Verschwörungsgläubige überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten massiv

Anhänger von Verschwörungsmythen wird man nicht nur durch emotionale Bedürfnisse oder eine krude Weltsicht. Ein wesentlicher Faktor ist auch ein übersteigertes Vertrauen in die eigenen kognitiven Fähigkeiten - man hält sich also für klüger als andere.
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Auch Zustimmung wird überschätzt

Eine neue psychologische Untersuchung, veröffentlicht im Personality and Social Psychology Bulletin, zeigt: Menschen, die an Verschwörungserzählungen glauben, halten sich selbst für besonders kompetent. Außerdem überschätzen sie stark, wie viele andere ihre Überzeugungen teilen.

Der Psychologe Gordon Pennycook von der Cornell University, einer der Studienautoren, erklärt: "Ich hatte erwartet, dass Verschwörungsgläubige überdurchschnittlich von sich überzeugt sind. Überraschend war jedoch, wie stark sie davon ausgehen, dass andere ihre Meinung teilen - sie glauben bis zu viermal häufiger, dass sie mit ihrer Ansicht in der Mehrheit sind."


In insgesamt acht Teilstudien wurden über 4000 Erwachsene in den USA zu ihren Überzeugungen befragt, darunter auch verbreitete Verschwörungsnarrative wie die angeblich gefälschte Mondlandung oder zum Tod von Prinzessin Diana. Zudem mussten sie Aufgaben lösen, bei denen ihre tatsächliche Leistung von ihrer Selbsteinschätzung abwich. Die Ergebnisse zeigten einen deutlichen Zusammenhang: Je selbstbewusster die Teilnehmer hinsichtlich ihrer geistigen Fähigkeiten waren, desto anfälliger waren sie für Verschwörungstheorien.

Pennycooks Steckenpferd

Ein weiterer zentraler Befund: Während im Durchschnitt nur rund 12 Prozent der Teilnehmer an bestimmte Verschwörungsmythen glaubten, schätzten deren Anhänger, dass 93 Prozent der Bevölkerung ihnen zustimmen würden. Diese massive Fehleinschätzung deutet laut Pennycook auf einen ausgeprägten "falschen Konsenseffekt" hin - die irrige Annahme, die eigene Meinung sei weitverbreitet.

Pennycook ist in der Forschung zu kognitiven Verzerrungen kein Unbekannter. Bereits 2015 erregte er Aufsehen mit einer Studie über "pseudo-tiefsinnige Aussagen", für die er später mit dem satirischen Ig-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Die aktuelle Studie rückt nun ein weiteres psychologisches Element in den Fokus: übertriebene Selbstsicherheit. Sie scheint nicht nur mit der Anfälligkeit für Desinformation einherzugehen, sondern auch mit einem verzerrten Bild von gesellschaftlicher Zustimmung.

Zusammenfassung
  • Verschwörungsgläubige überschätzen ihre eigenen kognitiven Fähigkeiten
  • Neue Studie zeigt massives Selbstvertrauen bei Anhängern von Verschwörungen
  • Betroffene vermuten fälschlicherweise breite Zustimmung in der Bevölkerung
  • Acht Teilstudien mit über 4000 US-Erwachsenen belegen den Zusammenhang
  • Der sogenannte 'falsche Konsenseffekt' verzerrt die Wahrnehmung der Realität
  • Übertriebene Selbstsicherheit geht einher mit Anfälligkeit für Desinformation

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