
Was sind die Vorteile gegenüber LCD-Displays?
OLEDs benötigen keine Hintergrundbeleuchtung und erreichen dadurch echtes Schwarz und unendlich hohe Kontraste. Schwarze Pixel emittieren kein Licht, was auch Energie spart.

Die Reaktionszeiten liegen bei 0,2-3 Millisekunden - deutlich schneller als LCD mit 1-10 ms. Dies verbessert die Bewegtbildschärfe erheblich.

OLEDs können extrem dünn gebaut werden (bis 0,3 mm) und sind flexibel herstellbar. Die Produktion als gedruckte Elektronik ohne teure Vakuumtechnik senkt potenziell die Kosten.
Welche Nachteile haben OLEDs noch?
Die Lebensdauer ist begrenzt: Blaue OLEDs altern am schnellsten. 2011 erreichten weiße OLEDs 5000 Stunden bei 1000 cd/m², während LCD-LEDs 30.000 Stunden erreichten.

Burn-in-Effekte durch statische Bildinhalte sind möglich, da verschiedene Bereiche unterschiedlich schnell altern. Auch die Lichtausbeute ist mit 40-60 lm/W geringer als bei modernen LEDs.

OLEDs reagieren empfindlich auf Sauerstoff und Feuchtigkeit, was aufwendige Kapselung erfordert. Dies beeinträchtigt die Flexibilität und kann zu "Dark Spots" durch Korrosion führen.
Wie entwickelte sich die OLED-Technologie?
1987 entwickelten Tang und Van Slyke bei Kodak die erste moderne OLED mit Zweischichtstruktur. 2003 kamen erste Handys mit OLED-Displays, 2007 der erste OLED-Fernseher von Sony.

LG dominierte lange den TV-Markt mit W-OLED-Technologie, während Samsung 2015 ausstieg. 2022 kehrte Samsung mit QD-OLED-Fernsehern zurück und erreichte neue Rekorde bei Helligkeit und Farbraum.

Heute werden OLEDs massenhaft in Smartphones produziert. Flexible Displays ermöglichen faltbare Geräte. Der nächste Schritt könnte MicroLED sein - anorganische Nanostäbchen statt organischer Materialien.
Zusammenfassung
  • Forscher aus Würzburg entwickelten weltweit kleinste OLED-Pixel mit 300nm
  • Bisherige Miniaturisierung scheiterte an Überhitzung und Instabilität
  • Durchbruch durch Isolationsschicht mit Nanoapertur an den Elektrodenrändern
  • Goldplättchen unter dem Pixel fungiert gleichzeitig als verstärkende Antenne
  • Erreicht wurden 3000 cd/m² Leuchtdichte bei einem Prozent Effizienz
  • Pixel sind 230-mal schmaler als ein menschliches Haar und dennoch stabil
  • Technologie könnte Zukunft von Displays und photonischen Schaltkreisen prägen

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