Neuer Speicherchip rechnet ohne Prozessor direkt beim Speichern

Ein neuartiger Speicherchip erkennt Veränderungen in Daten von selbst - ohne Prozessor, ohne Rechenbefehl, allein durch seine physikalische Struktur. Dies spart erstaunlich viel Energie und könnte unter anderem mobile Geräte deutlich effizienter machen.
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Durchbruch: Speicherchip rechnet ohne Prozessor

In der modernen Chiparchitektur führt die Trennung von Speicher und Recheneinheit zu Energieverlusten und Latenz. Jede Berechnung erfordert mehrfaches Datenverschieben. Dieses Grundprinzip, bekannt als Von-Neumann-Architektur, limitiert Systeme wie mobile Geräte wegen der beschränkten Energiekapazität besonders - etwa bei Aufgaben wie Bewegungserkennung oder Bildverarbeitung fällt dies ins Gewicht, da große Datenmengen in kurzer Zeit verarbeitet werden müssen.

Ein innovatives Bauelement, entwickelt von einem Forscherteam um Guangdi Feng, Xiaoming Zhao und Chungang Duan von der East China Normal University, nutzt sogenannte ferroelektrische Polymere, die nicht nur Informationen speichern, sondern beim Umschalten ihres Zustands auch Strom erzeugen. Dieser Strom signalisiert direkt eine Veränderung - ideal für Rechenaufgaben, bei denen Unterschiede zwischen Datenpunkten erkannt werden müssen.


Interessante Fakten zum neuartigen Speicherchip:
  • Materialspezifikation: Das Team verwendete speziell Poly(vinylidene fluoride) trifluoroethylene (P(VDF-TrFE)) Copolymere als ferroelektrisches Material.
  • Operationsgeschwindigkeit: Die Forscher demonstrierten, dass der In-Memory-Differentiator mit einer Frequenz von 1 MHz effizient arbeiten kann, mit Potenzial für noch höhere Geschwindigkeiten bei Verwendung anderer ferroelektrischer Materialien.
  • Speicherfähigkeit: Die Retention-Kapazität des Systems überschreitet fünf Tage, was die Erkennung von Bewegungsobjekten auch in langsamen dynamischen Szenarien ermöglicht.
Neues ferroelektrisches Bauelement führt Berechnungen im Speicher durchBerechnung: Ferroelektrisch vs. klassisch Das Herzstück der Technologie bildet ein ferroelektrischer Kondensator. Diese Kondensatoren speichern elektrische Ladung und behalten ihre Informationen auch nach dem Ausschalten bei. Bei Änderung der Polarität - der Ausrichtung der elektrischen Ladung - fließt messbar Strom. Diese Eigenschaft wurde gezielt für Differenzialoperationen genutzt, also Berechnungen zur Erkennung von Veränderungen oder Bewegungen.

Millionenfach effektiver

Laut der in Nature veröffentlichten Studie benötigt eine solche Rechenoperation nur etwa 0,24 Femtojoule - millionenfach weniger als herkömmliche Prozessoren wie der Intel 12900 oder die NVIDIA V100. Für die Demonstration wurden 1600 dieser Bauelemente in einem einfachen Gitter ohne zusätzliche elektronische Schalter eingesetzt. Das System verarbeitet Daten während der Speicherung - ohne Weiterleitung an eine separate Recheneinheit.

Da ferroelektrische Materialien bereits in der Chipfertigung eingesetzt werden, erscheint die Skalierung zu größeren Speicher-Arrays technisch machbar. Die Forscher nennen als langfristige Vision sogar die direkte physikalische Berechnung komplexer Prozesse - beispielsweise zur Echtzeitanalyse medizinischer Daten.

Zusammenfassung
  • Neuartiger Speicherchip erkennt Datenänderungen ohne Prozessor
  • Chip nutzt ferroelektrische Polymere zur Informationsspeicherung
  • Technologie könnte mobile Geräte deutlich effizienter machen
  • Herz der Technologie ist ein ferroelektrischer Kondensator
  • Rechenoperation benötigt nur etwa 0,24 Femtojoule Energie
  • 1600 Bauelemente wurden in einfachem Gitter ohne Schalter eingesetzt
  • Skalierung zu größeren Speicher-Arrays erscheint technisch machbar

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