Tiefsee-Freak: Kuriose Spinne entdeckt, die Methan-Mikroben züchtet
Sie muss nicht jagen, sondern trägt ihr Essen auf dem Rücken - und ernährt sich so indirekt von einem Gas, das Menschen zum Heizen verwenden. Forschende entdeckten ein kuriosen Tier, das gezieltes Methan-Mikroben-Farming betreibt: direkt auf der eigenen Haut.
Nun berichten Meeresbiologen von einer Entdeckung, die selbst erfahrene Tiefseeforschende überrascht hat: eine Meeresspinne, die sich ihre Nahrung buchstäblich auf dem eigenen Körper heranzieht. Mikroben, die sich von Methan ernähren - einem Gas, das an bestimmten Stellen aus dem Meeresboden aufsteigt - bilden eine dichte Schicht auf der harten Außenhaut des Tiers. Und genau diese Mikroben dienen der Spinne offenbar als Futter.
Die Tiere wurden an Methanquellen vor Kalifornien und Alaska entdeckt - an geologisch aktiven Stellen des Meeresbodens, wo gasförmige Kohlenstoffverbindungen ins Wasser dringen. In dieser lebensfeindlichen Umgebung gedeihen spezialisierte Mikroorganismen, die chemische Energie aus diesen Gasen gewinnen. Die neu beschriebenen Spinnen - eine bislang unbekannte Arten der Gattung Sericosura - scheinen sich genau diese Prozesse zunutze zu machen.
Was unter dem Mikroskop wie ein Biofilm aussieht, ist in Wahrheit eine Art Weidefläche: Die Bakterien wachsen auf der Haut des Tiers, verwerten dort das aufsteigende Methan und bauen daraus energiereiche Stoffe wie Zucker und Fette. Die Spinne grast diese Mikroben regelmäßig ab - und gewinnt so ihre Nahrung indirekt aus dem Gasaustritt des Meeresbodens. Die Spinne besitzt mit einem flexiblen Rüssel und feinen Mundzangen das perfekt für das Mikroben-Farming angepasste Werkzeug.
'Sericosura' an Methanquellen vor Kalifornien und Alaska
Besonders bemerkenswert ist eine weitere Beobachtung: Auch die Eiersäcke, die männliche Tiere unter dem Bauch tragen, sind mit denselben Mikroben besiedelt. Die Forschenden vermuten, dass die Mikrobenzucht an die nächste Generation weitergegeben wird - als Teil einer festen, generationsübergreifenden Lebensstrategie.
Die Ergebnisse wurden im Fachjournal PNAS (Juni 2025) veröffentlicht. Sie zeigen: Die Grenze zwischen Wirt und Nahrung, zwischen Oberfläche und Nahrungsquelle, kann in extremen Lebensräumen verschwimmen. In der Tiefsee, wo biologische Produktivität an chemische Prozesse geknüpft ist, entstehen Formen des Zusammenlebens, die sich jeder klassischen Einordnung entziehen.
Siehe auch:
Tiefsee-Spinne züchtet Methan-Bakterien als Nahrung
Die Tiefsee ist der größte Lebensraum unseres Planeten - und zugleich der am wenigsten erforschte. Wo kein Licht mehr hinreicht, kein Pflanzenwachstum möglich ist und der Druck der Wassermassen jedes menschliche Maß sprengt, existieren Tiere, die sich seit Jahrmillionen an die Abwesenheit von Licht, Wärme und Nahrung angepasst haben. Manche filtern organisches Material aus dem Wasser, andere ernähren sich vom sogenannten marinen Schnee - abgestorbenem Plankton und Partikeln, die langsam nach unten sinken.Nun berichten Meeresbiologen von einer Entdeckung, die selbst erfahrene Tiefseeforschende überrascht hat: eine Meeresspinne, die sich ihre Nahrung buchstäblich auf dem eigenen Körper heranzieht. Mikroben, die sich von Methan ernähren - einem Gas, das an bestimmten Stellen aus dem Meeresboden aufsteigt - bilden eine dichte Schicht auf der harten Außenhaut des Tiers. Und genau diese Mikroben dienen der Spinne offenbar als Futter.
Ähnlich wie wir zum Frühstück ein Ei essen, grast die Meeresspinne ihre Körperoberfläche ab - und nimmt dabei die Bakterien als Nahrung auf.
Die Tiere wurden an Methanquellen vor Kalifornien und Alaska entdeckt - an geologisch aktiven Stellen des Meeresbodens, wo gasförmige Kohlenstoffverbindungen ins Wasser dringen. In dieser lebensfeindlichen Umgebung gedeihen spezialisierte Mikroorganismen, die chemische Energie aus diesen Gasen gewinnen. Die neu beschriebenen Spinnen - eine bislang unbekannte Arten der Gattung Sericosura - scheinen sich genau diese Prozesse zunutze zu machen.
Was unter dem Mikroskop wie ein Biofilm aussieht, ist in Wahrheit eine Art Weidefläche: Die Bakterien wachsen auf der Haut des Tiers, verwerten dort das aufsteigende Methan und bauen daraus energiereiche Stoffe wie Zucker und Fette. Die Spinne grast diese Mikroben regelmäßig ab - und gewinnt so ihre Nahrung indirekt aus dem Gasaustritt des Meeresbodens. Die Spinne besitzt mit einem flexiblen Rüssel und feinen Mundzangen das perfekt für das Mikroben-Farming angepasste Werkzeug.
'Sericosura' an Methanquellen vor Kalifornien und Alaska
Besonders bemerkenswert ist eine weitere Beobachtung: Auch die Eiersäcke, die männliche Tiere unter dem Bauch tragen, sind mit denselben Mikroben besiedelt. Die Forschenden vermuten, dass die Mikrobenzucht an die nächste Generation weitergegeben wird - als Teil einer festen, generationsübergreifenden Lebensstrategie.
Evolutionswunder
Das Forschungsteam um Shana Goffredi von der Occidental College in Kalifornien hat die Tiere an Bord eines Forschungsschiffs untersucht. In speziell vorbereiteten Experimenten setzten sie die Meeresspinnen methanhaltigem Wasser aus, in dem der Kohlenstoff zuvor mit Isotopen markiert worden war. Nach wenigen Tagen fand sich dieses markierte Methan - über die Bakterien - in den Geweben der Spinne wieder. Die Tiere nehmen also tatsächlich Methan-basierten Kohlenstoff über ihre "Hautflora" auf.Die Ergebnisse wurden im Fachjournal PNAS (Juni 2025) veröffentlicht. Sie zeigen: Die Grenze zwischen Wirt und Nahrung, zwischen Oberfläche und Nahrungsquelle, kann in extremen Lebensräumen verschwimmen. In der Tiefsee, wo biologische Produktivität an chemische Prozesse geknüpft ist, entstehen Formen des Zusammenlebens, die sich jeder klassischen Einordnung entziehen.
Was ist die Tiefsee?
Die Tiefsee bezeichnet die lichtlosen Bereiche des Meeres, die unterhalb einer Tiefe von etwa 200-1000 Metern liegen. Je nach Definition beginnt sie dort, wo kein Sonnenlicht mehr eindringt oder wo keine Fotosynthese mehr möglich ist.
Sie erstreckt sich über rund 88 % der Ozeanfläche und stellt mit fast 60% Flächenanteil den größten Lebensraum der Erde dar. Die Tiefseezonen werden in Mesopelagial (200-1000 m), Bathypelagial (1000-4000 m), Abyssopelagial (4000-6000 m) und Hadopelagial (6000-11000 m) unterteilt.
Sie erstreckt sich über rund 88 % der Ozeanfläche und stellt mit fast 60% Flächenanteil den größten Lebensraum der Erde dar. Die Tiefseezonen werden in Mesopelagial (200-1000 m), Bathypelagial (1000-4000 m), Abyssopelagial (4000-6000 m) und Hadopelagial (6000-11000 m) unterteilt.
Welche Bedingungen herrschen dort?
In der Tiefsee herrschen extreme Lebensbedingungen: vollständige Dunkelheit, niedriger Sauerstoffgehalt und konstant niedrige Temperaturen zwischen -1 °C und 4 °C. Der Wasserdruck nimmt mit jedem Meter Tiefe zu - in 10.000 Metern Tiefe beträgt er etwa 1.000 bar.
Diese unwirtlichen Bedingungen sind jedoch erstaunlich konstant. Jahreszeitliche Schwankungen beschränken sich hauptsächlich auf die Menge an organischem Material, das von oben herab sinkt und die wichtigste Nahrungsgrundlage darstellt.
Diese unwirtlichen Bedingungen sind jedoch erstaunlich konstant. Jahreszeitliche Schwankungen beschränken sich hauptsächlich auf die Menge an organischem Material, das von oben herab sinkt und die wichtigste Nahrungsgrundlage darstellt.
Wie haben sich Tiere angepasst?
Tiefseetiere haben faszinierende Anpassungen entwickelt: Viele besitzen Biolumineszenz, um in der Dunkelheit zu kommunizieren oder Beute anzulocken. Manche Arten haben entweder extrem große Augen, um jedes Lichtquant zu nutzen, oder sind völlig blind, mit ausgeprägten Tastsinnesorganen.
Weitere Anpassungen umfassen gallertartige Körper beim Blobfisch als Druckausgleich, riesige dehnbare Mäuler beim Pelikanaal zur Nahrungsaufnahme, oder Symbiosen mit Bakterien bei Bartwürmern. Viele Arten sind rot oder transparent gefärbt, um in der Dunkelheit unsichtbar zu bleiben.
Weitere Anpassungen umfassen gallertartige Körper beim Blobfisch als Druckausgleich, riesige dehnbare Mäuler beim Pelikanaal zur Nahrungsaufnahme, oder Symbiosen mit Bakterien bei Bartwürmern. Viele Arten sind rot oder transparent gefärbt, um in der Dunkelheit unsichtbar zu bleiben.
Was ist Biolumineszenz?
Biolumineszenz ist die Fähigkeit von Lebewesen, selbst Licht zu erzeugen. Etwa 90% aller Tiefseeorganismen können leuchten, wobei hauptsächlich blaues Licht produziert wird, das in der Tiefsee am besten sichtbar ist.
Es gibt zwei Arten: Bei der primären Biolumineszenz erzeugt der Organismus selbst Licht durch chemische Reaktionen wie die Oxidation von Luciferin. Bei der sekundären Biolumineszenz leben leuchtende Bakterien in speziellen Organen des Tiers, wie beim Tiefseeanglerfisch, der damit Beute anlockt.
Es gibt zwei Arten: Bei der primären Biolumineszenz erzeugt der Organismus selbst Licht durch chemische Reaktionen wie die Oxidation von Luciferin. Bei der sekundären Biolumineszenz leben leuchtende Bakterien in speziellen Organen des Tiers, wie beim Tiefseeanglerfisch, der damit Beute anlockt.
Gibt es Pflanzen in der Tiefsee?
In der Tiefsee gibt es keine Pflanzen, da unterhalb von etwa 200 Metern Tiefe nicht mehr genügend Sonnenlicht für Fotosynthese vorhanden ist. Die Nahrungskette beginnt hier mit Bakterien oder mit organischem Material, das von oben herab sinkt.
An hydrothermalen Quellen, den sogenannten "Schwarzen Rauchern", bilden chemolithotrophe Bakterien die Basis des Ökosystems. Diese nutzen nicht Licht, sondern chemische Energie aus Schwefelwasserstoff, um organische Verbindungen aufzubauen.
An hydrothermalen Quellen, den sogenannten "Schwarzen Rauchern", bilden chemolithotrophe Bakterien die Basis des Ökosystems. Diese nutzen nicht Licht, sondern chemische Energie aus Schwefelwasserstoff, um organische Verbindungen aufzubauen.
Wie tief ist die Tiefsee?
Die tiefste bekannte Stelle der Weltmeere ist das Challengertief im Marianengraben im Pazifik mit einer Tiefe von etwa 11.034 Metern. Der eigentliche Meeresboden, die sogenannte Tiefseetafel, erstreckt sich durchschnittlich in einer Tiefe zwischen 3.000 und 5.500 Metern.
Die Tiefsee ist dabei nicht flach, sondern durchzogen von untermeerischen Gebirgen und Gräben. Der Mittelozeanische Rücken bildet etwa ein gigantisches Unterwassergebirge, während verschiedene Tiefseegräben besonders tiefe Stellen markieren.
Die Tiefsee ist dabei nicht flach, sondern durchzogen von untermeerischen Gebirgen und Gräben. Der Mittelozeanische Rücken bildet etwa ein gigantisches Unterwassergebirge, während verschiedene Tiefseegräben besonders tiefe Stellen markieren.
Welche bizarren Tiere leben dort?
In der Tiefsee leben einige der seltsamsten Kreaturen unseres Planeten: Der Anglerfisch mit seiner leuchtenden "Angel", der Pelikanaal mit seinem riesigen aufklappbaren Maul oder der geisterhafte Blobfisch mit seinem gallertartigen Körper.
Weitere faszinierende Bewohner sind der bis zu 13 Meter lange Riesenkalmar mit den größten Augen des Tierreichs, der Vampirtintenfisch, der sogar leuchtende Tinte ausstoßen kann, und die bis zu 45 Zentimeter große Riesenassel. Viele dieser Arten sind noch weitgehend unerforscht.
Weitere faszinierende Bewohner sind der bis zu 13 Meter lange Riesenkalmar mit den größten Augen des Tierreichs, der Vampirtintenfisch, der sogar leuchtende Tinte ausstoßen kann, und die bis zu 45 Zentimeter große Riesenassel. Viele dieser Arten sind noch weitgehend unerforscht.
Warum ist die Tiefsee wichtig?
Die Tiefsee ist ein entscheidender Teil des globalen Ökosystems und beeinflusst maßgeblich den Kohlenstoffkreislauf und das Klima. Sie nimmt große Mengen CO₂ auf und wirkt als Kohlenstoffsenke, wodurch die Erwärmung der Atmosphäre verlangsamt wird.
Zudem beherbergt sie eine enorme, noch weitgehend unerforschte Artenvielfalt. Wissenschaftler vermuten, dass der Beginn des Lebens in der Tiefsee an hydrothermalen Quellen stattgefunden haben könnte. Die Erforschung der Tiefsee könnte daher wichtige Erkenntnisse über die Evolution des Lebens liefern.
Zudem beherbergt sie eine enorme, noch weitgehend unerforschte Artenvielfalt. Wissenschaftler vermuten, dass der Beginn des Lebens in der Tiefsee an hydrothermalen Quellen stattgefunden haben könnte. Die Erforschung der Tiefsee könnte daher wichtige Erkenntnisse über die Evolution des Lebens liefern.
Zusammenfassung
- Tiefsee-Spinne züchtet Methan-Mikroben als Nahrungsquelle auf Körper
- Entdeckung vor Kalifornien und Alaska an Methanquellen im Meeresboden
- Spinne erntet Bakterien mit speziellem Rüssel und feinen Mundwerkzeugen
- Mikroben-Farming wird über Eiersäcke an nächste Generation weitergegeben
- Wissenschaftler wiesen Methan-Kohlenstoffaufnahme durch markierte Isotope nach
- Forschungsergebnisse im Juni 2025 im Fachjournal PNAS veröffentlicht
Siehe auch:
- Geheimnis um "dunklen Sauerstoff" in der Tiefsee wurde enträtselt
- China stellt Tiefsee-System zum Durchtrennen von Unterseekabeln vor
- Forscher "sprachlos" über seltsame Dynamik der Tiefsee-Strömungen
- Huawei verkauft Tiefseekabel-Sparte - Folgen des US-Embargos?
- Tiefseekabel zerstört: Somalia ist seit einem Monat offline
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