Neues Kohlenstoffdesign macht Superkondensator-Akkus alltagstauglich

Gespeicherte Energie steckt nicht nur in Batterien oder dem Tank. Auch in hauchdünnen Kohlenstoffschichten kann sich ein immenses Potenzial verbergen. Jetzt ist es gelungen, diese Energie neu zu ordnen - und eine Grenze der Speichertechnik zu verschieben.
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WinFuture / Ki-generiert

Ein Durchbruch für Superkondensatoren

Superkondensatoren - auch Ultrakondensatoren genannt - gelten seit Jahrzehnten als Hoffnungsträger für die Energiespeicherung. Ihr Vorteil liegt in der extrem schnellen Lade- und Entladefähigkeit. Doch weil ihre Energiedichte stets weit hinter Batterien zurückblieb, blieben sie trotz vieler Versuche vor allem auf Nischenanwendungen wie Notstromsysteme, Bremsenergierückgewinnung oder Spezialelektronik beschränkt.

Das Problem, das die Nutzung im Alltag verhindert, war bekannt: Superkondensatoren speichern Strom nicht chemisch wie Batterien, sondern elektrostatisch. Das macht die hervorragenden Ladefähigkeiten möglich, sorgt aber traditionell für viel weniger Energiedichte. Der Grund: Nur ein kleiner Teil der Oberfläche des eingesetzten Kohlenstoffmaterials stand den Ladungsträgern tatsächlich zur Verfügung.


Unser Team hat gezeigt, wie man durch eine einfache Anpassung der Wärmebehandlung des Materials einen wesentlich größeren Teil dieser Oberfläche nutzbar machen kann.
Professor Mainak Majumder
Ein Team um den Ingenieur Mainak Majumder an der Monash University hat genau hier angesetzt. Durch eine spezielle Hitzebehandlung verwandelten sie gewöhnliches Grafit in ein Material mit neuen Eigenschaften: "multiskalig reduziertes Graphenoxid", kurz M-rGO. Die Schichten sind so stark gekrümmt, dass Ionen darin über definierte Bahnen zirkulieren können - fast ohne Hindernis. Das Ergebnis: Erstmals vereinen sich hohe Energiedichte und hohe Leistungsdichte in einem Superkondensator. Wunderwerkstoff GraphenDie neue Anordnung M-rGO im Vergleich (KI-Illustration/Basis: Nature) Die Tests an sogenannten Pouch-Zellen zeigten Werte, die bisher kaum erreichbar schienen: Energiedichten bis knapp 100 Wattstunden pro Liter, Leistungsdichten über 69 Kilowatt pro Liter und ein stabiles Verhalten über viele Ladezyklen. Damit bewegen sich die Speicher im Bereich klassischer Bleiakkus - laden jedoch um ein Vielfaches schneller.

Umsetzung läuft

Nun geht es an die Umsetzung. Das Monash-Spin-off "Ionic Industries" stellt bereits kommerzielle Mengen des Materials her und sucht Partner für konkrete Anwendungen. Unterstützt wird das Projekt nicht nur von australischen Förderprogrammen, sondern auch von der US Air Force, die sich für schnelle, robuste Energiespeicher interessiert.

Und was kommt jetzt? Sollte sich das Verfahren im industriellen Maßstab bewähren, könnten Superkondensatoren viele Rollen übernehmen, die bislang Batterien vorbehalten waren: schnelle Energiespeicher für Elektrofahrzeuge, Netzstabilisierung oder tragbare Elektronik. Damit wäre eine neue Generation von Stromspeichern in Sicht, die Geschwindigkeit und Kapazität auf neue Weise verbindet.

Was sind Batteriespeicher?
Batteriespeicher sind Systeme, die überschüssige elektrische Energie speichern und bei Bedarf wieder abgeben können. Sie dienen als zentrale Bausteine für ein stabiles Stromnetz im Zuge der Energiewende und helfen, Schwankungen bei der Einspeisung erneuerbarer Energien auszugleichen.

In Deutschland boomen derzeit besonders Großbatteriespeicher, die Hunderte Megawatt Leistung bieten können. Allein beim Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz lagen im Frühjahr 2025 Anschlussanfragen für 90 Gigawatt an Batteriespeichern vor - deutlich mehr als die Leistung der ehemaligen Atomkraftwerke.
Wie funktionieren Energiespeicher?
Energiespeicher nehmen überschüssige Energie auf, bevor sie ins Netz eingespeist wird, und entlasten dadurch aktiv das Stromnetz. Die gespeicherte Energie kann dann bedarfsgerecht wieder eingespeist werden - etwa in Zeiten hoher Netzlast oder geringer Erzeugung aus erneuerbaren Quellen.

Je nach Technologie werden unterschiedliche physikalische oder chemische Prozesse genutzt. Bei Lithium-Ionen-Batterien wandern Lithium-Ionen zwischen Anode und Kathode, während bei Redox-Flow-Batterien zwei flüssige Elektrolyte in separaten Tanks gespeichert werden und die Energie in chemischen Verbindungen speichern.
Welche Speichertypen gibt es?
Es existieren verschiedene Arten von Energiespeichern, die sich nach Speicherkapazität, Reaktionszeit und Einsatzbereich unterscheiden. Lithium-Ionen-Batterien dominieren aktuell den Markt mit einem Wirkungsgrad von 90-95% und hoher Energiedichte.

Weitere wichtige Technologien sind Natrium-Ionen-Batterien (günstiger, aber geringere Energiedichte), Redox-Flow-Batterien (skalierbar, aber komplexer Aufbau), Pumpspeicherkraftwerke (für große Energiemengen) und Schwungmassenspeicher. Zudem werden Wasserstoffspeicher für die Langzeitspeicherung erforscht.
Wofür brauchen wir Speicher?
Energiespeicher sind für die Energiewende unverzichtbar, da sie die volatile Einspeisung aus erneuerbaren Energien ausgleichen. Wind- und Solarenergie unterliegen wetter- und tageszeitbedingten Schwankungen, während der Strombedarf relativ konstant bleibt.

Batteriespeicher ermöglichen es, überschüssigen Strom aus Zeiten hoher Erzeugung für Phasen mit geringer Erzeugung zu speichern. So stabilisieren sie das Stromnetz, erhöhen die Versorgungssicherheit und senken durch effiziente Nutzung erneuerbarer Energien langfristig die Strompreise.
Wie gut sind Heimspeicher?
Heimspeicher für Photovoltaikanlagen haben sich in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt und bieten Privathaushalten die Möglichkeit, ihren Eigenverbrauch zu optimieren. Die Technik ist ausgereift und zuverlässig, mit Wirkungsgraden von bis zu 95% bei modernen Systemen.

Die Marktführer in Deutschland sind laut Daten von 2024 BYD mit 21,6% Marktanteil, gefolgt von Huawei (12,4%) und Sungrow (11,5%). Deutsche Hersteller wie Sonnen (4,7%), E3/DC (4,3%) und Varta (1,3%) spielen ebenfalls eine wichtige Rolle auf dem Markt.
Was kostet ein Batteriespeicher?
Die Kosten für Batteriespeicher sind in den letzten Jahren erheblich gesunken. Laut der Internationalen Energieagentur sind Lithium-Ionen-Akkus seit 2015 um fast 70 Prozent im Preis gefallen, was sowohl privaten Haushalten als auch Unternehmen zugutekommt.

Für Heimspeicher müssen Privathaushalte je nach Kapazität und Hersteller aktuell zwischen 5.000 und 15.000 Euro investieren. Großspeicher für Industrieanwendungen kosten je nach Leistung und Technologie mehrere Millionen Euro, wobei sich durch fallende Batteriepreise und politische Anreize attraktive Geschäftsmodelle entwickeln.
Lohnt sich ein Batteriespeicher?
Die Wirtschaftlichkeit eines Batteriespeichers hängt von verschiedenen Faktoren ab: Strompreis, Einspeisevergütung, Eigenverbrauchsanteil, Anschaffungskosten und Lebensdauer. Bei steigenden Strompreisen und sinkenden Speicherkosten wird die Investition zunehmend attraktiver.

Für Privathaushalte mit Photovoltaikanlage beträgt die Amortisationszeit derzeit etwa 8-12 Jahre. Durch Förderungen oder weiter steigende Strompreise kann sich diese Zeit verkürzen. Neben wirtschaftlichen Aspekten spielen auch der Wunsch nach Unabhängigkeit und der Beitrag zur Energiewende eine wichtige Rolle bei der Entscheidung.
Was bringt die Zukunft?
Die Zukunft der Energiespeicherung liegt in der Weiterentwicklung bestehender und neuer Technologien. Natrium-Ionen-Batterien gewinnen als kostengünstige Alternative zu Lithium-Ionen-Batterien an Bedeutung, während Redox-Flow-Batterien für Großspeicher interessant werden.

Auch die Integration von Elektrofahrzeugen als mobile Speicher (Vehicle-to-Grid) zeigt großes Potenzial: 20 Millionen E-Autos könnten theoretisch 1.200 GWh Speicherkapazität bieten. Zudem arbeiten Forscher an hybriden Energiespeichern und KI-optimierten Speicherlösungen, um die Effizienz von Energiesystemen weiter zu verbessern.
Zusammenfassung
  • Spezielles Kohlenstoffdesign ermöglicht Durchbruch bei Superkondensatoren
  • Wissenschaftler entwickeln multiskalig reduziertes Graphenoxid für Ladezirkulation
  • Neue Technologie verbindet erstmals hohe Energie- und Leistungsdichte
  • Speicher erreichen knapp 100 Wattstunden pro Liter bei extremer Ladegeschwindigkeit
  • Australisches Spin-off "Ionic Industries" beginnt mit kommerzieller Produktion
  • US Air Force und australische Förderprogramme unterstützen die Entwicklung
  • Potenzielle Anwendungen reichen von Elektrofahrzeugen bis zur Netzstabilisierung

Siehe auch:


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