Deshalb ist die Endurance von Polarforscher Shackleton gesunken
Eine neue Studie stellt die gängige Geschichtsschreibung zur berühmten Endurance-Expedition infrage. Polarforscher Ernest Shackleton wusste offenbar bereits vor der Antarktis-Reise 1915 von den strukturellen Schwächen seines Schiffs.
Die Endurance geriet im Januar 1915 im Packeis des Weddellmeers fest und sank schließlich im November desselben Jahres. Alle 28 Besatzungsmitglieder überlebten zunächst auf dem Eis, bevor sie mit Rettungsbooten die Insel Elephant Island erreichten. Damit war die Geschichte ein Erfolg im Misserfolg, denn die heroische Rettungsaktion gilt bis heute als eine der größten Überlebensgeschichten der Polarforschung.
Jukka Tuhkuri, Professor für Festkörpermechanik an der finnischen Aalto University und einer der weltweit führenden Eisforscher, analysierte die Struktur des Schiffs für eine in der Fachzeitschrift Polar Record veröffentlichte Studie (via Ars Technica): "Schon einfache strukturelle Analysen zeigen, dass das Schiff nicht für die kompressiven Packeisbedingungen ausgelegt war, die es schließlich versenkten", erklärt Tuhkuri. Der Wissenschaftler war einer von 15 Forschern der Endurance22-Mission, die das Wrack im Jahr 2022 in 3008 Metern Tiefe entdecken konnten.
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Das Wrack bestätigte diese Schwächen: Der Rumpf brach genau an den von Tuhkuri identifizierten schwächsten Stellen. Die Endurance war ursprünglich als Luxusjacht für Polartouren wohlhabender Touristen konzipiert worden, nicht als robustes Forschungsschiff für extreme Eisbedingungen.
Die Gefahren von beweglichem Eis und Kompressionslasten sowie die entsprechende Schiffskonstruktion waren vor 1915 bereits gründlich erforscht. Andere Polarschiffe jener Zeit, wie die Fram des norwegischen Forschers Fridtjof Nansen, überlebten monatelang in gefrorenem Kompressionseis. Das wirft die Frage auf, warum Shackleton ein Schiff wählte, das nicht für solche Bedingungen verstärkt war.
Die Studie will keineswegs von den heroischen Leistungen Shackletons und seiner Männer ablenken, die vor über hundert Jahren zum Weddellmeer reisten, betont Tukhkuri . Die Erkenntnisse widerlegen jedoch die vereinfachte Vorstellung, dass das Ruder die Achillesferse des Schiffs war.
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Siehe auch:
Strukturelle Mängel statt Ruderschaden
Das Schiff des britischen Polarforschers Sir Ernest Shackleton hatte strukturelle Schwächen, die es deutlich weniger robust machten als andere frühe Polarschiffe. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung stellt damit die romantische Erzählung infrage, dass die Endurance das stärkste Polarschiff ihrer Zeit gewesen sei und dennoch gesunken ist.Die Endurance geriet im Januar 1915 im Packeis des Weddellmeers fest und sank schließlich im November desselben Jahres. Alle 28 Besatzungsmitglieder überlebten zunächst auf dem Eis, bevor sie mit Rettungsbooten die Insel Elephant Island erreichten. Damit war die Geschichte ein Erfolg im Misserfolg, denn die heroische Rettungsaktion gilt bis heute als eine der größten Überlebensgeschichten der Polarforschung.
Jukka Tuhkuri, Professor für Festkörpermechanik an der finnischen Aalto University und einer der weltweit führenden Eisforscher, analysierte die Struktur des Schiffs für eine in der Fachzeitschrift Polar Record veröffentlichte Studie (via Ars Technica): "Schon einfache strukturelle Analysen zeigen, dass das Schiff nicht für die kompressiven Packeisbedingungen ausgelegt war, die es schließlich versenkten", erklärt Tuhkuri. Der Wissenschaftler war einer von 15 Forschern der Endurance22-Mission, die das Wrack im Jahr 2022 in 3008 Metern Tiefe entdecken konnten.
Auf YouTube ansehenMehrere konstruktive Schwachstellen
Die Untersuchung kombiniert technische Analysen mit Tagebucheinträgen und Korrespondenz der Expedition. Dabei kommen mehrere strukturelle Mängel zum Vorschein: Die Deckbalken und Spanten waren schwächer dimensioniert als bei vergleichbaren Polarschiffen. Der Maschinenraum war ungewöhnlich lang und "führte zu einer erheblichen Schwächung eines großen Teils des Rumpfes", wie Tuhkuri erläutert. Außerdem fehlten diagonale Verstrebungen zur Stabilisierung des Schiffsrumpfs - eine bereits damals bekannte Verstärkungstechnik.Das Wrack bestätigte diese Schwächen: Der Rumpf brach genau an den von Tuhkuri identifizierten schwächsten Stellen. Die Endurance war ursprünglich als Luxusjacht für Polartouren wohlhabender Touristen konzipiert worden, nicht als robustes Forschungsschiff für extreme Eisbedingungen.
Shackleton kannte die Risiken
Besonders brisant sind die Erkenntnisse über Shackletons Wissen um diese Probleme. Vor der Abreise beklagte er in einem Brief an seine Frau die Schwächen des Schiffs und äußerte, er würde die Endurance jederzeit gegen sein vorheriges Schiff, die Nimrod, eintauschen. Tatsächlich hatte er beim Besuch einer norwegischen Werft diagonale Verstrebungen für ein anderes Polarschiff empfohlen - genau jene Verstärkungen, die seiner eigenen Endurance fehlten.Die Gefahren von beweglichem Eis und Kompressionslasten sowie die entsprechende Schiffskonstruktion waren vor 1915 bereits gründlich erforscht. Andere Polarschiffe jener Zeit, wie die Fram des norwegischen Forschers Fridtjof Nansen, überlebten monatelang in gefrorenem Kompressionseis. Das wirft die Frage auf, warum Shackleton ein Schiff wählte, das nicht für solche Bedingungen verstärkt war.
Finanzielle Zwänge
Die Forscher können nur über finanzielle Zwänge oder Zeitdruck spekulieren. Shackleton hatte bereits erhebliche Schulden aus früheren Expeditionen und stand unter enormem Druck, seine Trans-Antarctic Expedition zu starten, bevor andere Forscher ihm zuvorkamen. Die Endurance war verfügbar und relativ günstig zu erwerben - möglicherweise entscheidende Faktoren bei der Schiffswahl.Die Studie will keineswegs von den heroischen Leistungen Shackletons und seiner Männer ablenken, die vor über hundert Jahren zum Weddellmeer reisten, betont Tukhkuri . Die Erkenntnisse widerlegen jedoch die vereinfachte Vorstellung, dass das Ruder die Achillesferse des Schiffs war.
Was haltet ihr von dieser neuen Sichtweise auf Shackletons berühmte Expedition? Teilt eure Gedanken zu den Erkenntnissen in den Kommentaren!
Zusammenfassung
- Neue Studie enthüllt strukturelle Schwächen bei Shackletons Polarschiff
- Endurance war deutlich weniger robust als andere Polarschiffe dieser Zeit
- Deckbalken, Spanten und fehlende Verstrebungen machten das Schiff anfällig
- Shackleton kannte die Mängel des Schiffs bereits vor der Abreise
- Wrackanalyse bestätigt: Rumpf brach an den schwächsten konstruktiven Stellen
- Ursprünglich als Touristenyacht konzipiert statt als robustes Forschungsschiff
- Finanzielle Zwänge könnten Shackletons Entscheidung beeinflusst haben
Siehe auch:
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