Expedition zum Marianengraben entdeckt tausende neuer Lebensformen

Unter gigantischem Druck, in ewiger Dunkelheit: Dort, wo man kaum Leben vermutete, entdeckten Wissenschaftler tausende neue Arten. Hightech-Expeditionen in den Marianengraben zeigen: Selbst am tiefsten Punkt der Erde pulsiert das Leben.
U-Boot, Meeresboden, Tauchboot, Marianengraben, Tauchboot Fendouzhe
MEER

Marianengraben enthüllt: Leben unter Extremdruck

Seit Beginn der Meeresforschung sind die tiefsten Regionen unserer Ozeane ein Mysterium. Proben aus Tiefen von über 6.000 Metern zu entnehmen, stellte Wissenschaftler bisher vor enorme Herausforderungen. Doch technologische Fortschritte eröffnen nun neue Möglichkeiten. Das MEER-Projekt (Mariana Trench Environment and Ecology Research) nutzte diese, um erstmals systematisch die Ökologie des Hadal-Bereichs zu erforschen - jener Zone, die tiefer als 6.000 Meter liegt.

Zentral für den Erfolg der Mission war das bemannte Tauchboot Fendouzhe. Mit einer Tauchzeit von sechs Stunden am Meeresboden und einer Ladekapazität von 220 kg übertrifft es bisherige Methoden deutlich. In 33 Tauchgängen sammelten Forscher in den letzten Jahren über 1.600 Proben aus Tiefen bis zu 10.900 Metern. Diese stammten aus verschiedenen geologischen Formationen wie Grabenhängen und Ebenen des Marianengrabens, des Yap-Grabens und des Philippinenbeckens.


Unsere Forschung liefert wertvolle Erkenntnisse, die unser Verständnis für die Möglichkeit fremdartiger Lebensformen in anderen Ökosystemen des Planeten verbessern können.
Xu Xun, Direktor BGI-Research
Die gesammelten Proben wurden jetzt erstmals mittels modernster genetischer Analysen untersucht. Das Ergebnis: ein einzigartiger Datensatz von 92 Terabasepaaren - also 92 Billionen einzelner genetischer Bausteine - enthüllte die Existenz von 7.564 Mikrobenarten. Zur großen Überraschung der Forscher waren 89,4 Prozent dieser Arten bisher unbekannt.

Mehrere Arbeiten

Die Forschungsergebnisse wurden am Donnerstag im Fachmagazin Cell veröffentlicht. Die Ausgabe umfasst drei wissenschaftliche Artikel und einen Kommentar, der sich den neuen Erkenntnissen rund um die ökologischen Wunder der Hadalzone widmet.

Eine der Untersuchungen offenbart auch, wie sich das Leben an die extremen Bedingungen angepasst hat. Mikroben und größere Organismen wie Tiefsee-Amphipoden nutzen ähnliche Strategien: Sie verfügen über verbesserte Antioxidationsmechanismen und speichern spezielle Moleküle, sogenannte Osmolyte, die ihre Zellstrukturen unter enormem Druck stabilisieren.
Tiefsee-Tauchboot FendouzheDas Tauchboot Fendouzhe ... Tiefsee-Tauchboot Fendouzhe... machte die Entdeckungen möglich
Die Ergebnisse des MEER-Projekts sind nun öffentlich zugänglich und bieten eine Grundlage für weitere Forschungen. Die Tiefsee bleibt zwar auch nach den neuesten Durchbrüchen eines der am wenigsten erforschten Gebiete unseres Planeten, doch Stück für Stück kommt etwas mehr Licht ins ewige Dunkel.

Technische Fakten zum Tiefsee-Tauchboot Fendouzhe:
Wie tief kann Fendouzhe tauchen?
Das Tiefsee-Tauchboot Fendouzhe hat eine beeindruckende maximale Tauchtiefe von 10.909 Metern, was es zu einem der tiefsten tauchfähigen Fahrzeuge der Welt macht. Diese Leistung wurde am 10. November 2020 während eines Rekordtauchgangs offiziell bestätigt.

Der Druckkörper aus spezieller Titanlegierung (Ti-62A) mit 82 mm Wandstärke ist für extreme Druckbelastungen von bis zu 110 MPa ausgelegt, was dem immensen Druck in den tiefsten Ozeanregionen standhält. Das Tauchboot ist mit zahlreichen Sicherheitssystemen ausgestattet, die auch in dieser extremen Tiefe zuverlässig funktionieren.
Wie lange kann es unter Wasser bleiben?
Die Fendouzhe ist für eine Betriebsdauer von 12 Stunden unter Wasser ausgelegt. Diese Zeit wird durch den leistungsstarken Lithium-Polymer-Akku mit 240 kWh Kapazität ermöglicht, der die beiden 50-kW-Permanentmagnetmotoren und alle Bordsysteme versorgt.

Im Notfall verfügt das Tauchboot über ein dreistufiges Lebenserhaltungssystem mit zusätzlichem Sauerstoff für bis zu 72 Stunden, was der dreiköpfigen Besatzung einen erheblichen Sicherheitspuffer bietet. Die Sauerstoffkonzentration wird konstant bei 21 Prozent gehalten, während spezielle LiOH-Filter das ausgeatmete CO₂ absorbieren.
Wie viel kostet ein solches Tauchboot?
Die genauen Kosten des Fendouzhe-Tauchboots wurden nicht offiziell veröffentlicht. Es handelt sich um ein vollständiges Eigenentwicklungsprojekt im Rahmen des staatlichen 863-Programms, das zwischen 2016 und 2020 durchgeführt wurde und vermutlich mehrere hundert Millionen Euro gekostet haben dürfte.

Angesichts der hoch spezialisierten Materialien wie der speziellen Titanlegierung, der fortschrittlichen Elektronik und der jahrelangen Entwicklungsarbeit durch Spezialisten ist davon auszugehen, dass die Kosten deutlich höher liegen als bei konventionellen Unterwasserfahrzeugen. Vergleichbare Tiefseeprojekte anderer Nationen haben Investitionen im dreistelligen Millionenbereich erfordert.
Wie kommuniziert es mit der Oberfläche?
Die Fendouzhe nutzt ein hoch entwickeltes, hybrides akustisches Modem, das Daten mit einer Geschwindigkeit von 10 kbit/s über verschiedene Protokolle wie MPSK, MFSK, FHSS und SSB übertragen kann. Dies ermöglicht selbst aus extremen Tiefen eine stabile Kommunikation.

Eine besonders bemerkenswerte Leistung ist die Phased-Array-Antenne, die eine Reichweite von bis zu 12 km selbst bei starkem Umgebungsrauschen von 125 dB gewährleistet. Diese Technologie ermöglichte während des Rekordtauchgangs 2020 sogar Echtzeit-Videostreaming aus 10.909 m Tiefe - eine technische Meisterleistung in der Unterwasserkommunikation.
Welche wissenschaftlichen Geräte hat es?
Das Fendouzhe ist mit einer modularen wissenschaftlichen Nutzlast ausgestattet, die speziell für Tiefseeforschung konzipiert wurde. Dazu gehört ein 24-kHz-Echolot zur Kartierung des Meeresbodens und verschiedene chemische In-situ-Sensoren zur Analyse der Wasserparameter in Echtzeit.

Für Probenentnahmen verfügt das Tauchboot über einen hochpräzisen 6-DOF-Roboterarm mit einer Griffkraft von 250 Newton sowie spezielle Titan-Probenkammern mit einem Volumen von 120 Litern, die auf 4°C gekühlt werden können, um die gesammelten Proben in ihrem natürlichen Zustand zu erhalten.
Wie navigiert es in der Tiefsee?
Das Navigationssystem der Fendouzhe basiert auf einer Kombination aus USBL (Ultra-Short Baseline), DVL (Doppler Velocity Log) und SINS (Strapdown Inertial Navigation System), was eine Tiefengenauigkeit von beeindruckenden 0,1 Prozent ermöglicht. Dies bedeutet bei maximaler Tauchtiefe eine Abweichung von nur etwa 10 Metern.

Zusätzlich verfügt das Tauchboot über ein Multibeam-FLS-Sonar (Forward Looking Sonar) mit 120° Azimutabtastung, das mittels Kalman-Filter-Fusion präzise Echtzeit-Informationen über die Umgebung liefert. Diese Technologie ermöglicht eine sichere Navigation, selbst in unbekannten und schwierigen Unterwassergebieten.
Wie ist der Druckkörper konstruiert?
Der Druckkörper der Fendouzhe besteht aus einer sphärischen Titanlegierung (Ti-62A) mit einem Innendurchmesser von 2,1 Metern und einer beeindruckenden Wandstärke von 82 mm. Diese Konstruktion ist speziell für extreme Druckbelastungen von bis zu 110 MPa (entspricht etwa 11.000 Tonnen pro Quadratmeter) ausgelegt.

Zum Schutz vor Korrosion ist der Druckkörper mit einer speziellen Multilayer-Composite-Beschichtung versehen. Besonders innovativ sind die 32 eingebauten Faser-Bragg-Sensoren, die kontinuierlich die strukturelle Integrität überwachen und selbst mikroskopisch kleine Risse sofort detektieren können, was die Sicherheit der Besatzung erheblich erhöht.
Wie funktioniert der Notfallaufstieg?
Die Fendouzhe verfügt über ein automatisches Notaufstiegsprotokoll, das bei Erkennung einer strukturellen Überlastung oder anderen kritischen Situationen sofort aktiviert wird. In einem solchen Fall werden Ballastsysteme automatisch aktiviert, um einen schnellen, kontrollierten Aufstieg zur Oberfläche zu ermöglichen.

Das dreistufige Lebenserhaltungssystem mit Notfall-Sauerstoffreserven für 72 Stunden gibt der Besatzung ausreichend Zeit, selbst bei technischen Problemen sicher zur Oberfläche zurückzukehren. Die redundante Auslegung aller kritischen Systeme und die ständige Überwachung durch die fortschrittlichen Sensoren sorgen für ein Höchstmaß an Sicherheit selbst unter extremen Bedingungen.
Zusammenfassung
  • Expedition zum Marianengraben entdeckt überraschend vielfältiges Leben
  • Tauchboot Fendouzhe ermöglicht umfangreiche Probennahme in Tiefen bis 10.900 m
  • Genetische Analyse enthüllt 7564 Mikrobenarten, davon 89,4 Prozent unbekannt
  • Organismen zeigen Anpassungen an extremen Druck und Dunkelheit der Tiefsee
  • Forschungsergebnisse liefern Einblicke in mögliche fremdartige Lebensformen
  • Öffentlich zugängliche Daten bilden Grundlage für weitere Tiefseeforschung

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!